MenüMenü

Die Tricks zur Bereinigung der Inflationsrate

Es gibt „billige Statistiktricks“, welche die Behörden anwenden, um die offiziellen Inflationsraten zu bereinigen – was sinnigerweise dazu führt, dass die Inflationsraten in der Regel immer etwas geringer ausfallen, als wenn sie ohne diese Bereinigungen vorgenommen würden. Heute möchte ich Ihnen aufzeigen, wie diese Bereinigungen funktionieren.

Warenkorbdefinition

Sie wissen ja, unsere Statistiker arbeiten mit Warenkörben um uns die Inflationsrate aufzuzeigen. Packen Sie also einen Einkaufskorb voll mit Waren, kaufen Sie die gleichen Güter im nächsten und im übernächsten Jahr. Ich wette: Sie bezahlen in jedem Jahr mehr. Berechnen Sie nun die prozentuale Steigerung und sie haben ihre Inflationsrate.

Doch so einfach es ist, so einfach scheint es nicht zu sein. Benutzen doch die Regierungen, hier allen voran die US Regierung, aber in zunehmendem Maße auch die Europäer ganz bestimmte Mittel um die Teuerung der Warenkörbe zu optimieren, oder besser gesagt zu manipulieren. Anders ausgedrückt: Die Statistiker gehen nicht einfach her, sehen sich einen Warenkorb aus einer bestimmten Menge an Kartoffeln, Äpfeln und Buttermilch an und vergleichen den Preis dieser Waren aus dem Jahr 1970 mit dem Preis dieser Waren aus dem Jahr 2008. Stattdessen unterliegen die Warenkörbe ständigen Veränderungen oder besser gesagt Bereinigungen.

Der Fairness halber muss ich Ihnen allerdings sagen: Es gibt auch Bereinigungen, die durchaus nachvollziehbar sind und Sinn machen eingesetzt zu werden. Das sind meiner Ansicht nach aber nur die Qualitätsbereinigungen. Diese möchte ich Ihnen zuerst vorstellen, bevor wir uns dann im zweiten Teil an die Bereinigungen machen, die dazu führen, dass die Inflationsraten offiziell irgendwie immer zu tief ausgewiesen werden.

Qualitätsbereinigungen in der Verbraucherpreisstatistik

Grundsätzlich werden sogenannte Qualitätsbereinigungen vorgenommen, weil das Warenangebot – und damit auch die Nachfrage – einer ständigen Veränderung unterliegt. So kommt es auch zu Qualitätsveränderungen. Insbesondere, wenn es um die Auswahl eines Nachfolgeprodukts im Warenkorb geht. Diese Qualitätsunterschiede will man in den Verbraucherpreisindizes berücksichtigen, was mit Qualitätsbereinigung bezeichnet wird. Hierfür verwendet man beispielsweise Maßnahmen wie diese:

Ausstattungsbereinigung

Mit dieser Art der Qualitätsbereinigung wird versucht bestimmte Merkmale eines Produkts zu identifizieren, die dessen Qualität ausmachen und darüber hinaus, welchen Wert private Haushalte diesem Produkt beimessen.

Hierzu gehören unter anderem Formen wie die Mengenbereinigung. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Menge eines Produkts proportional den Wert für den Verbraucher bestimmt. Wenn Sie also immer einen 150g Joghurt-Becher gekauft haben und nun im Becher nur noch 100g drin sind, Sie aber den gleichen Preis bezahlen müssen, dann sollte der Verbraucherpreisindex diese versteckten Preiserhöhungen erfassen. Die Mengenbereinigung wird zumeist bei Nahrungsmitteln und anderen Verbrauchsgütern eingesetzt.

Auch geldwerte Vorteile werden berechnet. Zudem verwendet man den Preisunterschied vergleichbarer Angebote (wenn 2 Produkte eines Herstellers sich durch ein Merkmal oder eine bestimmte Merkmalskombination voneinander unterscheiden) als Schätzwert für den Geldwert des Qualitätsunterschiedes. Hierbei wird unterstellt, dass der Konsument schließlich eine entsprechende Wahlmöglichkeit hat (wenn also das neue iPad irgendetwas besser kann, als das ältere und deshalb teurer ist, wird dies berücksichtigt).

So weit einmal zu den – ich sage einmal frech – langweiligeren Techniken. Gehen wir im zweiten Teil zu den raffinierteren Methoden der Modifizierung über.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Börsenwissen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.