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Konjunkturdaten – wo befinden wir uns im Wirtschaftszyklus?

Industrieproduktion – Deutschland produziert wie ein Weltmeister

Im Mai übertraf die deutsche Industrieproduktion alle Erwartungen und legte im Monatsvergleich um satte 2,6 % zu. Der Konsens ging lediglich von einem Plus von 0,9 % gegenüber dem Vormonat aus.

Zudem wurde der Vormonatswert um 0,3 Prozentpunkte auf 1,2 % gegenüber dem Vormonat nach oben revidiert. Auf das Jahr gesehen kletterte die Produktion nach Bereinigung der Arbeitstage um 13,2 %.

Industrieproduktion - Wirtschaftszyklus

(Quelle: HSBC Trinkaus)

Außenhandel – Deutschland handelt wie ein Weltmeister

Auch die Mai-Zahlen zum Außenhandel zeigen deutliche Erholungstendenzen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, wurden im Mai 2010 von Deutschland Waren im Wert von 77,5 Milliarden Euro ausgeführt und Waren im Wert von 67,7 Milliarden Euro eingeführt. Die deutschen Ausfuhren waren damit im Mai 2010 um 28,8% und die Einfuhren um 34,3% höher als im Mai 2009. Ausfuhrseitig war das der höchste Anstieg eines Monats gegenüber dem Vorjahresmonat seit Mai 2000 (+ 30,7%), einfuhrseitig seit Januar 1989 (+ 38,9%).

Die Außenhandelsbilanz schloss im Mai 2010 mit einem Überschuss von gerundet 9,7 Milliarden Euro ab. Im Mai 2009 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz ebenfalls 9,7 Milliarden Euro betragen.

Kalender- und saisonbereinigt nahmen die Ausfuhren im Mai 2010 gegenüber April 2010 um 9,2% und die Einfuhren um 14,8% zu. Einfuhrseitig bedeutete das den höchsten Anstieg im Vormonatsvergleich seit Beginn der Saisonbereinigung der Außenhandelsstatistik im Jahr 1990. Der Außenhandelsbilanzüberschuss lag im Mai 2010 kalender- und saisonbereinigt bei 10,6 Milliarden Euro.

(Quelle: Statistisches Bundesamt)

Nur die halbe Wahrheit

Die Medien haben mit diesen Zahlen für eine positive Stimmung gesorgt, schließlich sind die deutsche Exporte in die Höhe geschossen und im Mai so stark gestiegen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit.

Denn als Maßstab wurde das Krisenjahr 2009 zugrunde legt. Und hier lagen im Mai 2009 die Exporte um rund 25% unter denen aus Mai 2008. Dies bedeutet, dass nach einem Minus von 25% in 2009 und einem Plus von 30% in 2010 wir heute 2,5% UNTER den Zahlen aus 2008 liegen.

Für das Gesamtjahr wird es ein ähnliches Bild geben, denn derzeit liegen die Prognosen bei einem Zuwachs der Exporte 9%. Nach einem Einbruch der Exporte in 2009 von 18% verbleibt also ein Minus von über 10% gegenüber den Werten vor der Krise.

Würgen die Sparpläne das Wachstum ab?

Die aktuellen Zahlen zur deutschen Wirtschaft fügen sich nahtlos in das Bild ein, dass der Aufschwung der deutschen Volkswirtschaft intakt ist und zur Jahresmitte 2010 auf seinen Höhepunkt zusteuert.

Wie ich bereits schrieb, halte ich jedoch insbesondere die Sparpläne für eine Wachstumsbremse, so dass der Höhepunkt nicht mehr allzu weit entfernt liegen dürfte.

Aktuelle Lage Top – Erwartungen Flop

Dies zeigen auch die vorlaufenden Indikatoren. Während die aktuelle Lage als sehr gut bezeichnet werden kann, auch im Hinblick auf die deutschen Arbeitsmarktdaten, trübt sich die Konjunkturzuversicht deutscher Finanzexperten weiter ein.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen, die im Rahmen einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter rund 300 Anlegern und Analysten festgestellt werden, sanken im Juli überraschend deutlich um 7,5 auf 21,2 Punkte. Damit liegen sie unter ihrem historischen Mittelwert von 27,4 Punkten. Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang von 28,7 auf 25,1 Zähler gerechnet.

Bereits im Juni hatten die Konjunkturerwartungen sich deutlich abgeschwächt.

Die Lage bewerteten die Börsianer dagegen deutlich besser. Dieses Barometer kletterte um 22,5 auf plus 14,6 Punkte. Experten hatten hier einen Anstieg auf minus 1,5 Zähler vorausgesagt.

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