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Ihr Einstieg in die Welt der Technischen Analyse – Welcher Charttyp sind Sie?

Die Technische Analyse ist – wie wir bereits letzte Woche an dieser Stelle festgestellt haben – aufgrund der verhältnismäßig einfach nach­zuvoll­ziehenden Kursentwicklungen, die wohl beliebteste Analysemethode unter den Börsianern.

Denn im Gegensatz zur Fundamentalanalyse erfordert die Technische Analyse eine weit weniger aufwendige Informationsbereitstellung. Daher ist sie vor allem auch für Trading-Einsteiger und Trader mit kurzfristigem Anlagehorizont die Analysemethode erster Wahl.

Der Chart hat alle Informationen bereits eingepreist

Die Dow-Theorie besagt, dass der Chart an sich bereits alle Faktoren beinhaltet, die entscheidend für den weiteren Kursverlauf des betrachteten Wertes sind.

Daher reicht dem geübten Analysten ein Blick auf den Chart völlig aus, um gegenwärtige Trends, Trendpausen oder Trend-Änderungen zu erkennen, zukünftige Trendrichtungen zu prognostizieren und darauf basierend die optimalen Kauf- und Verkaufszeitpunkte abzuleiten.

Zahlreiche Hilfsmittel verraten dem Analysten wohin die (Chart-)reise geht

Hierfür stehen dem Analysten zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung, mit denen er eben diese Informationen in einem Chart „lesbar“ machen kann.

Bevor Sie jedoch damit beginnen können, Trends oder wichtige Wendepunkte in einem Chart darzustellen, ist es unabdingbar sich zunächst einmal mit den unterschiedlichen Charttypen zu beschäftigen. Denn Chart ist nicht gleich Chart. Je nachdem welche Informationen Sie für Ihre Analyse benötigen, kommen andere Charts in Frage.

Doch welcher Charttyp ist für Sie am geeignetsten?

Standardmäßig stehen Ihnen – je nach Broker – mindestens die drei beliebtesten Chartarten zur Auswahl. In der Regel sind dies

  • der Linienchart,
  • der Balkenchart und
  • der Kerzenchart.

Doch welcher davon ist der richtige für Sie?

Um eine Beurteilung zu ermöglichen, gehen wir alle drei genannten Charts einmal durch und überprüfen inwieweit sie in geeignet sind Ihnen die Informationen zu liefern, die Sie für Ihre Analyse benötigen.

Der Linienchart: Einfach und übersichtlich …

Der Linienchart ist häufig die erste Wahl für Einsteiger und Börsenlaien, denn er zeigt auf einen Blick ob der zugrundeliegende Basiswert aktuell fällt oder steigt. Das folgende Beispiel anhand des DAX verdeutlicht dies ganz gut.

DAX seit Februar 2016 als Linienchart

Quelle: CFX Broker

Der Verlauf der Linie orientiert sich dabei ausschließlich an den Schlusskursen des zugrundeliegenden Wertes, in diesem Dax-Beispiel sind es die täglichen Schlusskurse. Je nach Einstellung können dies aber auch minütliche, stündliche, wöchentliche oder monatliche Schlusskurse sein.

… aber nicht sehr informativ.

Der Nachteil dieser Chartdarstellung wird schnell klar: Denn mehr als die eine Information zu den Schlusskursen liefert Ihnen dieser Charttyp nicht. Aussagen zu starken Angebots- oder Nachfrage­schwankungen unterschlägt er völlig. Die Aussagekraft der Liniencharts ist damit stark begrenzt.

Für Anleger, deren Strategie ausschließlich auf dem Handel von Schlusskursen basiert, ist der Linienchart sicherlich sehr nützlich. Anleger, die sich weiterführende Informationen aus ihrem Chartbild versprechen, werden mit dem Linienchart allerdings nicht glücklich werden.

Der Balkenchart liefert Ihnen viele Informationen auf einen Blick

Im Gegensatz zum Linienchart liefert Ihnen der Balkenchart (auch Balken-OHLC) auf einen Blick gleich vier wichtige Informationen zur betrachteten Zeitperiode:

  • Eröffnungskurs (Open)
  • Höchstkurs (High)
  • Tiefstkurs (Low)
  • Schlusskurs (Close)

DAX seit Februar 2016 als Balkenchart

Quelle: CFX Broker

Durch die Verbindung des Höchst- mit dem Tiefstkurs entsteht die typische Balkenform.

