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Der Gleitende Durchschnitt – Diese Kurve ist bares Geld wert!

In der vergangenen Woche haben wir an dieser Stelle festgestellt, dass es durchaus Sinn macht, sich einmal genauer mit den Vorzügen der unterschiedlichen Charttypen zu beschäftigen.

Mit dem richtigen Chart fängt es an …

Denn, um die bestmöglichen Handelsentscheidungen treffen zu können, ist es hilfreich zu wissen, welcher Charttyp für Ihre Zwecke in Frage kommt. Wenn Sie es eilig haben und Sie lediglich eine ungefähre Tendenz erkennen wollen, dann reicht ein schneller Blick auf den Linienchart.

Interessieren Sie sich dagegen für eine tiefergehende Analyse, dann sollte der Kerzenchart Ihre erste Wahl sein. Denn aufgrund seiner komplexen grafischen Darstellung, liefert er Ihnen die hochwertigsten Informationen.

… doch noch wichtiger sind die richtigen Indikatoren!

Um nun den dargestellten Kursverlauf auf seinen Informationsgehalt zu untersuchen, steht Ihnen eine Vielzahl von Indikatoren zur Auswahl. Mittlerweile bietet Ihnen jeder Broker Unmengen an Indikatoren und Hilfsmitteln an. Woher wissen Sie also was Sie wirklich benötigen, um Kurse analysieren zu können? Welche Indikatoren sind wirklich hilfreich? Und wie machen es die Profis?

Die erste Regel der Profis lautet: Halten Sie es so einfach wie möglich!

Durch meine Tätigkeit im Investor Verlag durfte ich stets mit einer Vielzahl echter Analyse-Profis zusammenarbeiten. Und der Rat, den wirklich uneingeschränkt ALLE Analysten stets an ihre Leser weitergegeben haben, war dieser: Keep it simple and stupid! Oder auch: Halten Sie es so einfach wie möglich.

Weniger ist manchmal eben doch mehr!

Es mag zwar auf den ersten Blick beeindruckend aussehen, wenn in einem Chart viele Linien in den verschiedensten Farben leuchten. Doch: Ein Chart in dem Sie vor lauter Indikatoren nichts mehr erkennen können, ist wertlos. Wenn Sie sich die Charts der Profis ansehen, werden Sie feststellen, dass dort vornehmlich die Devise gilt: Weniger ist mehr!

Diesen Indikator verwendet Tom Firley

Ich habe Ihnen beispielhaft mal einen Auszug aus der Chartanalyse eines Ihnen sehr gut bekannten Profis mitgebracht. Es handelt sich dabei um eine aktuelle Chartanalyse von Tom Firley aus seinem „Familien-Investor“.

Tom Firley setzt auf den 256-Tage-GD (Quelle: Market Maker)

Tom Firley hat in diesem Fall den Kursverlauf der Aktie BB Biotech dargestellt und über den Kurs einen 256-Tage-GD gelegt.

Doch was genau ist ein GD, wofür steht die Abkürzung? Und warum 256 Tage?

Die Abkürzung GD steht für Gleitenden Durchschnitt. Mit einem GD ist es Ihnen möglich, den durchschnittlichen Kursverlauf des betrachteten Wertes auf einen Blick zu erkennen. Um beispielsweise den 256 Tage-GD zu errechnen, addieren Sie die Schlusskurse der letzten 256 Handelstage und teilen sie durch 256.

Je nachdem ob Sie einen langen Betrachtungszeitraum von 256 Tagen oder einen kurzen Zeitraum von beispielweise 20 Tagen auswählen, erhalten Sie unterschiedlich „glatte“ Kursverläufe. Ein GD der einen längeren Zeitraum umfasst, wird selbstverständlich wesentlich „glatt gebügelter“ daherkommen, als der GD einer kurzen Zeitperiode.

Gleitende Durschnitte verraten Ihnen gute Ein- und Ausstiegspunkte

Tom Firley setzt, wie im Chart festgestellt, unter anderem auf den 256 Tage-GD. Denn dieser GD bildet so ziemlich genau einen Gleitenden Jahresdurchschnitt ab. Ein Blick auf diese Linie reicht ihm, um sofort zu wissen, wie es um einen Wert steht. Ob dieser aktuell eher überhitzt oder überverkauft ist.

Generell gilt, dass ein Kurs oberhalb des GDs auf einen steigenden Kurs hinweist, da der aktuelle Kurs sich über dem Durchschnittskurs bewegt.

Ein Kurs unterhalb des GDs hingegen weist auf einen fallenden Kurs hin. Da der Kurs sich unterhalb des Durchschnitts bewegt.

Dadurch lassen sich auch konkrete Handelsentscheidungen aus der GD-Beobachtung ableiten. Verläuft der 256er-GD beispielweise wie im obigen Chart der BB Biotech-Aktie, nur ganz knapp unterhalb des aktuellen Kurses, lohnt es sich für ihn den weiteren Verlauf zu beobachten. Sobald der GD den Kurs von unten nach oben kreuzt stehen die Chancen also gut, dass der Wert weiter steigen wird.

Tom Firley hat den optimalen Einstiegspunkt gefunden. Nachdem der GD256 den Kurs von unten nach oben schnitt und auch einen Tag später noch keinerlei Anzeichen machte, dass er wieder unter den GD fallen wird, gab Tom Firley seinen Lesern im „Familien Investor“ das Zeichen zum Einstieg (grüner Kreis). Mit Erfolg.

