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Mit diesem Hilfsmittel gehen Anleger bei Trends auf Nummer Sicher

Stürzt man sich als Anleger frisch ins Börsengeschehen, ist man erst mal froh, wenn man die Fundamentalanalyse einigermaßen beherrscht. Denn mit ihr lassen sich anhand von Kennzahlen die Chancen und Entwicklungen der eigenen Wertpapiere nachvollziehen.

Mit zunehmender Übung stellt sich jedoch bald heraus, dass man mit ihr an Grenzen kommt, wenn es darum geht, Gewinne bei gleichzeitiger Verlustbegrenzung so zu koordinieren, dass man den richtigen Zeitpunkt erwischt. Auf der Suche nach Lösungen stößt man auf Hilfsmittel, deren Namen einem zunächst wenig sagen, wie beispielsweise dem Parabolic SAR.

Parabolic SAR: Vorteil durch Verlustbegrenzer 

Parabolic SAR ist einer von zahlreichen Tools aus dem Bereich Chartanalyse und technische Indikatoren. Hat man sie nach anfänglicher Skepsis für sich entdeckt, zeigen sie ihre Vorteile. Während die Fundamentalanalyse schnell von der Realität überholt wird, sind sie dicht am Markt. Basierend auf historischen Verläufen präsentieren sie die aktuelle Situation in grafischen Modellen, was ein rasches Handeln erleichtert.

Die Ansätze und Schwerpunkte sind verschieden. Der Parabolic SAR ist ein Trendfolge-Indikator. Trendfolger eignen sich, wenn man auf starke Trends konzentriert ist. In Seitwärts- oder Schwächephasen indes neigen sie zu Fehlsignalen. Der Parabolic SAR hat eine Spezialität: Er kombiniert Handelsentscheidungen mit Risikokontrolle.

Der klassische Extremfall: Aktienkurse gehen immer weiter nach oben und hören nicht mehr auf zu steigen. Sobald aber der freie Fall nach unten einsetzt, zieht er alle Anleger mit sich, die den Ausstieg verpasst haben. Der Parabolic SAR sichert Gewinne nach unten ab und verfolgt gleichzeitig die Kursbewegung nach oben – dasselbe in umgekehrter Richtung. Für die Absicherung sorgt eine Stoppmarke, die fortlaufend neu berechnet wird.

Umkehrschwung mit dynamischer Stopp-Linie

Optisch entsteht dabei eine Parabelkurve, was den Namen Parabolic erklärt. SAR steht für Stop and Reverse, die Position wird gedreht, sobald eine Stoppmarke erreicht ist. Das Ganze bedeutet: Gewinne mitnehmen und sofort in die andere Richtung spekulieren. Natürlich bringen längere Trends auch höhere Gewinne. Praktisch bei diesem Umkehrschwung-System: Man ist als Anleger ununterbrochen engagiert.

Inhaltlich funktioniert das dann so: Die aktuelle Position (Kauf oder Verkauf) wird auf Basis der Tagesschlusskurse ermittelt. Dann werden die Stopps berechnet, die eine Linie bilden. Beim Kauf verläuft sie unterhalb vom Kurs, beim Verkauf darüber. Dabei haben die Punkte so viel Abstand zum Signalkurs, dass ein ungewolltes Ausstoppen vermieden wird.

Die Besonderheit: Über eine spezielle Berechnung mit einem „Beschleunigungsfaktor“ rückt die Linie immer näher an die Kurse heran – das Risiko wird geringer. Tritt die erwartete Kursbewegung ein, geht die Stopp-Linie dynamisch mit. Die Annäherung ist genauso schnell oder langsam wie die Kursbewegung. Ist die Position im Gewinn, verwandelt sich die Verlustbegrenzung in eine Gewinnabsicherung.

Fällt der SAR unter die Kurslinie, steigt man aus und setzt auf fallende Kurse. Der Wiedereinstieg wird durch die Beschleunigung kurz nach dem Tiefpunkt empfohlen. Empfohlen deshalb, weil es eine Garantie, dass der nachfolgende stärkere Trend dann auch kommt, nicht gibt – bleibt er aus, entstehen kleinere Verluste.

Abhängig von starken Trends

In weniger ausgeprägten Trend- und Seitwärtsphasen zeigen sich die Schwächen eines Trendfolgers. Ein weiterer Schwachpunkt: Weil Signale nur auf Schlusskursbasis berechnet werden, braucht der Trend gewisse Zeit, um sich aufzubauen. Bei schnellen Richtungswechseln in Seitwärtsphasen neigt der Parabolic SAR dazu, an den Extremkursen einzusteigen und die Position mit Verlust zu drehen.

Da jeder Indikator seine Stärken und Schwächen hat, sollte man sich nie auf einen einzigen verlassen. Sie geben wertvolle Hinweise, die man aber stets gegenprüfen sollte. All das braucht eine gewisse Einarbeitungszeit und viel Übung.

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