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„Himmlische“ Profite?

Liebe Leser,

hier ist einer der furchteinflößendsten Datensätze, die ich dieses Jahr bisher gesehen habe: Nahezu 80% aller amerikanischen Konsumenten sind bereit dazu Extragebühren zu bezahlen, um ihre Waren per Drone geliefert zu bekommen. Wir sprechen hier über alles von Büchern bis hin zu Pizza.

Ich kann mir so richtig vorstellen, wie die Himmel über meinem kleinen Haus in Delray Beach, Florida in den USA aussehen werden.

Und der Krach! Das wird wie eine Armada von Moskitos in Terriergröße, die Stuka artiger Bombenangriffe fliegen.

Nichtsdestotrotz hat die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA offiziell die Büchse der Pandora geöffnet. Und zwar geschah dies, als sie ihre Empfehlungen für kleine kommerzielle Dronen (weniger als 22.5kg) veröffentlichte.

Die Empfehlungen sind nämlich weit weniger streng als erwartet. Hier sind ein paar Besorgnis erregende Details:

  • Das Personal, das die kommerziellen Dronen bedienen wird, braucht keinen Flugschein, lediglich ein spezielles Dronenzertifikat. Dieses wird viel leichter zu erhalten sein als ein Flugschein und kostet weniger als $300. Ein Siebzehnjähriger kann diese Bescheinigung bereits erhalten.
  • Kleine Dronen werden keine Lufttüchtigkeitsstandards erfüllen müssen. Ein kleiner Check vor dem Flug durch den Bediener reicht völlig aus.
  • Die FAA erwägt sogar ein weiteres Regelwerk für sogenannte „Mikrodronen“ (Dronen unter 2.2 Kilogramm). Hier sind sogar noch weitaus lockerere Standards geplant.

Natürlich sind auch diese Nachrichten nicht alle schlecht. Eine Drone darf beispielsweise nur im Sichtbereich des Bedieners fliegen und nicht über rund 170 Meter steigen oder schneller als 160km/h pro Stunde fliegen. Flüge dürfen auch nur während der Tageslichtzeit durchgeführt werden. Dronen dürfen auch nicht über Menschen geflogen werden (doch wer will so eine Politiker-Regelung denn ernsthaft durchsetzen?). Und Dronen dürfen nach wie vor noch keine Gegenstände abwerfen.

Aber zu all diesen Punkten füge ich an dieser Stelle mal ein „bis jetzt“ hinzu. Denn wenn Sie die Dronen-Büchse der Pandora öffnen, wer weiß schon, wo das endet?

Keine Privatsphäre mehr im eigenen Garten hinter dem Haus?

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will hier nicht wie ein Spießer oder Technikfeind klingen. Ich habe nichts gegen neue Technologien. Im Gegenteil. Ich bin auch nicht der Typ, der ständig Tiraden über die Kinder von heute verfasst (das hebe ich mir für zu Hause auf). Aber jeder, der nicht die negativen Punkte und Gefahren erkennt, wenn Flotten von Dronen bei ihm durch die Nachbarschaft fliegen, sollte dringend aufwachen und einen Schluck des per Drone gebrachten Kaffees trinken.

Zunächst einmal gibt es ab dann keine Privatsphäre mehr im eigenen Garten. Punkt. Und ich rede nicht nur über Polizeischnüffelei (auch wenn es extrem viel davon geben wird), sondern mir geht es um ganz andere Dinge. Woher wollen Sie denn wissen, dass eine Drone von einem Polizisten und nicht irgendeinem perversen Spanner geflogen wird? (Antwort: Das können Sie nicht.)

Und dann gibt es noch die Gefahren. Es ist so schon gefährlich genug, auf so mancher Autobahn zur Arbeit zu fahren. Warten Sie nur mal ab, bis irgendein schlampig ausgebildeter oder gerade erst lizensierter Vollidiot die Kontrolle über seine Drone verliert und auf einer Autobahn landen lässt.

Ach ja, habe ich das schon gesagt? Der Lärm? Den werde ich wohl am meisten hassen.

Selbst der amerikanische Präsident ist besorgt. Und das nicht etwa, weil irgendein Betrunkener kürzlich eine Drone auf dem Rasen des Weißen Hauses landen ließ. Am gleichen Tag, an dem die FAA ihre Dronenrichtlinien veröffentlichte, verfasste Obama ein Memorandum zum Schutz der Privatsphäre und persönlichen Rechte der Bürger im Zusammenhang mit Dronen. Dort werden Richtlinien veröffentlicht, wie lange Daten, die mittels Dronen gesammelt werden, aufbewahrt werden dürfen. Auch geht es darin um kritische Punkte rund um die Privatsphäre.

Aber das Problem mit Richtlinien ist natürlich, dass sie nur Richtlinien sind.