Denn die Leser, die seinem Rat gefolgt sind, können bereits ein Plus auf Ihrem Konto verbuchen. Und auch Nachzügler haben immer noch die Chance in diesen Wert einzusteigen (einen entsprechenden Link dazu finden Sie im PS).

Ein GD kommt selten allein

Um solche Trend-Annahmen zu bestätigen, ziehen viele Anleger einen zweiten GD zu Rate. Und zwar einen der eine wesentlich kürzere Zeitperiode betrachtet als der erste GD.

Während zum Beispiel ein 256er-GDs langfristig betrachtet sehr zuverlässige Signale liefert, ist seine Aussagekraft bei kurzfristigen Änderungen stark eingeschränkt. Kurzfristigere GDs, wie beispielsweise ein 20er GD, der nur die Schlusskurse der letzten 20 Perioden umfasst, kann dagegen aktuelle Änderungen in der Kursrichtung wesentlich schneller anzeigen. Allerdings ist seine Aussagekraft in der längerfristigen Betrachtung stark beschränkt.

Durch den Einsatz zweier GDs ist es Ihnen somit möglich, die Vorteile beider GDs zu vereinen. Umso sowohl lang- als auch kurzfristige Trends und Trendänderungen in einem Chart abzubilden und daraus Kauf- oder Verkaufsempfehlungen abzuleiten.

Der folgende Chart soll Ihnen dies einmal verdeutlichen. Dafür greife ich noch einmal das Beispiel von BB Biotech aus dem aktuellen „Familien-Investor“ auf.

Chart BB Biotech seit Januar 2016

GD256 und GD20 geben das Zeichen zum Einstieg (Quelle: Market Maker)

Zusätzlich zum 256er GD sehen Sie hier zusätzlich fein eingezeichnet den 20er GD. Dieser bewegt sich nahe am Kursverlauf und schneidet den 256er-GD letztlich von unten nach oben. In der Fachsprache der Technischen Analysten wird dieses Kursmuster auch „Golden Cross“ genannt und als Kaufsignal gewertet.

Golden Cross und Death Cross: Diese Kreuze haben es in sich!

Der GD 20 hat also in diesem Fall die Kaufentscheidung auf Basis des GD256 von Tom Firley bestätigt.

Genauso wie beide GDs Kaufsignale generieren können, sind natürlich auch Verkaufssignale möglich! Fällt der langfristige GD unter den kurzfristigen GD so wird dieser Schnittpunkt als Death Cross bezeichnet und als Verkaufszeichen gewertet.

Welchen kurzfristigen GD Sie hier letztlich verwenden, ist reine Geschmackssache. Ich habe in diesem Fall den GD 20 verwendet, da er in meinen Augen eine schöne Ergänzung zum GD 256 von Tom Firley darstellt. Denn, während der GD256 den Durchschnitt eines ganzen Jahres widergibt, bezieht der GD 20 sich auf einen Monat.

Dadurch habe ich sowohl den relativ kurzfristigen Trendverlauf eines Monats (inklusive möglicher Trend-Änderungen) ebenso abgebildet wie den langfristigen Trend eines ganzen Jahres.

Historisch bedingte GD-Auswahl bei Ihrem Broker

Bei Ihrem Broker haben Sie häufig die Wahl zwischen mehreren voreingestellten GDs. Die wohl gängigsten GDs sind 20, 38, 50, 100 und 200 und decken grob bestimmte Zeiträume ab. So stellt der GD20 – wie schon festgestellt – einen Monatsdurchschnitt dar. Der GD38 umfasst ca. 2 Monate, der GD50 deckt ein Vierteljahr ab, der GD100 ungefähr ein halbes Jahr und der GD200 dient als Jahresdurchschnitt. Obwohl der GD256 einen Jahresdurchschnitt sicherlich wesentlich treffender darstellt.

Doch dürfen wir nicht vergessen, dass die Technische Analyse bereits Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde. Der erste Taschenrechner bzw der „erste elektronische Mini-Rechner“ wurde aber erst im Jahre 1967 gebaut. Dementsprechend mussten anfänglich Zahlen her, die sich einfach im Kopf berechnen ließen. Eine Summe lässt sich – ohne Taschenrechner – einfacher durch 200 teilen als durch 256.

Auch wenn mittlerweile jeder Mensch Zugang zu einem Taschenrechner hat, ist die Betrachtung dieser historischen GD´s unverändert geblieben. „Das haben wir schon immer so gemacht“ wird wohl die gängigste Erklärung dafür sein, dass diese GDs nach wie vor so häufig verwendet werden.

Suchen Sie sich einen GD der zu Ihnen passt!

Doch die gute Nachricht ist ja, dass Ihnen Ihr Chartprogramm in der Regel die Möglichkeit gibt, die Zeiträume für Ihre GDs individuell einzustellen. Experimentieren Sie ein wenig, um herauszufinden, welcher GD zu Ihnen passt. Wichtig ist vor allem, dass Sie sich dabei wohl fühlen und Gewinne erzielen!

Aber bitte vergessen Sie eins nicht:

Eine 100% zutreffende Vorhersage kann Ihnen leider kein Indikator dieser Welt zusichern. Mit den Instrumenten der Technischen Analyse und einer cleveren Anwendung passender Indikatoren haben Sie aber eine sehr gute Chance, Trends und mögliche Trendwenden für Ihre Zwecke zu nutzen!

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