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Harry Dents gewagte Prognose: „Große Depression voraus“

Wie heißt es doch so schön in dem Film Poltergeist? „Sie sind zurüüüück.“ Wer ist zurück? Harry Dent, der selbsternannte Wirtschaftsvorhersager, der sich erlaubt, uns etwas über die großen vor uns liegenden, wirtschaftlichen Auf- und Abschwünge zu berichten.

Wie kann er so etwas nur wissen?

Laut Dent zeigt uns eine Analyse der gut prognostizierbaren Natur der Konsumentenausgaben, welche auf demographischen Trends beruhen – ansteigende Ausgaben während der Kindererziehungsjahre, die Spitzenausgaben, wenn die Kinder das Elternhaus verlassen, und ein Abnehmen der Ausgaben in den letzten Arbeitsjahren und in der Rentenzeit – was auf die Wirtschaft und den Aktienmarkt zukommt.

Harry Dent: Dow bei 44,000 Punkten und andere Vorhersagen

Harry Dent ist ein Mann, bei dem es sich lohnt zuzuhören. Schließlich hat er einen nahezu perfekten „Track-Rekord“ – allerdings nur wenn man ihn als einen konträren Indikator sieht.

Zum Beispiel:

  • Mit sehr schlechtem Timing brachte Dent im Jahre 1999 das Buch „The Roaring 2000s Investor“ heraus, indem er selbstsicher vorhersagte, dass der Dow bis im Jahr 2008 auf 44.000 Punkte ansteigen würde. Mit dem Luxus aus der heutige Perspektive zurückschauen zu können wissen wir, dass er sich um ca. 30.000 Punkte verschätzt hatte.
  • Zu jener Zeit brachte Dent auch starke Gründe für NASDAQ-Aktien hervor und sagte folgendes voraus: „Die technologische Revolution wird internetorientierte Unternehmen besonders profitieren lassen.“ Innerhalb von drei Jahren verlor die NASDAQ-Technologiebörse 75% ihres Wertes und ein führender Index von Internetaktien stürzte sogar um 89% ab.

Und Dent beschränkte seine Marktvorhersagen nicht nur auf die USA. Er sagte zudem voraus, dass Argentinien „bis 2015 moderat und dann bis 2025 stärker wachsen würde.“

Allerdings leidet Argentinien unter der Finanzkrise und einem Währungskollaps mit den Folgen von Aufständen, sozialen Unruhen und Jahren der wirtschaftlichen Stagnation. Jetzt wird es offensichtlich, wie falsch Dent mit seinen Aussagen lag. Aber 10 Jahre zuvor stimmten ihm viele Broker und Investoren zu. Er verkaufte hunderttausende Bücher und strich Millionen als Berater von führenden Wall Street Firmen ein, Morgan Stanley (NYSE: MS) eingeschlossen.

Harry Dents gewagte Prognose: „Große Depression voraus“

Fünf Jahre später, angeschlagen aber noch nicht k.o., publizierte Dent das Buch „The Next Great Bubble Boom: How to Profit from the Greatest Boom in History: 2006-2010″, welches auf der gleichen Demographie-Trend-Theorie beruht. Diese Periode beinhaltete den größten Absturz seit der großen Depression. Und was seine für 2009 überarbeitete Prognose, der DOW bei 40.000 Punkten, angeht, so sieht es danach aus, als ob er wieder einmal um 30.000 Punkten tiefer liegt. Mit einer solchen Erfolgsbilanz könnte man meinen, dass Harry Dent zukünftig vor wirtschaftlichen Prognosen zurückscheuen würde.

Jedoch bewirbt er gerade ein neues Buch. Und wenn Sie einen Grund suchen bezüglich des Markts optimistisch zu sein,  so finden Sie diesen in seinem gewählten Buchtitel: „The Great Depression Ahead“. Innerhalb der Veröffentlichungswochen des Buches legte der DOW einen 48-prozentigen Anstieg hin, eine der größten Rallyes der vergangenen 100 Jahre.

Wissen Sie, ich bin nicht komplett mitleidlos mit Dent. Jeder in dem Geschäft der Investment-Prophezeiungen braucht die Haut eines Nashorns und einen Doktortitel in Bescheidenheit. Niemand liegt immer richtig. Außerdem hat Dent in seiner langen Karriere hunderte von Aussagen gemacht, deshalb bin ich sicher, dass auch er ein paar erfolgreiche vorweisen kann.

Ich sage das nur, weil Dent Millionen mit Bücherverkäufen und Investmentberatungsgebühren verdient hat und mit seinem Hokuspokus hausieren geht. Trotzdem ist Harry Dent immer noch dort draußen und bietet fragwürdige Anlageberatung auf Grundlage eines falschen Ideenfundaments an.

Hören Sie auf diesen Ratschlag

Während jeder ab und zu eine gute Vorhersage machen kann, kann niemand regelmäßig die Entwicklung der Wirtschaft oder des Aktienmarktes vorhersagen. Wenn Sie dieses nicht akzeptieren – dies ist ein fundamentaler Investmentgrundsatz der großen Investoren wie Benjamin Graham, Warren Buffett, Peter Lynch und John Templeton – sind Ihre Chancen auf einen nachhaltigen Erfolg gering.