Und hier kommen die Lobbyisten

Bereits jetzt gibt es in Washington schon Gegenwind gegen jegliche ernsthafte Regulierung von Dronen. Lobbyisten, die Amazon (Nasdaq: AMZN) und Google (Nasdaq: GOOG) sowie Flugzeugbauer und Nachrichtenmedien vertreten, kündigten bereits jetzt an, dass sie versuchen würden, die entsprechenden Politiker davon zu überzeugen, dass viele angedachte Einschränkungen völlig unnötig seien.

Der Grund, so die Dronenlobby, sei, dass die neuartigen Technologien natürlich die Dronen alle perfekt sicher machen würden. Und damit werden sie womöglich sogar durchkommen…

Die Gerlder, welche in den Lobbyismus im Bereich Dronen fließen, stiegen von 2011 bis 2014 von 35 Millionen auf 186 Millionen US-Dollar. Könnte Geld hier über dem öffentlichen Gemeinwohl stehen?

Dieser große Trend könnte kaum zu stoppen sein. Hier sind ein paar faszinierende Fakten:

  • Nur 12% der US-Konsumenten geben an, dass sie Lieferungen per Drone nicht vertrauen würden.
  • Rund 28% aller US-Konsumenten kaufen mindestens einmal pro Woche etwas im Internet ein.
  • Die Anzahl der Dronen in den USA bis zum Jahr 2020 wird auf mehr als 30.000 geschätzt.
  • Momentan hat die amerikanische Luftwaffe zwischen 65.000 und 70.000 Leute, die nur daran Arbeiten, die Daten und das Filmmaterial, das Dronen sammeln, auszuwerten.
  • Cape Canaveral, der einst stolze US-Weltraumhafen, ist jetzt eine Dronenbasis. Der US-Grenzschutz fliegt inzwischen bereits an der Südgrenze, der Nordgrenze und im Südosten die Grenzen mit Dronen ab. Und kaum ein Amerikaner weiß das überhaupt.

Die positive Seite: Den Profiten wachsen Flügel

Das Geld, das weltweit in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich in den Dronenbereich fließt, beläuft sich auf rund 98 Milliarden US-Dollar. Und 12% davon sollten für kommerzielle Zwecke sein. Als Beispiel hätten wir hier Farmer, die Dronen nutzen möchten, um ihre Ernte zu überwachen oder zu spritzen. Öl- und Gasfirmen planen Dronen zur Überwachung von Pipelines und Bohrinseln einzusetzen.

Und Nachrichtenmedien wie NBC, The New York Times und Thomson Reuters planen in den kommenden Monaten Dronen zum Sammeln von Neuigkeiten.

Wenn Sie den Trend also nicht aufhalten können, warum nicht an den vielen Profitchancen auch etwas verdienen?

So können Sie dabei sein

Es gibt durchaus ein paar öffentlich handelbare Dronenaktien. Viele von ihnen sind im Robo-Stox Global Robotics & Automation ETF (Nasdaq: ROBO) vertreten. Dieser ETF hält einen Korb aus Firmen, die im Bereich Robotik, High-Tech Automatisierung und Dronen operieren. Im nachfolgenden, langfristigen Chart des ETFs sehen Sie, dass hier durchaus ein wenig interessante Bewegung vorhanden ist:

Aktueller Langfristchart des Robo-Stox ETF (Quelle: InvestmentU-Research)

Abbildung: Aktueller Langfristchart des Robo-Stox ETF (Quelle: InvestmentU-Research)

Der ETF brach vor einiger Zeit seinen Abwärtstrend und legte mit hohem Volumen zu. Aus technischer Sicht ist dies bullisch einzustufen.

Die zweitgrößte Position des Robo-Stox ETF ist AeroVironment (Nasdaq: AVAV). Diese Firma stellt Dronen und Ladestationen für Elektroautos her. Eine andere, etwas kleinere Position ist Elbit Systems (Nasdaq: ESLT), ein israelischer Dronen- und Rüstungskonzern.

Klar, der Robo-Stox ETF hat eine Menge an nicht Dronen Aktien, welche dafür im Bereich Automatisierung und Robotik angesiedelt sind. Aber wenn Dronen zu einem derart großen Trend werden, wie einige Leute vorhersagen, dann sollte der Fonds abheben. Beachten Sie jedoch bitte die steuerlichen Besonderheiten (je nach Land, in dem Sie wohnen) und dass die Kostenbasis von 0.95% pro Jahr recht hoch ist.

Wie mit allem sollten Sie also auch hier zunächst selbst noch ein paar genauere Überprüfungen machen. Mein Ziel heute, war es lediglich Sie auf einen sehr interessanten Zukunftstrend aufmerksam zu machen, in dessen Fahrwasser Sie einiges werden verdienen können.

Weiterhin gutes Investieren wünscht Ihnen

Sean Brodrick

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