MenüMenü

Volatilität: Das sollten Anleger über Schwankungen wissen

Ich erinnere mich noch gut daran: Der Markt war im absoluten Sturzflug. Ich hatte gerade eine riesige Shortposition aufgebaut, genau zu dem Zeitpunkt, als der Markt nach unten ging.

Während alle an der Wall Street schrien, konnte ich zufrieden grinsen. Dann erkannte ich aber, dass ich überhaupt keinen Grund dazu hatte. Ich lag zwar auf der richtigen Seite des Marktes. Und er ging ziemlich schnell nach unten.

Aber ich hatte die falsche Aktie ausgesucht. Ich verdiente fast kein Geld, weil meine Aktie kaum fiel. Ich hatte eine Aktie mit niedriger Volatilität gewählt, weil sie vorher die ganze Zeit über schwach war. Aber diese Aktie, die sich normalerweise kaum bewegt, tat es auch jetzt nicht, als ich investiert war.

Wenn Sie jemals die Richtung des Marktes vorhergesehen, aber auf die falsche Aktie gesetzt haben (was den meisten von uns schon passiert ist), dann passiert das am ehesten, wenn Sie eine Aktie mit niedriger Volatilität wählen.

Volatilität – eine Definition

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Beweglichkeit mit dem Begriff der Volatilität gleichgesetzt. Allerdings sollte man immer hinterfragen, was sich genau hinter dem Begriff Volatilität verbirgt und wie diese ermittelt wurde.

Der Begriff der Volatilität steht nicht für ein eindeutig definiertes Verfahren, sondern es gibt – je nach Anwendung – mehrere Methoden wie diese ermittelt werden kann. So unterscheidet man beispielsweise zwischen historischer und impliziter (erwarteter) Volatilität.

Volatilität wird in der Statistik als eine Kennzahl für das Ausmaß der Preisbeweglichkeit um einen Mittelwert angesehen, der über einen bestimmten Zeitraum ermittelt wird. Je höher das Ausmaß und die Häufigkeit der Kursschwankungen, umso höher ist die Volatilität.

Eine zunehmende Volatilität zeigt eine steigende Unsicherheit über die zukünftige Preisentwicklung an. Die Volatilität ist ein Ausdruck des Preisänderungsrisikos. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Volatilität am Aktienmarkt eine relativ konstante, negative Korrelation zur Kursentwicklung aufweist.

Das heißt, steigende Kurse werden meist von sinkender Volatilität begleitetet und umgekehrt. Die Volatilität ist ein wichtiger Bestandteil bei der Ermittlung des fairen Preises einer Option. Eine steigende Volatilität führt zu einer steigenden Optionsprämie und umgekehrt.

Auch bei der Ermittlung von Stoppmarken, kann auf die Beweglichkeit einer Aktie zurückgegriffen werden. Wenn sich eine Aktie nicht so stark bewegt, kann ein engerer Stoppkurs verwendet werden, ohne große Gefahr zu laufen, von der nächsten zufälligen Kursschwankung aus dem Markt geworfen zu werden.

Volatilität messen

Sehen wir uns mal ein paar nützliche Maßstäbe für Volatilität an und wie Sie davon beim Traden oder Investieren profitieren können. Gleich vorne weg: Volatilität ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann einem helfen, wenn man richtig liegt und einen viel Geld kosten, wenn man daneben liegt.

Sehen wir uns einen praktischeren Weg an, um Volatilität zu messen, und wann man davon profitieren kann: Wer mich kennt, weiß was jetzt kommt: Wir reden jetzt über die durchschnittliche Handelsspanne.

Ich denke, es ist einer der nützlichsten Indikatoren, die es gibt. Um die Diskussion zu erleichtern spreche ich von der Verwendung der durchschnittlichen Handelsspanne von Tagescharts. Aber man kann ihn genau so gut bei Wochen oder Fünf-Minuten Charts anwenden.

In einfachen Worten, die durchschnittliche Handelsspanne misst den täglichen durchschnittlichen Abstand zwischen Hoch- und Tiefstkurs. Die Grundeinstellung der meisten Chartprogramme ist 14 Tage, so dass sie die durchschnittliche tägliche Handelsspanne (inklusive Kurslücken) der vergangenen 14 Tage messen. Misst sie die tägliche Handelsspanne, dann haben Sie ein gutes Maß für die Volatilität.

Wann können wir diesen guten Maßstab für die Volatilität verwenden?

  • Vergleichen Sie die Volatilitäten verschiedener Aktien bevor Sie einsteigen. Wenn Sie eine starke Meinung zum Markt oder einen Sektor haben, ist es sinnvoller, eine Aktie zu nehmen, bei der mehr passiert. Alles andere ist egal, eine Aktie mit höherer Volatilität wird ihnen üblicherweise mehr Gewinn bringen, wenn Sie richtig liegen.