Dennoch klammert sich Harry Dent an seine demographischen Theorien und seine ökonomischen Zukunftsausschichten. Und das ist bedauernswert. Jemand müsste ihm wirklich eines der größten Geheimnisse des Investierens verraten: Deine einzige wahren Fehler sind nur diejenigen, von denen du nichts gelernt hast.

 

Ein Beitrag von Alexander Green

 

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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Alte Kommentare
  • Grosch Romain schrieb am 13.10.2009, 20:22 Uhr

    Sie haben vergessen zu erwähnen, WARUM Dent bekannt wurde. Seine Prognose Dow-Jones bis zum Jahr 2000, abgegeben zu einem Zeitpunkt wo sie unwahrscheinlich war (1998), traf ins Schwarze.Schon Anfang der neunziger Jahre erschien sein Buch " The Great Boom Ahead " mit Dow-Jones Ziel 10.000, damals unglaubwürdig,bei einem Dow-Stand von 3.500, aber im Nachhinei wahr! Er hatte also nachweislich für mindestens ein Jahrzehnt recht. Auch das sollte gesagt werden in Ihrem Bericht, der sonst nicht objektiv ist. Mt besten Grüssen

  • Claudio schrieb am 14.10.2009, 00:00 Uhr

    Sehr geehrter Herr Green, Ihr Beitag über Dent ist sehr interessant. Seine Prognosen kenne ich seit mehreren Jahren! Die 40.000er Prognose ist bei weitem nicht eingetroffen. Jetzt prognostiziert er ja eine große Depression. Celente ist der gleichen Meinung und prognostiziert sogar die größte Depression überhaupt! Evtl. tritt Dents Prognose ja wieder nicht ein. Dies könnte z. B. der Beginn einer der größten Bullenmärkte sein, oder aber eine der größten Bärenmarktrallyes, die die Welt je gesehen hat. Wie Sie schon sagen. Man soll sich nicht an seine Prognosen und Theorien festklammern. Weder wenn man für die kommenden Jahre einen neuen großen Bullenmarkt erwartet noch, wenn man meint, dass alles Quatsch ist und einen großen Bärenmarkt (evtl. mit Hyperinflation, Staatsbankrott und Währungsreform) erwartet. So widersprüchlich die fundamentale und technische Lage aussehen mag. Viele Grüße Claudio

  • WIELTSCHNIG Alfred schrieb am 14.10.2009, 01:50 Uhr

    ...dem DENT gehts scheinbar gleich wie Ihnen ihr Analysten und Berichterstatter von INVESTOR de, die ihr alle mit Euren Prophezeihungen dieser letztmonatigen Weltfinanzlage Niedergänge simuliert habt, von, die Währung EURO betreffend (das Volk möge auf Buchstaben auf den EUROscheinen achten), bis hin zu Depression-Rezession-Inflations-blablabla, man hat Stunden geopfert all diese Berichte zu lesen, verzagte, spekulierte, war beängstigt und mieß pessimistisch und entsetzt gestimmt, hat irritiert in fanatische Richtungen gedacht, ist im Sog der Prophezeihungen gestrudelt auf andere Menschen negativ und pessimistisch ein Handikap für die Wirtschaft geworden, genau das was der Finanzstaat nicht braucht! Der Börsenmarkt boomte, ja boomt weiterhin und dabei haben wir Vorsichtler all die möglichen raschen Gewinne verschlafen!!! Konservativ kaufte und vermarkte ich einige Immobilien und mache ein sicheres großes Kleingeld mit meinen GLÜCKLICHEN Mietern! Aber es stimmt, die Krise ist noch nicht ausgestanden, es gibt sie die Arbeitslosen, doch ein schlechtreden der Wirtschaft in der Akutzeit macht das Alles nicht besser! Wir haben uns heute zu fragen, wie wird man das gedruckte Mehrpapiergeld nun wieder los, bevor die heranwachsende und dann verantwortliche Jugend darin umkommt? Nur diese Frage wird das INVESTOR de Team genausowenig vorhersagen, geschweigeden analysieren können! Die besten Artikel waren die Rohstoff-INFOS,die Reiseberichte, die Krankenzustandsberichte und derlei und wie verkauft ihr TAIPAN usw., ...ein über den INVESTOR de-Zaun blickender, kritisch die augen rollender, hämisch schmunzelnder, Investor.de schätzender, Leser

  • Andreas Franke schrieb am 14.10.2009, 09:31 Uhr

    Dear Mr Green, Thank You Best Regards Andreas Franke

  • Dirk Stiller schrieb am 14.10.2009, 09:49 Uhr

    Wo ist das Problem? Harry Dent verkauft Bücher und verdient eine Menge Geld damit. Das ist so, als wenn man eine fundamental schlechte Aktie aus technischen Gründen kauft und höher verkauft. Man hat nicht recht, aber verdient Geld (worauf es am Markt ankommt).