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Offshore-Gesellschaften: Achtung vor der tickenden Zeitbombe!

Nach umfassenden Recherchen und daraus resultierenden Erfahrungen weise ich darauf hin, dass sogenannte Offshore-Gesellschaften für Kapitalanleger oder auch unternehmerisch tätige Personen mit Steuerwohnsitz in Deutschland erhebliche Risiken bergen.

Ich rate ausdrücklich davon ab, als „Lösungsansatz“ beispielweise zur Steuervermeidung sogenannte International Business Companies (IBCs) wie Panama-Gesellschaften, Singapur-Trusts, US Incorporations oder sonstige „Steueroasen“-Auslandsfirmen als Vermögensverwaltungsgesellschaften (Besitzgesellschaften) oder operativ tätige Firmen (Betriebsgesellschaften) ohne steuerrechtlichen Beistand zu gründen.

Was ist eine Offshore-Gesellschaft?

Offshore bedeutet frei übersetzt „vor der Küste“. Der Name kommt vor allem daher, dass diese Firmen als juristische Personen gegründet werden. Außerhalb der Gerichtsbarkeit des steuerlichen Heimatlandes.

Eine weitere, aus meiner Sicht weit treffendere Bezeichnung für derartige Gesellschaften ist der Begriff „Briefkastenfirma“. Derartige Gesellschaften werden rein in das Firmen- oder Handelsregister des Staates eingetragen, in dem diese gegründet werden.

Darüber hinaus wird meist lediglich eine Anschriftenadresse „Briefkasten“ bei einer Anwaltskanzlei oder einem Treuhänder im Gründungsland unterhalten.

Briefkastenfirmen sind zukünftig so transparent wie Postkarten

Von einer Anwaltskanzlei aus meinem Netzwerk wurde ich aktuell über mehrere Fälle informiert, bei denen Privatanleger derartige Konstruktionen genutzt haben.

Die Konto- und Depotführung der Gesellschaften, die auf den British Virgin Islands (BVI) gegründet wurden, fand dabei in Liechtenstein und der Schweiz statt.

Nun wurden gegen diese Anleger – aus deren Sicht vollkommen überraschend – Steuerstrafverfahren mit massiven Folgen eingeleitet. Die Daten der Anleger kamen dabei nicht von den Banken, sondern über ein Dienstleistungsunternehmen, das diese Offshore-Gesellschaften für sehr wenig Geld über das Internet an die Kunden verkauft hat.

Offshore-Gesellschaften in dem Zusammenhang dieses Beitrags für Kapitalanleger sind Unternehmen mit einem Sitz außerhalb der EU, gegründet in Ländern, die über kein Doppelbesteuerungs- und/oder Rechtsbeihilfeabkommen mit Deutschland beziehungsweise einem EU-Staat verfügen.

Deutschland hat jedoch in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von ehemaligen „Offshore-Ländern“ derartige Abkommen abgeschlossen. Daher ist eine Überprüfung von bestehenden Gesellschaftsstrukturen im Ausland nun zwingend erforderlich und ratsam.

Auslandsbeteiligungen bedeuten eine aktive Meldepflicht an das deutsche Finanzamt!

Da ich ebenfalls verstärkt Anfragen zu diesem Themenbereich erhalte, nehme ich dies zum Anlass, Ihnen die Gefahren und Fallstricke derartiger Strukturen – anhand der aktuellen Rahmenbedingungen und Gesetze – im Detail aufzuzeigen.

Ich stelle fest, dass bislang jeder Anleger, der mir seinen Fall geschildert hat, von Beratern oder besser gesagt Billiggründungsagenturen in keiner Weise umfassend auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und Pflichten hingewiesen wurde.

Ebenso wenig natürlich auf die massiv veränderten Rahmenbedingungen, die in den zurückliegenden Jahren durch die verstärkte internationale Zusammenarbeit der Staaten entstanden sind.

Offshore-Gesellschaften sind meldepflichtige Auslandsbeteiligungen

Derartige Offshore-Firmen und Offshore-Gesellschaften sind rein rechtlich Auslandsbeteiligungen. Gemäß § 138 Abgabenordnung (AO) ist ein Steuerpflichtiger in Deutschland zur steuerlichen Erfassung von Auslandsbeteiligungen verpflichtet.

Eine entsprechende Mitteilung muss somit nach geltendem Recht eigenständig an das deutsche Finanzamt gesendet werden.

