MenüMenü

Inflationsbereinigung

Lesen Sie heute einen Grundlagen-Artikel von Miriam Kraus zum Thema Inflation.

Es gibt einige Tricks, um die offiziellen Inflationsraten zu bereinigen – was sinnigerweise dazu führt, dass die Inflationsraten in der Regel immer etwas geringer ausfallen, als wenn sie ohne diese Bereinigungen vorgenommen würden. Heute möchte ich Ihnen aufzeigen, wie diese Bereinigungen funktionieren.

Warenkorbdefinition

Sie wissen ja, unsere Statistiker arbeiten mit Warenkörben um uns die Inflationsrate aufzuzeigen. Packen Sie also einen Einkaufskorb voll mit Waren, kaufen Sie die gleichen Güter im nächsten und im übernächsten Jahr. Ich wette: Sie bezahlen in jedem Jahr mehr. Berechnen Sie nun die prozentuale Steigerung und sie haben ihre Inflationsrate.

Doch so einfach es ist, so einfach scheint es nicht zu sein. Benutzen doch die Regierungen, hier allen voran die US Regierung, aber in zunehmendem Maße auch die Europäer ganz bestimmte Mittel um die Teuerung der Warenkörbe zu optimieren, oder besser gesagt zu manipulieren.

Anders ausgedrückt: die Statistiker gehen nicht einfach her, sehen sich einen Warenkorb aus einer bestimmten Menge an Kartoffeln, Äpfeln und Buttermilch an und vergleichen den Preis dieser Waren aus dem Jahr 1970 mit dem Preis dieser Waren aus dem Jahr 2008.

Stattdessen unterliegen die Warenkörbe ständigen „Veränderungen“ oder besser gesagt Bereinigungen.

Der Fairness halber muss ich Ihnen sagen: Es gibt auch Bereinigungen, die nachvollziehbar sind und Sinn machen eingesetzt zu werden. Das sind meiner Ansicht nach nur die Qualitätsbereinigungen. Diese möchte ich Ihnen zuerst vorstellen, bevor wir uns dann an die echten Hammer, also die Bereinigungen machen, die dazu führen, dass die Inflationsraten offiziell irgendwie immer zu tief ausgewiesen werden.

Qualitätsbereinigungen in der Verbraucherpreisstatistik

Grundsätzlich werden so genannte Qualitätsbereinigungen vorgenommen, weil das Warenangebot – und damit auch die Nachfrage – einer ständigen Veränderung unterliegt. So kommt es auch zu Qualitätsveränderungen, insbesondere wenn es um die Auswahl eines Nachfolgeprodukts im Warenkorb geht. Diese Qualitätsunterschiede will man in den Verbraucherpreisindizes berücksichtigen, was mit Qualitätsbereinigung bezeichnet wird.

Hierfür verwendet man beispielsweise Maßnahmen wie diese:

Ausstattungsbereinigung

Mit dieser Art der Qualitätsbereinigung wird versucht bestimmte Merkmale eines Produkts zu identifizieren, die dessen Qualität ausmachen und darüber hinaus, welchen Wert private Haushalte diesem Produkt beimessen.

Hierzu gehören unter anderem Formen wie die Mengenbereinigung.Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Menge eines Produkts proportional den Wert für den Verbraucher bestimmt. Wenn Sie also immer einen 150g Joghurt-Becher gekauft haben und nun im Becher nur noch 100g drin sind, Sie aber den gleichen Preis bezahlen müssen, dann sollte der Verbraucherpreisindex diese versteckten Preiserhöhungen erfassen. Die Mengenbereinigung wird zumeist bei Nahrungsmitteln und anderen Verbrauchsgütern eingesetzt.

Auch geldwerte Vorteile werden berechnet. Zudem verwendet man den Preisunterschied vergleichbarer Angebote (wenn 2 Produkte eines Herstellers sich durch ein Merkmal oder eine bestimmte Merkmalskombination voneinander unterscheiden) als Schätzwert für den Geldwert des Qualitätsunterschiedes. Hierbei wird unterstellt, dass der Konsument schließlich eine entsprechende Wahlmöglichkeit hat. (wenn also das neue iPad irgend etwas besser kann, als das ältere und deshalb teurer ist, wird dies berücksichtigt)

Die hedonische Bewertungs-Methode

Eine der raffiniertesten Methoden zur Bereinigung der Verbraucherpreisindizes ist die hedonische Bewertungsmethode, die auch mein Kollege Martin Stephan gestern in seinem Gastbeitrag kurz angesprochen hat.

Befassen wir uns also eingehender mit dieser Methode:

Im Grunde könnte man sagen, die hedonische Methode wurde entwickelt um Qualitätssteigerungen bei Produkten zu berücksichtigen. Hierzu werden subjektiv die Qualitätsmerkmale eines Produkts ermittelt. Danach wird mit Hilfe der Regressionsanalyse der Einfluss dieser Qualitätsmerkmale auf die Preisentwicklung ermittelt. Hiermit kann dann die reale Preisveränderung von der Preisveränderung aufgrund der qualitativen Veränderung getrennt werden.

Führen wir das Ganze anhand eines Beispiels aus:

Nehmen wir an, Sie kaufen einen Computer für 500 Euro (Geschwindigkeit: 2Ghz) in Jahr 1. In Jahr 2 kaufen Sie wieder einen Computer für 500 Euro. Weil gerade bei Computer- Hardware sich die Technik sehr rasch verbessert hat in den letzten Jahren – kennen Sie sicher alle – hat ihre Computer-CPU in Jahr 2 nun eine Taktfrequenz von 3Ghz.

Obwohl der Preis für Sie als Konsument also gleich geblieben ist, nimmt der Statistiker nun für die Berechnung seines Index einen Preisrückgang für die CPU an. Während sich also der konkrete Preis für den Rechner nicht verändert hat (nehmen Sie z.B. die Aldi-Volksrechner; die werden auch immer besser, aber bleiben preislich relativ konstant), geht in die Verbraucherpreisstatistik ein Preisrückgang ein, was am Ende natürlich die Inflation mindert.

Hedonische Methode in der Praxis

Die hedonische Methode wird bei einer ganzen Reihe von Produkten angewendet, vor allem im technischen Bereich aber auch bei Immobilien.

Meiner Meinung nach ergibt sich klar ein Problem daraus, dass die erfassten Qualitätsverbesserungen immer nur subjektiv durch den Statistiker ermittelt werden können.

Die hedonische Methode wird vor allem in den USA (seit den 90er Jahren – Clinton und Greenspan lassen grüßen) aber auch in UK, Australien und Neuseeland angewendet. Auch unser Statistisches Bundesamt wendet diese Methode an, allerdings nicht vollumfänglich und nur auf bestimmte Produkte begrenzt – fragt sich nur wie lange noch…

Herzliche Grüße

Miriam Kraus

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Börsenwissen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.


Alte Kommentare
  • Heinz Henke schrieb am 07.03.2013, 16:51 Uhr

    Listen sie doch bitte mal den Inhalt des Warenkorbs auf, damit ich mir ein Bild machen kann, mit welchen Waren da getrickst wird.