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Börsen-Basics: Nutzen Sie die entscheidenden Marken der Charttechnik

Erstaunlicherweise finden Sie in der Fachliteratur wenige, bzw. nur sehr kurze Darstellungen zum Thema Unterstützung und Widerstand. Dort werden eher Formationen wie Flaggen, Wimpel, Keile, etc. ausführlicher dargestellt; die klarsten Charttechnik-Formationen – die Unterstützungs- und Widerstandslinien – werden meist, vielleicht wegen ihrer Einfachheit, nur knapp abgehandelt.

Allerdings sind es gerade diese Linien, denen zahlreiche Börsianer die größte Aufmerksamkeit schenken. Und dies aus gutem Grund. Denn schließlich dienen Unterstützungs- und Widerstandszonen sowohl bei der langfristigen Geldanlage (Aktien, Fonds, Zertifikate etc.) als auch beim kurzfristigen Day-Trading (Optionen, Optionsscheine, CFDs, Futures) zur Entscheidungsfindung.

Halten wir zunächst die formalen Bezeichnungen fest:

Unterstützung: Das letzte Tief oder die letzten Tiefs eines Kursverlaufs

Widerstand: Das letzte Hoch oder die letzten Hochs eines Kursverlaufs

Betrachten Sie bitte im Folgenden die Entwicklung eines Aktienkurses im Hinblick auf Unterstützung und Widerstand. Sie werden erkennen, dass das etwas tiefere Wissen um diese Linien durchaus einen entscheidenden Einfluss auf Ihre Finanzen haben kann… Betrachten Sie hierzu folgenden („alten“) Wochen- Chart der General Motors-Aktie:

201608_WiderstandGM_Teil9a

Rot eingezeichnet finden Sie die damals aktuellen Tiefs während des Sinkflug der GM-Aktie, mithin also die jeweiligen, für einen bestimmten Zeitraum gültigen Unterstützungen. Wohlgemerkt: Eine Unterstützung gilt nur dann als Unterstützung, wenn Sie tatsächlich im betrachteten Zeitraum nicht unterboten wird.

Merken Sie sich einfach folgendes: Eine UNTERstützung liegt immer UNTER dem aktuellen Kursniveau.

Wird eine Unterstützung unterboten, verwandelt Sie sich – formal gesehen – in einen Widerstand.

Dazu später mehr, zurück zu unserer GM-Aktie:

Tiefere Tiefs

Ein Langfrist-Anleger, der sich im Frühjahr 2004 für den Kauf einer GM-Aktie entschied, musste etwa ein Jahr lang bis zum Frühjahr 2005 ein wahres Tal der Tränen durchwandern.

Wie Sie im Chart erkennen, unterbot die General-Motors-Aktie in diesem Zeitraum eine Unterstützung nach der anderen, ohne wieder die durchkreuzten Marken zu erreichen. Für einen Charttechniker hätte sich in diesem Zeitraum kein Einstieg in die General-Motors-Aktie aufgedrängt.

Kurze Trading-Chance nach Überbieten des letzten Tiefs

Wie Sie im Chart erkennen, wurde dann im Mai 2005 (grün ausgefüllter Kreis) das vorherige März- Tief wieder überboten. Und an dieser Stelle hätte der Charttechniker aufgehorcht. Sicherlich wäre dies kein Zeitpunkt gewesen, um mit wehenden Fahnen auf diese Aktie zu setzen.

Nach einem kurzen Höhenflug (von Mitte April bis Juli 2005) wechselte General Motors wieder die Richtung und unterbot erneut eine Unterstützungslinie (diesmal lila gekennzeichnet) nach der anderen. Jetzt zum Entscheidenden:

Entscheidende Marken in der Charttechnik

Das schwarze Rechteck im Chart repräsentiert die entscheidende Unterstützungszone von General Motors im Betrachtungszeitraum. Damit Sie nicht immer nach oben scrollen müssen, hier noch einmal der Chart:

201608_db_Teil 9b

Zunächst peilt der Auto-Riese Ende 2005 das Rekordtief an. Danach geht es zwar im Zickzackkurs weiter, aber die letzte Unterstützung (das Tief) wird nicht mehr nach unten durchbrochen.

Vielmehr bilden sich in diesem Fall zwei (logischerweise) weitere Tiefs auf etwas höherem Niveau. Es hat sich also eine wichtige Unterstützungszone gebildet und erneut ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Anwender der Chartanalyse von „Ignorieren“ auf „Beobachten“ wechselt.

Für einen Einstieg in die GM-Aktie hätte es je nach Mentalität dann verschiedene unzählige Einstiegsmöglichkeiten gegeben; zum Beispiel unter Zuhilfenahme eines Gleitenden Durchschnitts als Signalgeber… oder eben das Überbieten eines markanten Widerstandes. Als Beispiel wurde als Einstiegssignal im Chart das Überbieten des kurzen Abwärtstrends (bei etwa 22 Dollar, rot eingekreist) eingezeichnet.

Sie erkennen: Die Identifikation von Unterstützungen und Widerständen kann beim Börsenspiel die entscheidenden Hinweise geben. Je „öfter“ eine Widerstandslinie „getroffen“ wird, umso wichtiger wird diese, bzw. der Durchbruch dieser Linie. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt für Unterstützungslinien.

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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