Wenn Ihre Analyse beispielsweise sagt, dass der Halbleitersektor steigen wird, können Sie Intel kaufen – oder Xilinx. In 2009 betrug die durchschnittliche Handelsspanne von Intel 0,47 Prozent, die von Xilinx 0,75. Das sind 50 Prozent mehr.

Wenn sich der Markt in Ihre Richtung bewegt, dürfte sich Xilinx normalerweise stärker bewegen. Denken Sie aber daran, dass es auch in die andere Richtung gehen kann. Dann ist Ihr Verlust um so größer. Xilinx wird dann nämlich auch stärker fallen als Intel.

  • Nutzen Sie Volatilität um einen größeren Hebel für Ihr Geld im Portfolio zu bekommen. Jeder kann nur mit einer Summe in bestimmter Höhe einsteigen. Mit unserer Art können wir beim gleichen Eigenkapital 50 Prozent mehr Aktien von einer 50 $ Aktie kaufen als von einer Aktie für 25 US-$.

Bevor Sie einsteigen, können Sie mit einer einfachen Kennziffer das maximale aus Ihrem Eigenkapital herausholen. Teilen Sie einfach die durchschnittliche Handelsspanne der Aktie durch ihren Preis. Mit dieser Berechnung finden Sie heraus, welche Aktie den größten Gewinn je Euro bringt.

Dabei bedeutet eine niedrigere Zahl einen größeren möglichen Gewinn für jeden eingesetzten Euro. Nochmal, denken Sie daran, dass die Volatilität gegen Sie arbeitet, wenn die Dinge anders laufen, als geplant.

Aus diesem Grund sollten sie bei höherer Volatilität nur einsteigen, wenn es sich um eine erprobte Handels- und Anlagestrategie handelt und nicht, wenn Sie einfach nur was ausprobieren wollen.

Ein Tipp für Fortgeschrittene: Mein Freund Brad Martin ist ein guter Computer-Händler und ehemaliger Makler auf dem Börsenparkett in Chicago. Er hat eine tolle Strategie um schrittweise eine Position aufzubauen um davon zu profitieren, wenn eine starke Bewegung in seine Richtung läuft.

Bei den Halbleitern im Beispiel oben würde das bedeuten, Brad hätte Xilinx. Läuft es jetzt in seine Richtung, würde er nicht noch mehr Xilinx kaufen, sondern er würde zusätzlich eine Position einer anderen Halbleiteraktie, zum Beispiel von Maxim Integrated Products oder KLA-Tencor aufbauen.

Wenn es weiter in seine Richtung laufen würde, würde er einen dritten Halbleiterwert dazu nehmen. Das ist ein sehr nützlicher Weg um schrittweise Positionen aufzubauen. Hier erhöht man einerseits das eingesetzte Kapital und senkt gleichzeitig das Risiko, dass man ausgerechnet auf die Aktie im Sektor setzt, die sich nicht bewegt.

Ein praktisches Beispiel

Es hat nicht lange gedauert, bis die Kapitalanleger das Risiko vergessen haben. Aber das „Gesetz der Volatilität“ wird Sie daran erinnern. Es gibt nur wenige „sichere“ Wetten an den Finanzmärkten. Denn auf den Aktienmärkten können Sie wirklich nur sehr selten behaupten: „So ist das und es wird immer so bleiben“.

Aber eine dieser seltenen Behauptungen lautet: „Ruhige Börsenzeiten mit rosaroten Überschriften in den Finanzblättern und sanft steigenden Preisen wird immer unterbrochen durch Perioden mit beißender Volatilität – und umgekehrt.

„So funktioniert nun einmal die (Finanz-)Welt. Wissenschaftler nennen diese Idee die „Rückkehr zum Mittelwert“. Um Ihnen ein Bild für dieses einzigartige „So ist das und es wird immer so bleiben“-Phänomen zu liefern, präsentieren wir Ihnen heute die letzten drei Jahre des Volatility-Index („VIX“).

Der VIX ist das populärste Maß für Aktien-Volatilität und Kapitalanleger-Angst. Wenn der VIX tief steht (unter 18), machen sich die Kapitalanleger sehr wenig Sorgen. Wenn der VIX hoch steht (über 30), zeigt dies Panik und Verwirrung an.

Grafische Darstellung der Volatiltät

Anfang 2010 genossen die Kapitalanleger die „guten Zeiten“ der Markterholung. Die Stille wurde durch den Flash-Crash (Punkt A im Chart) zerschmettert. Mitte 2011 genossen die Investoren eine weitere ruhige Phase, die im August durch die europäische Schuldenkrise (Punk B) gestört wurde.

Wie Sie rechts unten im Chart erkennen, ist der VIX in den letzten drei Monaten abgestürzt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine neue Krise den VIX wieder nach oben katapultiert.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Investor Verlag

Das Team von Investor-Verlag.de informiert Sie fundiert über die aktuellen Entwicklungen auf den weltweiten Finanzmärkten - egal ob über Aktien, Devisen oder Rohstoffe.

Regelmäßig Analysen über Börsenwissen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Investor Verlag. Über 344.000 Leser können nicht irren.