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Trading: Anatomie in der Charttechnik

Gestern haben wir uns mit dem Dreieck als Trendbestätigungsformation befasst. Heute kümmern wir uns um die bekannteste Trendumkehrformation.

Kurse entwickeln sich in Trends. Diese können kurz oder lang sein, auffällig oder eher unauffällig. Doch am Beginn und am Ende eines Trends bilden sich häufig Formationen, die eine Umkehr des bisherigen Trends hervorragend anzeigen.

Als erfahrener Trader können Sie davon profitieren, indem Sie früher als andere die Situation erkennen und entsprechend agieren – indem Sie Positionen eröffnen oder schließen.

Formationen im Auf- oder Abwärtstrend

Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Abwärtstrend oder Aufwärtstrend endet, denn schließlich können Sie long oder short gehen. Für beide Trendvarianten gibt es ausgeprägte Trendumkehrformationen.

Manche beginnen eher schleichend, manche heftig. Die Chartformation, die die Trendumkehr anzeigt, kann sich langsam oder zügig ausbilden.

Grundsätzlich kann folgendes angenommen werden: Je länger und ausgeprägter ein Trend ist, desto heftiger fällt auch die Trendumkehr aus.

Erkennen Sie die menschliche Gestalt?

Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) ist die bekannteste und wichtigste, noch dazu „anatomische“ Chartformation. Erkennen Sie im Chart die Umrisse eines menschlichen Oberkörpers? Sicher, dafür ist etwas Fantasie nötig.

SKS

Bild: Hier handelt es sich um eine SKS-Formation. Bei der inversen SKS-Formation, muss das Bild einfach auf den Kopf gestellt werden.

Die SKS-Formation zeigt eine Umkehr des langfristigen Trends an, und zwar das Ende des langfristigen Aufwärtstrends und die Umkehr in einen Abwärtstrend. Die SKS-Formation ist also ein bärisches Signal.

Die bullische Variante der SKS-Formation steht Kopf

Es gibt aber auch das entgegengesetzte Pendant zu dieser Formation. Diese ist schwieriger im Chart zu erkennen, da die SKS-Formation hier auf dem Kopf steht. Die inverse SKS-Formation ist demnach ein bullisches Signal.

Zurück zur anschaulicheren „normalen“ SKS-Formation: In einem gesunden Kursanstieg folgt nach einer Konsolidierungsphase ein höheres Hoch, nämlich der Kopf, der die linke Schulter übersteigt.

Nach der nächsten Konsolidierungsphase wird ein neues lokales Hoch markiert, die rechte Schulter, die unterhalb des Kopfes ihr Ende findet. Dies ist das erste Schwächeanzeichen.

Bruch der Nackenlinie bedeutet Trendumkehr

Ein Short-Signal wird aber erst generiert, wenn die so genannte Nackenlinie unterschritten wird. Diese Linie verbindet die lokalen Tiefpunkte. Kommt es zum Bruch der Nackenlinie, ist die Trendumkehr sozusagen offiziell vollzogen.

Besonderheit: Häufig kommt es nach dem Verkaufsignal und einem vorübergehenden Kursrückgang noch einmal zu einem Rücklauf an die Nackenlinie, den so genannten Pullback. Dieser bestätigt aber nur das vorherige Signal.

SKS-Formation gibt sogar das Kursziel aus

Nur wenige Chartformationen erlauben es, so zuverlässig ein Kursziel abzuleiten. Dabei wird der Abstand zwischen Nackenlinie und Kopf (also Höchstkurs) gemessen und einfach nach unten projiziert.

Auch den optimalen Stopp können Sie bei einem Einstieg gut aus dem Chart herauslesen: Er liegt etwas über der Nackenlinie. Daraus ergeben sich meist sehr gute Chance-/Risikoverhältnisse.

Doch so hoch die Trefferquote dieser Chartformation – auch der inversen SKS-Formation – auch ist, so selten kommt sie leider vor –  jedenfalls bei langfristigen Trends.

Und bei kurz- und mittelfristigen Trends nimmt die Trefferwahrscheinlichkeit merklich ab. Unterhalb des 4-Stunden-Charts sollten Sie die Formation deshalb nicht mehr anwenden.

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Über den Autor Till Kleinlein

Till Kleinlein ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er wurde bereits sehr früh vom Börsenvirus infiziert.

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