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Bargeld ist geprägte Freiheit

So, zu Beginn der heutigen Ausgabe der Kapitalschutz Akte möchte ich auch ein paar Takte zum gestrigen Beitrag meines geschätzten Kollegen Markus Miller zum Besten geben. Offen gestanden, der Autor dieser Zeilen kann mit einer Big-Brother-Orwell-Kryptographie-Währungswelt herzlich wenig anfangen. Da geht es Ihm wie den meisten der Leserbriefschreiber vom gestrigen Montag.

Bargeldsymposium der Deutschen Bundesbank

Wie auch immer, im Mai letzten Jahres war es ja die Deutsche Bundesbank, die in Frankfurt am Main zum zweiten Bargeldsymposium einlud. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele, bekräftigte dabei, dass Bargeld als Wertaufbewahrungs- und Zahlungsmittel von den Bürgern weiterhin geschätzt würde, nicht zuletzt, weil es schnell, anonym und kostengünstig verwendet werden könne. Wörtlich sagte Herr Thiele:

„Bargeld ist nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel in Deutschland und wird es auf absehbare Zeit wohl auch bleiben.“

Herr Thiele sagte weiter, dass die Bundesbank weder das bare noch das unbare Zahlungsmittel bevorzugen würde.

Über die Vorzüge des Bargelds

Der Ex-Chefvolkswirt der EZB, Prof. Dr. Otmar Issing, brachte in einer beachtlichen Rede auf dem Symposium die Vorzüge des Bargelds auf die agenda. Herr Issing betonte, dass inzwischen technische Innovationen das Bezahlen mit Bargeld „alt“ aussehen lassen würden. Es sei aber dahingestellt, ob es nur an seiner altmodischen Einstellung liegen würde, wenn es ihm nach wie vor merkwürdig vorkommen würde, etwa in Helsinki ein Cola-Getränk nur mit Kreditkarte bezahlen zu können.

Die anfängliche Hysterie um Bitcoin und der anschließende Kollaps legen Issing zufolge jedoch die Vermutung nahe, dass nicht jede technisch anspruchsvolle Innovation auch einen Fortschritt für den Bürger bedeuten müsse. Interessanterweise werde das Euro-Bargeld auch „von unten“ bedroht, nämlich durch lokale Zahlungsmittel. Man könne aber ziemlich sicher sein, dass solche Entwicklungen in Umfang und Dauer beschränkt bleiben werden.

Gefahren der bargeldlosen Welt

Es bedurfte schließlich nicht erst des NSA-Skandals, um Vorbehalte gegen die mit bargeldlosen Zahlungen verbundenen Gefahren der Überwachung und gegebenenfalls Manipulation auszulösen. Unter der Überschrift „Wehrt Euch“ hat kürzlich Hans Magnus Enzensberger in der FAZ vor den Gefahren der elektronischen Innovationen wie folgt gewarnt:

„Online-Banking ist ein Segen, aber nur für Geheimdienste und für Kriminelle“.

„Regierungen und Industrien möchten das Bargeld abschaffen. Ein gesetzliches Zahlungsmittel, das jeder einlösen kann, soll es nicht mehr geben. Münzen und Scheine sind Banken, Händlern, Sicherheitsbehörden und Finanzämtern lästig. Plastikkarten sind nicht nur billiger herzustellen. Sie sind auch unseren Aufpassern lieber, denn sie erlauben es, jede beliebige Transaktion zurückzuverfolgen. Deshalb tut jeder gut daran, Kredit-, Debit- und Kundenkarten zu meiden. Diese ständigen Begleiter sind lästig und gefährlich.

Issing zufolge müsse man die Worte des Schriftstellers nicht zum Nennwert nehmen, schon gar nicht, wenn er meint, es gäbe noch irgendwo ein gesetzliches Zahlungsmittel, das man „einlösen“ kann.

Aber der entscheidende Hinweis trifft laut Prof. Dr. Issing zu:

Wirkliche Anonymität gewährt nur das Bargeld.

Genau deshalb sei es auch den Behörden ein Dorn im Auge. Seine Spuren lassen sich (von Ausnahmen abgesehen) kaum verfolgen. Deshalb sei es das Medium für illegale Transaktionen aller Art. Herr Issing stellt hier die Frage, ob jemand schon einen Krimi gesehen habe, in dem ein Drogengeschäft per Scheck statt mit einem Koffer voll Bargeld abgewickelt werden würde? So könne es auch nicht überraschen, wenn der amerikanische Kriminologe Marcus Felson das Bargeld als die Muttermilch des Verbrechens bezeichnen würde.

