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Vom RSI zur linearen Regression

Im gestrigen Chart des SPY (ETF auf den S&P 500) habe ich Ihnen gezeigt, dass der Relative Strength Index (RSI) kurz vor einem Kaufsignal steht. Aber es gibt in diesem Chart noch zwei weitere Hinweise, die Ihnen helfen, jetzt eine gute Prognose für den US-Aktienmarkt zu erstellen. Sie wissen: So wie die Börse in den USA, so läuft auch der DAX.

Kommen wir zunächst zum Fibonacci-Retracement im gestrigen Chart. Dazu nehmen Sie das SPY-Kurshoch bei 147 US-Dollar (September/Oktober, waagerechte Linie, rot gestrichelt) und bilden die Differenz zum jüngsten Kurstief bei 135 US-Dollar vom 19. November. Nun tragen Sie ausgehend vom Kurstief die Fibonacci-Retracements bei 38,2 Prozent, 50 Prozent und 61,8 Prozent dieser Strecke ein. Der Kurs befindet sich aktuell auf dem Niveau der 61,8-Prozent-Marke (gelb markierte Zone). Sollte er die Widerstandslinie bei 61,80 Prozent nach oben überlaufen, so können Sie davon ausgehen, dass die jüngste Abwärtsbewegung ihren Schrecken verloren hat und als Korrektur des vorherigen Aufwärtstrends gewertet werden muss. Der Durchbruch sollte aber nachhaltig erfolgen, Sie sollten sich daher diesen Chart und die Schlusskurse noch einmal am kommenden Freitag ansehen.

Schauen wir uns nun den RAFF-Regressionskanal an. Er zeigt ein ähnliches Bild. Hier möchte ich aber etwas weiter ausholen. Sie sehen die steigende Mittellinie (blau)? Genau, das ist der  Mittelkurs aus der Zahlenreihe (Schlusskurse) zwischen Kurstief und Kurshoch. Damit haben Sie eine gerechnete Mittellinie und keine gezeichnete, wie man das in früheren Zeiten mit spitzem Bleistift machen musste.

 

Funktionsweise der linearen Regression beim Handeln

 

Wenn Sie sich die Kursdaten im Chart betrachten, dann könnten Sie die oberen und unteren Punkte verbinden und auf diese Weise Trendkanäle zeichnen. Früher wurde das auf Millimeterpapier mit Lineal und Bleistift gemacht, sah einfach aus, war aber ziemlich schwer, weil es vieler Übung bedurfte und stets den Charakter der Willkür hatte.

Gilbert Raff geht einen mathematischen Weg, indem er für einen Zeitraum X (im Beispiel Beginn am Tiefpunkt, Ende am Kurshoch) eine lineare Regression errechnet. Das Ergebnis: Die Linie wird so in den Kursverlauf eingezeichnet, dass sie rechnerisch genau durch die Mitte der Kurse führt. Jetzt werden Sie vielleicht denken: so ein Quatsch, denn wie der Chart zeigt, befindet sich die Regressionsline mal unterhalb und mal oberhalb der Kurse. Antwort: Sie nehmen im Beispiel alle Schlusskurse des gesamten Zeitraums (vom Kurstief bis zum Kurshoch) und und bestimmen rechnerisch (mithilfe der sogenannten Methode der kleinsten Quadrate) die Gerade, bei der die Summe der Abweichungen der einzelnen Kurspunkte (Abstand zwischen Schlusskursen und Gerade) minimiert wird. So erhalten Sie die gesuchte Mittellinie, die sie im zweiten Arbeitsgang parallel nach unten und oben so verschieben, dass alle Kursausreißer einbezogen werden. Es ergibt sich also eine obere und untere Trendlinie. Wichtig: Eine Trendwende liegt vor, wenn die obere oder untere Kanalbegrenzung durchbrochen wird. In unserem Beispiel wird der Aufwärtstrend verletzt, wenn der Kurs den Trendkanal nach unten durchbricht.

 

Exkurs: Sonderfunktion der linearen Regression      

 

Sie haben bestimmt schnell erkannt, dass sich hier ein Neigungswinkel der Regressionslinie ermitteln lässt. Wenn Sie beispielsweise die letzten 5 und die letzten 20 Handelstage vergleichen (nicht eingezeichnet), können Sie feststellen, ob sich der Neigungswinkel der kurzen Linie im Vergleich zur längeren verringert oder erhöht, nicht wahr? Erhöht sich der Neigungswinkel der kurzen Linie, so erkennen Sie eine Trendbeschleunigung. Ach so, noch etwas: Innerhalb des Trendkanals neigt der Kurs dazu, immer wieder die Mittellinie anzusteuern. Somit ergeben sich an den oberen und unteren Trendlinien antizyklische Handelssignale, die sich mit kleinen Stopps gut handeln lassen.

 

RSI und lineare Regression 

Quelle:StockCharts.com

 

Fazit: Wenn Sie sich den gestrigen Chart vom SPY ansehen und berücksichtigen, dass die Wall Street am 11.12. fester geschlossen hat, dann deutet alles auf eine Jahresendrallye hin. Allerdings bleibt als Unsicherheitsfaktor die Frage: „Wie umschiffen die Amerikaner ihr Fiscal-Cliff?“

Aber, Technische Analysten richten sich nun einmal nach Indikatoren und Marktlage und weniger nach Medienberichten. Deshalb sind die Signale, die der S&P 500 aussendet und die wir jetzt untersucht haben, ernst zu nehmende Kaufsignale. Das sind Fakten, nach denen wir uns in der Vermögensverwaltung zu richten haben. Bitte aber nicht vergessen: Sichern Sie sich trotz guter Signale immer ab und riskieren Sie niemals mehr, als Sie in einem kurzen Zeitraum zurückverdienen können. Denn Traden sollte niemals in Stress ausarten. Warum? Stress erhöht die Fehlerquote, ein Aspekt, den ich in meinem neuesten Buch „Vom Aktionär zum Trader“ für meine Leser aufgearbeitet habe. Übrigens eignen sich Trading- und Coachingbücher auch sehr gut als Weihnachtsgeschenk.

 

Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen

Ihr Jürgen Nowacki

Chefredakteur Investoren-Wissen und Trading Coach

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