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Wirtschaftstheorien Teil 23: Keynes Nachfragesog-Theorie

In der letzten Ausgabe der Wirtschaftstheorien-Reihe hatten wir mit dem großen und bekannten Ökonomen Keynes begonnen und uns einen Überblick über einige Grundsätze seiner Theorien gegönnt. Heute wollen wir an dieser Stelle fortfahren, mit einem Thema, dass ich – wenn es um Keynes geht – für besonders interessant halte.

Keynes Gedanken zur Inflation

In Keynes‘ Hauptwerk „General Theory“ gewinnt man den Eindruck, dass Keynes sich nicht sonderlich mit der Inflation befasst hat. Tatsächlich fehlt hier grundsätzlich die Auseinandersetzung mit den Ursachen von Inflation.

Dies ist absolut nachvollziehbar, denn Keynes schrieb sein Hauptwerk während der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Damals war nicht die Inflation, sondern die Deflation das beherrschende Thema. Mit anderen Worten: Inflation war für Keynes zu diesem Zeitpunkt schlichtweg kein Problem.

1940 erkannte Keynes, dass auch die Inflation ein Thema ist, mit dem es sich zu beschäftigen gilt und griff die Thematik in seiner Publikation „How to pay for the war?“ auf.

Die Nachfragesog-Theorie

Keynes geht davon aus, dass die Inflation von der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage abhängt und nicht etwa ein direktes Ergebnis der Ausweitung der Geldmenge ist.

Seine Grundidee lautet: Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, dieses aber begrenzt ist, führt der Nachfrageüberhang nicht zu mehr Produktion, sondern zu steigenden Preisen.

Kerngedanke des Ganzen ist auch hier die Vollbeschäftigung. Seiner Theorie zufolge führt die Vollbeschäftigung zu eben jenem wachsenden Nachfrageüberhang, der dann zu steigenden Preisen führt. Dadurch entsteht die Gefahr, dass Arbeitnehmer als Ausgleich für ihren realen Kaufkraftverlust steigende Löhne fordern. Durch steigende Löhne erhöht sich wiederum die Nachfrage, was zu weiter steigenden Preisen führt (Preis-Lohn-Spirale).

Immerhin sieht Keynes allerdings die Ausweitung der Geldmenge, wenn auch nicht als Grund für steigende Inflation, so zumindest als Symptom dessen, durch die stattfindende Ausweitung der Kreditfinanzierung.

So schreibt Keynes in „How to pay for the war?“: Die Ausgaben für den Krieg sollten größtenteils über höhere Steuern finanziert werden und nicht mit Hilfe von deficit spending, um die Inflation zu vermeiden.

Allerdings darf man nicht vergessen, dass Keynes in „How to pay for a war“ über eine Kriegswirtschaft schreibt und hier die Maßstäbe durchaus etwas anders setzt. Zumindest anders als 1933, denn dort hatte Keynes das deficit spending in seinem offenen Brief an Präsident Roosevelt noch propagiert.

Dazu das nächste Mal mehr. In den nächsten Ausgaben beschäftigen wir uns ein wenig intensiver mit Keynes und der Inflation und sehen uns auch weitere Kernthesen an.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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