Hoher Preis der Abschaffung

Herr Isssing sagte weiter:

„Wollte man mit diesem Argument das Bargeld abschaffen, wäre der Preis allerdings hoch, zu hoch. Damit wäre eine große Lücke in der Möglichkeit der totalen Überwachung des Bürgers geschlossen. An Argumenten, von dieser Möglichkeit auch Gebrauch zu machen, fehlt es schon heute nicht. Kann man sich darauf verlassen, dass irgendwann und irgendwo aus der Möglichkeit nicht Realität wird?

Im Dritten Reich, wie auch in anderen Diktaturen stand auf den Besitz von Devisen, es ging in erster Linie um ausländisches Bargeld, die Todesstrafe. Die drakonische Androhung war nicht zuletzt Ausprägung des totalitären Anspruchs auf Leib und Leben der Bürger.

Bezeichnenderweise geht Dostojewskis Charakterisierung auf seine Erfahrungen im Gefangenenlager („Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“) zurück: „Geld ist geprägte Freiheit“. Der Klarheit wegen müsste man heute betonen: „Bargeld ist geprägte Freiheit“.“

Und als Fußnote merkte Herr Issing an, dass liberale Ökonomen dem entgegenhalten würden, dass nur im Wettbewerb, also „staatsfrei“ geschaffenes Geld diesem Anspruch genügen würde.

Ja, dem ist nichts hinzuzufügen.

In diesem Sinne, werte Leserinnen und Leser der Kapitalschutz Akte, wünsch ich Ihnen schon heut einen Guten Rutsch ins Jahr 2015 und alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit!

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Alte Kommentare
  • Friedrich F Zuther schrieb am 30.12.2014, 09:11 Uhr

    das war überfällig!

  • DrWiedersich schrieb am 30.12.2014, 11:03 Uhr

    Hallo, absolut richtig! Wenn das Bargeld stirbt, sterben Freiheit und Demokratie. Wir haben dann einen neuen Absolutismus und einen neuen entsprechend agierenden Adel - in seiner Macht vielfach potenziert!

  • Albert KARL schrieb am 30.12.2014, 11:38 Uhr

    Sehr geehrter Herr N. N. Ich hoffe, Sie beantworten noch im alten Jahr meine Anfrage an Sie vom 23.12. 17.03 Uhr zu Ihrem Thema "Frohe Weihnachten und Roland Baader: Kommentar von Albert KARL "Wollen wir nicht hoffen, dass seine Warnungen in Erfüllungen gehen. Er warnt: Wenn wir nicht erwachen, erwarten uns Alpträume! An Mr. N. N.: Zum Jahresausklang frage ich Sie oder Ihre Redaktion, warum Sie eigentlich mit fremden Namen auftreten? Also, N.N ist für mich immer noch das lateinische "nomen nescio" was ja soviel wie "noch nicht bekannter Name" bedeutet. Auch wird meines Wissens die Abkürzung N. N. in Texten und Ankündigungen als Platzhalter für Personennamen verwendet, die zum Zeitpunkt der Drucklegung noch nicht bekannt sind oder (noch) zurückgehalten werden. Dies betrifft also sowohl Texte, die lediglich als Vorlage dienen, als auch Druckwerke und sonstige Veröffentlichungen mit Ankündigungscharakter. Es wäre schön, wenn Sie bzw. die Redaktion meine Neugierde befriedigen könnte und quasi als kleines Weihnachts-Lesergeschenk den wahren Sachverhalt allen Lesern der Kapitalschutz Akte aufzeigten! SCHLUSS: Bleibt mir nur, Ihnen allen im Verlag eine besinnliche Weihnacht, ein zufriedenes Nachdenken über Vergangenes, ein wenig Glaube an das Morgen und Hoffnung für die Zukunft zu wünschen, sowie ein in jeder Hinsicht glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2015! Ihr (fast immer) zufriedener Leser aus München, AK" Es wäre nicht anständig, wenn Sie sich weiterhin in beharrliches Schweigen fügen!

  • Adelbernd schrieb am 30.12.2014, 13:10 Uhr

    Zum Thema Bargeldabschaffung: Manche Bürger mit Negativ Schufa oder Verbraucherinsolvenz bekommen von verschiedenen Banken nicht mal Girokonto, geschweige denn Kreditkarte. Manche Banken weigern sich sogar solchen Kunden Sparkonto oder Wertpapieranlage zu Verfügung zu stellen, da man solche Kunden als unerwünschte Personen demnach vom Bankverkehr ausgrenzen will. Wie soll soll das dann nach Bargeldabschaffung funktionieren. Der Bürger/Kunde würde dann ja auch sein garantiertes Grundrecht auf finanzielle Freizügigkeit und Gleichheit vor dem Gesetz verlieren. Also meiner Meinung ist Bargeldabschaffung nicht vorstellbar.

    • Helmut antwortete am 31.12.2014, 04:33 Uhr

      ...Dann wird es unter der Brücke eng oder haben/brauchen Bettler ein Konto ? Wen juckts !?