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Niedrigzins: Welche Sparformen sind aktuell (noch) sinnvoll?

Die anhaltende Nullzinspolitik der EZB macht dem Finanzmarkt im allgemeinen und kapitalbildenden Finanzprodukten im Besonderen schwer zu schaffen. Sparer gehen mit ihren Einlagen nicht nur nahezu leer aus, was Guthabenzinsen anbetrifft. Vielmehr laufen sie angesichts jüngst anziehender inflationärer Tendenzen Gefahr, dass ihr sauer Erspartes auf Sparbuch & Co. im Laufe der Zeit sogar weniger wird. Viele fragen sich mit Recht: Lohnt es sich überhaupt noch, Geld zu sparen und für später zurückzulegen?

Da ist guter Rat teuer, wenn es gilt, doch noch ein paar Zinsen einzuheimsen und dem Trend zumindest ein wenig zu trotzen. Welche Finanzprodukte machen aktuell Sinn?

Rückzahlung von Krediten

Kurios anmutend, aber wahr: Die Rückzahlung von Krediten ist die sicherste Kapitalanlage. Sie ist so rentabel und sicher wie keine vergleichbare Geldanlage. Je schneller die vollständige Rückzahlung des Kreditbetrages erfolgt, desto geringer sind auch die Zinsausgaben. Dazu gehören Dispokredite, Ratenkredite oder die Baufinanzierung.

Risikobereitschaft

Stets kommt es bei Wahl passender Spar- und Vorsorgeprodukte auf Mut des Einzelnen zum Risiko an. Wer nicht auf jeden Cent angewiesen und mit einer gesunden Portion Risikobereitschaft ausgestattet ist, dem bieten sich aktuell Beteiligungen an Unternehmen – gemeinhin als Aktien bekannt – als mithin lukrativste Option an.

Denn grundsätzlich gilt, dass höhere Renditen nur durch

  • mehr Risiko
  • längerfristige Anlageperspektive
  • breitere Streuung

zu erzielen sind. So können sich etwa auch kapitalbildende Vorsorgemodelle trotz verschwindend geringer aktueller Zinsmargen auch dann noch als sinnvoll erweisen, wenn sie längerfristig angelegt sind.

Kapitallebensversicherungen etwa können heute durchaus noch eine jährliche Guthaben-Verzinsung von drei Prozent inklusive Schlussgewinne erzielen, wenn sie auf 12, 15 Jahre oder länger angelegt sind.

Zum Tragen kommen die Vorteile dann, wenn der Anleger in längerfristigen Kategorien denkt und plant. Denn dann können in bestimmten Fällen etwa noch steuerliche Begünstigungen hinzukommen, wenn vorher festgelegte Auszahlungsfristen und Mindestlaufzeiten eingehalten werden.

Aktien und Aktienfonds

Demgegenüber sind Aktien in Zeiten von Niedrig- und Negativzinsen nahezu die einzige Möglichkeit, kurzfristig satte Gewinne einzustreichen – wenn alles nach Plan verläuft.

Mit Aktien und Aktienfonds lassen sich durchaus noch Renditen oberhalb des aktuellen Zinsniveaus erzielen, allerdings besteht hier ein höheres Risiko als bei klassischen Anlageprodukten der Banken.

Trotzdem stehen viele, gerade konservative Sparer Aktienanlagen (eher) negativ gegenüber. Und das mit gutem Grund, denn schnell können so manche Sparerträume von lukrativen Renditen platzen und Aktienkurse und damit erhoffte Gewinne vom einen Tag auf den anderen ins Bodenlose stürzen.

Wer das Risiko scheut, für den stellen Aktienfonds den goldenen Mittelweg zwischen allzu risikobehafteten Aktien und konservativen Anlageformen dar, die ihrerseits kaum noch Gewinne erwirtschaften können. Denn bei Aktienfonds ist durch breitere Streuung in mehrere Aktien das Risiko geringer, Geld zu verlieren.

Die Mischung macht’s

Entsprechend ist eine Streuung bei Anlageformen immer dann ratsam, wenn konservative Anleger die Risiken möglichst minimieren wollen. So wird derzeit von vielen Anlageprofis ein Mix aus Tagesgeld, Festgeld und Aktienfonds favorisiert.

Ohne Laufzeiten und Kündigungsfristen bestechen manche Tagesgelder durch Zinssätze, die bis zum 200-fachen der Zinsen klassischer Sparbücher betragen können. Der entscheidende Vorteil eines Tagesgeldkontos liegt in täglicher Verfügbarkeit – besonders wichtig, wenn einmal spontan Geld benötigt werden sollte.

Zudem sind die Zinssätze variabel, meist gewähren Direktbanken höhere Margen als Filialbanken. Zahlreiche Online-Vergleichsportale bieten auf bequeme und komfortable Weise eine transparente wie tagesaktuelle Übersicht über die Masse an Zinsangeboten der verschiedensten Geldinstitute.

Tagesgeld/Festgeld versus Girokonto/Sparbuch

Grundsätzlich gilt als erster Schritt immer: Wer etwa das Zwei- bis Dreifache seines Nettoeinkommens auf dem Girokonto ständig geparkt hält, sollte die Summe auf ein Tagesgeldkonto umschichten, um keine Guthabenzinsen zu verschenken.

Denn momentan bewegen sich Guthabenzinsen für Girokonten gegen Null, einige Geldinstitute haben mittlerweile sogar Strafzinsen, sogenannte „Negativzinsen“ auf größere Sparvermögen eingeführt. So plant etwa Deutschlands größte Sparkasse die Einführung von geldvernichtenden Zinsen im kommenden April, insbesondere bei größeren Spareinlagen ab 500.000 Euro.

Bei einem Strafzins verliert der Sparer über einen bestimmten Zeitraum einen gewissen Prozentsatz seines Geldes, der dem Geldinstitut gutgeschrieben wird. So erhält der Geldgeber am Ende nicht mehr, sondern weniger Kapital zurück, als er eingesetzt hat – das Ersparte schwindet allmählich und wird von schleichender Geldentwertung aufgefressen.

Zwar sind Kleinanleger nicht direkt von den Negativzinsen der Banken betroffen, mittel- bis langfristig bewirken Negativzinsen jedoch ein Herabsinken des allgemeinen Zinsniveaus, was Anlegern zunehmend erschwert, noch lohnende Investitionsmöglichkeiten zu finden.

Klassische Anlageformen wie Sparkonten und Sparbücher sind unrentabel geworden, viele Sparbücher bewegen sich minimal über dem Guthabenzins von Girokonten und liegen derzeit etwa im Bereich zwischen 0,05 und 0,1 Prozent.

Dagegen bringen etwa 5.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto bei einer Laufzeit von 12 Monaten derzeit immerhin noch rund 0,75 Prozent, bei Festgeld sind es sogar rund 1,2 Prozent.

10.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto können bis zu einem Prozent erwirtschaften, bei einer Laufzeit von einem Monat. Wird das Geld dagegen für ein Jahr nicht benötigt, sind bis zu rund 1,6 Prozent Festgeld-Zins realistisch.

Alternativen

In der aktuell anhaltenden extremen Niedrigzinsphase sind Umschichtungen von Spardepots auf der Bank in Sachgüter immer eine Überlegung wert. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelten Investitionen in Sachgüter wie etwa Immobilien oder Gold als besonders sicher. Bei den Anlagen gibt es zwar keine Negativzinsen, allerdings auch keine Positivzinsen, zudem fallen oft Kosten für Lagerung beziehungsweise Unterhaltung an. Hinter Gold als Wertanlage steht auch immer ein gewisses Kursrisiko.

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