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Wirtschaftstheorien Teil 30: Keynes von hoher Aktualität II

Heute wollen wir mit der Wirtschaftstheorien-Reihe fortfahren, genauer gesagt beschäftigen wir uns noch immer mit John Maynard Keynes und seinen Gedanken, die noch heute von höchster Brisanz sind und angewendet werden.

In der letzten Ausgabe der Reihe haben wir gesehen, dass es Grundgedanken von Keynes sind, die auch noch eine Grundlage für die aktuelle Liquiditäts- und Niedrigzinspolitik der Notenbanken liefern. Doch noch etwas anderes geht auch auf das Konto von Keynes:

Das Dogma des immerwährenden Wachstums

So schrieb Keynes in seiner General Theory:

„The right remedy for the trade cycle is not to be found in abolishing booms and thus keeping us permanently in a semi-slump; but in abolishing slumps and thus keeping us permanently in a quasi boom.“ [Das richtige Mittel für den Konjunkturzyklus findet man nicht in rückläufigen Boom-Phasen, die uns permanent mit einer halben Rezession belassen; das richtige Mittel ist eine rückläufige Baisse, die uns permanent mit einem scheinbaren Boom versorgt.] (John Maynard Keynes, General Theory of Employment Interest and Money, Buch 6, Kapitel 22, Abschnitt 3, Seite 322, 1936)

Keynes war also sehr auf das Wachstum fixiert, mochte eine Baisse gar nicht leiden. Und noch etwas schien er gar nicht leiden zu können:

Die Teilnehmer an den Finanzmärkten

So schreibt er wiederum in der General Theory:

„It is generally agreed that casinos should, in the public interest, be inaccessible and expensive. And perhaps the same is true of Stock Exchanges.“ [Es findet allgemeine Zustimmung, dass Kasinos im öffentlichen Interesse schwer zugänglich und teuer sein sollten. Und vielleicht sollte das gleiche für Aktienbörsen gelten.] John Maynard Keynes, General Theory of Employment Interest and Money, Buch 4, Kapitel 12, Abschnitt 6, Seite 159, 1936)

Das ist aber noch nicht alles. Keynes waren die Finanzmarktteilnehmer offenbar so verhasst, dass er sogar eine frühzeitige Form der Tobin Tax, also der Finanztransaktionssteuer ansprach:

„The introduction of a substantial Government transfer tax on all transactions might prove the most serviceable reform available,with a view to mitigating the predominance of speculation in the United States.“ [Die Einführung einer erheblichen staatlichen Transfer-Steuer auf alle Transaktionen könnte sich als die am meisten zweckdienliche mögliche Reform herausstellen, mit Blick auf die Entschärfung der Überlegenheit der Spekulation in den USA.] John Maynard Keynes, General Theory of Employment Interest and Money, Buch 4, Kapitel 12, Abschnitt 6, Seite 160, 1936)

Vor allem aber war Keynes ein realer Wert verhasst, weil dieser eine Umsetzung seiner Grundgedanken verhindert hätte:

Gold bzw. der Goldstandard

„In truth the gold standard is already a barbarous relic.“ [In Wahrheit ist der Goldstandard bereits ein barbarisches Relikt] ( John Maynard Keynes, Monetary Reform , Seite 172, 1924).

So war er, der alte Keynes. Oder besser, das alles hat er tatsächlich geschrieben. Ein Fazit zu dem heute wohl bekanntesten Ökonomen hebe ich mir für den nächsten Teil auf.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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