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Wirtschaftstheorien Teil 31: Keynes – ein Fazit

Heute geht es mit der Wirtschaftstheorien-Reihe weiter und nachdem wir uns in den letzten Ausgaben ausführlich mit Keynes, seinen Theorien und Gedanken und dem was er und was er nicht gesagt hat beschäftigt haben, möchte ich heute ein Fazit ziehen.

Keynes – ein Kind seiner Zeit

Die Zeit der Weltwirtschaftskrise von vor 80 Jahren war für niemanden besonders schön und auch nicht für Keynes, der dann unter dem vorherrschenden Eindruck von Deflation und Depression seine General Theory schrieb.

Die heutigen Amerikaner (also beispielsweise Ben Bernanke von der FED, Ökonom Paul Krugman und wohl auch der US-Präsident) gehen davon aus, dass die Konjunkturprogramme, unter Roosevelts New Deal eine feine Sache waren, aber lange nicht effektiv genug. Hätte man damals starke Konjunkturprogramme eingebracht, dann, so die Annahme, wäre die US-Wirtschaft vielleicht gar nicht erst in die Depression gerutscht, aber allemal die Erholung schneller vonstatten gegangen.

Nach dem II. Weltkrieg implementierten viele Staaten weltweit verschiedene Formen einer Politik mit keynesianischem Einfluss. Nun waren die 20 Jahre nach dem Krieg, wie wir alle wissen, in vielen Staaten von wachsendem Wohlstand und niedriger Arbeitslosigkeit gekennzeichnet, aber auch von immer wieder steigender Inflation. Bis in die 70er Jahre hinein galt keynesianische Theorie folglich als „in“.

Beschäftigung und Wachstum waren wichtiger, als eine bisweilen höhere Teuerungsrate. Dann tauchte ein neues Phänomen auf, welches Keynes nicht voraus gesehen hatte und auch nicht konnte: Die Stagflation. So sollte also Milton Friedman recht behalten, der 1968 schrieb, dass keynesianische Politik, sowohl zu steigender Inflation, als auch gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit führen könne.

Damit war keynesianische Politik als Nonplusultra erst einmal abgeschrieben, dennoch wird Keynes noch heute als einer der größten Ökonomen der Neuzeit verehrt und vor allem noch immer oft umgesetzt. Wobei in nicht wenigen Fällen dem guten Keynes mehr zugeschrieben wird, als dieser tatsächlich propagiert hatte. Nach Keynes kamen seine Keynesianer und mit ihnen viele „Fort- und Weiterentwicklungen“ seinen nur ansatzweise beschriebenen Ideen. Doch mit den Keynesianern wollen wir uns erst in der kommenden Ausgabe beschäftigen.

Keynes funktioniert – nur nicht immer

Insgesamt kann man wohl sagen: Keynes‘ Theorien funktionieren durchaus in einer schweren Depression, doch zu anderen Zeiten kann die ungebremste Liquiditäts- und Niedrigzinspolitik, genauso wie das Dogma des immerwährenden Wachstums auch nach hinten los gehen und weitere Probleme nach sich ziehen.

Obwohl ich John Maynard Keynes für einen der größten Denker des 20.Jahrhunderts halte, seine Theorien absolut nachvollziehen kann und in bestimmten Fällen auch so unterstützen würde, störe ich mich persönlich an Keynes‘ übergroßem Glauben an den Staat als Lenker und Leiter von allem.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Regeln muss es geben, an den Finanzmärkten ebenso wie im Finanzsystem, aber die absolutistische Oberherrschaft über Markt und System einem alle paar Jahre wechselnden lockeren Verbund an Berufspolitikern zu übergeben, halte ich für grob fahrlässig.

In der nächsten Ausgabe möchte ich Ihnen die Keynesianer vorstellen, bevor wir uns der nächsten Strömung widmen.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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