Der Eröffnungskurs wird links am Balken abgetragen, der Schlusskurs rechts.

Durch die Einfärbung der Balken können Sie zudem sofort erkennen ob beispielsweise ein Tag im Plus (schwarzer Balken)

oder im Minus (roter Balken) beendet wurde

Informationstechnisch liegt der Balkenchart deutlich vor dem Linienchart

Durch die variable Längendarstellung der Balken werden zudem auch starke Schwankungen im Kursverlauf sofort sichtbar. Im obigen Dax-Chart sehen Sie beispielsweise sehr deutlich die große Schwankungsbreite am 10.11.2016 – dem Tag als bekannt wurde, dass Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt wurde.

In puncto Informationsbereitstellung hat der Balkenchart also aufgrund seiner grafischen Darstellung gegenüber dem Linienchart die Nase deutlich vorne.

Der Kerzenchart – Des Profis erste Wahl

Als dritten Charttyp steht nun noch der Kerzenchart (auch: Candlesticks) zur Auswahl. Ebenso wie ein Balkenchart liefert auch der Kerzenchart auf einen Blick Informationen zum Eröffnungs-, Höchst, Tiefst- und Schlusskurs. Im Unterschied zur Balken-Darstellung wird die Verbindung zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs als farbiger Kerzenkörper abgetragen.

In der Regel wird ein Kerzenkörper grün (oder schwarz) dargestellt, wenn der Schlusskurs über dem Eröffnungskurs lag (der Kurs also gestiegen ist)

und rot (oder weiß), wenn der Schlusskurs unter dem Eröffnungskurs lag (der Kurs also gefallen ist).

Die jeweiligen Höchst- bzw Tiefstkurse des betrachteten Zeitraums werden als eine Art „Docht“ an das jeweilige Kerzenende abgetragen.

Die Länge dieser Dochte ermöglicht ebenfalls die Visualisierung starke Schwankungen im Kursverlauf.

Genauso wie im Balkenchart sehen Sie im folgenden Dax-Chart sehr deutlich die große Schwankungsbreite am „Trump-Tag“.

DAX seit Februar 2016 als Kerzenchart

Quelle: CFX Broker

Kerzencharts als Bestandteil einer eigenen Handelsstrategie

Das spannende an Kerzencharts ist zudem, dass die Kerzen selber als Indikator für künftige Auf- oder Abwärtsbewegungen dienen können und dadurch häufig Bestandteil einer eigenen Tradingstrategie sind.

Der Kerzenchart liefert Ihnen die hochwertigsten Informationen!

Wenn wir nun wieder davon ausgehen, dass technische Analysten das handeln, was sie in einem Chart sehen, wird klar, dass die hoch komplexe Darstellungsform des Kursverlaufs in Form von Kerzencharts Ihnen sowohl quantitativ als auch qualitativ die hochwertigsten Informationen auf einen Blick liefert!

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Kerzencharts wohl auch weltweit die beliebteste Methode der Analyse darstellen. Und auch ich kenne kaum einen Profi, der nicht auf die Aussagekraft der Kerzen setzt.

Es gibt kein falsch oder richtig! Es gibt nur „erfolgreich oder nicht“ …

Nun kennen Sie die drei geläufigsten Charttypen und wissen welcher Chart Ihnen welche Informationen liefert. Natürlich gibt es auch hier kein Falsch oder Richtig. Wenn Sie sich mit dem Linienchart am wohlsten fühlen, dann nutzen Sie ihn.

Ich persönlich nutze für den schnellen (aber langfristigen) Blick immer den Linienchart. Wenn es etwas mehr in die kurzfristige Tiefe geht, nutze ich logischerweise den Candlestick-Chart.

Letztlich zählt doch nur eins:

Dass Sie langfristig erfolgreich sind mit dem was Sie tun! Wie Sie es tun, sollte dabei doch Ihnen selbst überlassen sein!

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