Die Anzeigepflicht von Auslandsbeteiligungen im Detail

Eine aktive Meldung an das Finanzamt ist erforderlich wenn:

  1. Ein in Deutschland Steuerpflichtiger eine Betriebsstätte im Ausland gründet oder eine ausländische Firma erwirbt.
  2. Eine Beteiligung an einer ausländischen Personengesellschaft, eine Änderung oder die Aufgabe dieser Anteile erfolgt.
  3. Der Erwerb von Anteilen an einer Körperschaft, einer Personenvereinigung und einer Vermögensmasse sind ebenfalls meldepflichtig (§ 2 Nummer 1 des Körperschaftsteuergesetzes), falls eine Person dadurch:
    • a) unmittelbar mindestens zu 10%,
    • b) mittelbar zu mindestens 25% am Kapital oder Vermögen dieser Körperschaft, Personenvereinigung oder Vermögensmasse beteiligt ist oder
    • c) die Summe der Anschaffungskosten dieser Beteiligungen mehr als 150.000 Euro beträgt.

Beachten Sie die Meldepflichten – überprüfen Sie mögliche Altlasten!

Neugründungen von Auslandsgesellschaften wie auch Beteiligungen an Auslandsgesellschaften müssen zwingend unter Beachtung der rechtlichen Anforderungen umgesetzt werden. Eine entsprechende Mitteilung ist auf einem amtlichen Formular, das Sie von Ihrem Heimatfinanzamt erhalten, innerhalb vonfünf Monaten nach Ablauf des Kalenderjahres zu erstatten, in dem das meldepflichtige Ereignis eingetreten ist. Die mit dieser Mitteilung angeforderten Daten werden aufgrund der §§ 137 ff., 149 ff. AO erhoben. Der Vordruck „BZSt-2“ steht Ihnen beispielsweise auch auf der Internetseite

www.bzst.de

des Bundeszentralamts für Steuern (BZSt) als Download zur Verfügung.

Nehmen Sie weder eine Meldung noch eine Nachmeldung im Alleingang vor!

Sollten Sie hier „Altlasten“ haben in der Form, dass Sie Auslandsfirmen in der Vergangenheit gegründet haben, oder Beteiligungen eingegangen sind, ohne dass diese Meldungen erfolgt sind, rate ich Ihnen dazu, diesen Sachverhalt frühzeitig mit einem Fachanwalt für Steuerrecht zu besprechen. Zum einen steigt das Entdeckungsrisiko derartiger Strukturen aufgrund des zunehmenden Datenaustauschs und der internationalen Kooperation in Steuerfragen immer weiter an.

Zum anderen sind sich Anleger meist nicht bewusst, dass sie neben der Verletzung von Meldepflichten mit entsprechenden Strafen, der Hinterziehung von Einkommen- oder Kapitalertragsteuern vor allem auch Schenkungsteuern oder sonstige Abgaben wie beispielsweise Sozialbeitragspflichten in zahlreichen Fällen ausgelöst haben.

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Ihr Steuerberater ist für derartige Fälle aus meiner Sicht nicht der geeignete Ansprechpartner, weil dieser meist auf derartige Fragen nicht spezialisiert ist. Zudem kann ein Interessenkonflikt in der weiteren Betreuung entstehen, falls Ihr „Haus“-Steuerberater von bislang nichtdeklarierten Auslandsbeteiligungen erfährt. Ich rate Ihnen daher, einen steuerlichen wie rechtlichen Berater zu konsultieren, der auf internationales Gesellschaftsrecht spezialisiert ist.

Hier steht Ihnen als Abonnement und Leser von Kapitalschutz vertraulich unser einzigartiges Experten-Netzwerk sehr gerne zur Verfügung.

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Über den Autor Markus Miller

Markus Miller (geb.: 1973) ist ein gefragter Experte, wenn es um das komplexe Thema internationale Vermögensstrukturierung und die globale Steuerung von Vermögenswerten geht.

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Alte Kommentare
  • berger schrieb am 18.05.2015, 18:58 Uhr

    Ihr Bericht ist widersinnig. In der NGO fälschlicherweise auch BRiD ge- nannt ist prinzipiell niemand steuerpflichtig. Man nimmt an das man Steuern "freiwillig" zahlt, was natürlich nicht stimmen kann, weil man es nämlich "stiehlt".