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So sparen Unternehmer Zeit und Aufwand beim Börsengang

Wenn sich Unternehmer einen passenden Mantel suchen, geht es in der Regel nicht um Oberbekleidung, gefragt ist ein Firmenmantel. Und der wird häufig verwendet, um einen schnellen Börseneinstieg zu realisieren.

Entsprechende Offerten gibt es genug. Die Anbieter wollen den Mantel zu Geld machen, für Interessenten ist es eine galante Gelegenheit, mit wenig Bürokratieaufwand und in kürzester Zeit an den Markt zu gehen.

Mantelgesellschaft: Definition einer Abkürzung

Je nach Geschäftstätigkeit und Ziel braucht es natürlich die geeignete Mantelgesellschaft. Per Definition beinhaltet sie nämlich weder das eine noch das andere, kann aber als rechtliche Hülle die Form eines GmbH-Mantels oder eines AG-Mantels haben.

Eine Mantelgesellschaft ist der Definition zufolge eine wirtschaftlich, aber nicht rechtlich, liquidierte Kapitalgesellschaft. In anderen Worten: Das vorige Unternehmen wurde abgewickelt, bleibt aber als Rechtsperson bestehen, was Zeit und Kosten spart. Sie muss nicht erneut bei Gericht angemeldet, im Handelsregister eingetragen oder über den Gesellschaftsvertrag notariell beurkundet werden.

Ein Unternehmer braucht also nur eine solche funktionierende rechtliche Hülle zu kaufen und ist sofort handlungsfähig. Floriert dann sein Geschäft, beispielsweise als GmbH, und will er an die Börse gehen, kann er erneut diese Abkürzung nehmen. Mantelgesellschaften sind mitunter bereits an der Börse registriert. In dem Fall ist die Mantelgesellschaft ein Börsenmantel.

Auch hier wurde das vorige operative Geschäft aufgegeben, die Rechtshülle aber funktioniert, und zwar mit Zusatzausstattung. Die vorhandene Börsenzulassung erspart einiges an Kosten, Zeit und Aufwand. Es entfällt auch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Die GmbH schlüpft sozusagen einfach in den Börsenmantel der notierten AG.

Durch die Hintertür an die Börse

Der Vorgang spielt sich so ab: Zuerst wird die Mehrheit der Mantelgesellschaft gekauft, um bei ihr eine tragende und entscheidende Rolle zu spielen. Dann wird eine Hauptversammlung einberufen, auf der eine Kapitalerhöhung der AG beschlossen wird. Diese erfolgt durch Sacheinlagen, die im Unternehmen des Käufers bestehen und festgestellt werden.

An der Stelle schlüpft die GmbH geschäftlich in die AG. Und weil sich damit in der Regel der Geschäftszweck ändert, wird auch die Satzung entsprechend angepasst und gegebenenfalls der Name geändert. Diese Abkürzung zur Börse nennt sich im Fachjargon Cold IPO.

Beim regulären IPO (Initial Public Offering) müssen durch ein erstes öffentliches Angebot die Aktien einer ausgewählten Öffentlichkeit zur Zeichnung angeboten werden, bevor sie gehandelt werden können. Ein Börsenmantel erspart den ganzen Aufwand. Dessen Kauf ist übrigens ebenso steuerfrei wie die Einbringung der GmbH.

Vorratsgesellschaft ohne Altlasten

Wer allerdings eine Mantelgesellschaft für seinen wirtschaftlichen Neustart sucht, sollte sich je nach Bedarf auch die Variante in Form einer Vorratsgesellschaft anschauen. Vorratsgesellschaften werden nämlich eigens für solche Zwecke gegründet. Unklarheiten zum Gründungsvorgang oder irgendwelche alten versteckten Sprengsätze existieren nicht. Die Stammeinlage ist voll erhalten, auch das kann ein Schwachpunkt bei gebrauchten Mantelgesellschaften sein.

Nicht vergessen: Wer eine Gesellschaft kauft, übernimmt als Rechtsnachfolger sämtliche Pflichten, Schulden und Altlasten. Der früher attraktive Vorteil, alte Verluste steuerlich über die Verlustzuweisung zu nutzen, ist seit 2008 erheblich eingeschränkt.

Vorratsgesellschaften sind in der Regel frei von Verpflichtungen und waren zuvor nicht gewerblich tätig. Die Preise variieren und hängen vom Anbieter ab. Als ungefähre Größenordnung gibt es eine GmbH ab ca. 27.500 € und eine AG ab rund 55.000 €, meist über Anwälte, Steuer- oder Unternehmensberater.

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