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Das bedeuten die neuen MiFID-Regeln für Sie

Die sogenannten „Markets in Financial Instruments Directive“ (MiFID) soll reformiert werden. Seit 2009 arbeitet die EU an strengeren Regeln für den Kapitalmarkt. Dabei kam man nun offenbar einen entscheidenden Schritt voran: Eine Beschlussvorlage für das europäische Parlament und die Kommission ist fertig. Auch für den privaten Trader dürfte die Richtlinie ab 2017 Konsequenzen haben.

Der Hochfrequenzhandel wird lahmgelegt

Mit MiFID 2 sollen bislang kaum regulierte Sektoren des Finanzmarkts an die Kette gelegt werden. Erstes Opfer ist der Hochfrequenzhandel. Der soll zwar nicht verboten werden. Im Falle größerer Marktschwankungen wird er aber einfach abgeschaltet. Zudem gibt es mit MiFID II Mindest-Preisänderungen, die gehandelt werden müssen.

Beim Hochfrequenzhandeln analysieren Computerprogramme Handelstransaktionen im Millisekundenbereich und geben ebenso schnell eigene Orders auf. Bei etlichen Millionen Transaktionen genügen bereits kleinste Wertschwankungen, damit die Systeme Gewinne erzielen. Diese Systeme können aber auch Börsencrashs verstärken, indem sie alle gleichzeitig große Summen auf fallende Kurse setzen.

Ob ein Abschalten der Systeme das Problem löst, darf aber bezweifelt werden. Denn der Hochfrequenzhandel ist auch garant für einen liquiden Markt. Schaltet man einen großen Block Marktteilnehmer ausgerechnet in den Börsenphasen aus, in denen es auf Liquidität ankommt, könnten die Kursbewegungen noch stärker beschleunigt werden, als es mit weiter laufenden Hochfrequenzhandel der Fall wäre. Sinkende Liquidität erhöht zudem in der Regel die Transaktionskosten, was auch private Trader zu spüren bekommen könnten.

Es ist weniger das Handelsverbot im Falle großer Preissprünge, die den Hochfrequenzhandel treffen dürfte. Vielmehr ist es die Definition von Mindest-Preisabständen, die gehandelt werden müssen. Wenn nicht mehr jede kleinste Preisschwankung ausgenutzt werden kann, lohnt sich der Hochfrequenzhandel möglicherweise nicht mehr.

Zudem müssen die Hochfrequenzhändler der Börsenaufsicht ihre Handelsroutinen offenlegen. Diese Algorithmen sind bisher streng gehütetes Firmengeheimnis.

Lebensmittelspekulationen: Die Regulierung wird ins Leere laufen

Weiter geht die EU bei den Lebensmittelspekulationen. Hier soll es Obergrenzen für Handelspositionen geben. Diese sollen verhindern, dass einzelne Marktakteure große Positionen in einzelnen Rohstoffen aufbauen und so die Preise diktieren können. Ob diese Obergrenzen Preisexzesse zu verhindern helfen, darf allerdings bezweifelt werden. Können die Rohstoffe nicht an einer europäischen Börse gekauft werden, bleiben noch genügend Terminbörsen im außereuropäischen Ausland übrig. Diese können zur Not auch über Mittelsmänner zum Aufbau weiterer Positionen genutzt werden.

Den privaten Trader könnten die Positionslimits treffen, wenn Banken das Produktangebot für Privatkunden ausdünnen müssen, weil sie sich nicht mehr gegen Preisschwankungen am Terminmarkt absichern können. Die Realwirtschaft könnte ebenfalls getroffen werden. Wenn Banken nur noch Positionen bis zu einer bestimmten Größe eingehen dürfen, wird derjenige bedient, der den größten Gewinn verspricht. Das könnte die Eigenhandelsabteilung der Bank sein und nicht der Bauer, der sich gegen Preisschwankungen absichern will. So könnte die gut gemeinte Regulierung der EU nach hinten losgehen.

Ob die Positions-Obergrenzen für Lebensmittel überhaupt greifen, bleibt abzuwarten. Denn es wird keine europaweit einheitlichen Grenzen geben. Vielmehr dürfen die nationalen Aufsichtsbehörden die Obergrenzen für ihre Banken festlegen. Insbesondere Großbritannien verteidigt seinen Finanzplatz London mit allen Mitteln. Es ist schwer vorstellbar, dass die Briten einen einschränkenden Rahmen ziehen.

Zudem stellt die EU mit den nationalen Obergrenzen die einzelnen Staaten in den Wettbewerb. Schon heute kann ich mir vorstellen, wie die Banken in Deutschland mit Arbeitsplatzverlust drohen, sollten die Regeln hierzulande strenger ausfallen als im Ausland. So wird die MiFID-Reform zum zahnlosen Tiger.

MiFID beschneidet die Freiheit der Anleger

Bei der Reformierung der „Markets in Financial Instruments Directive“ (MiFID) wird nicht nur Banken treffen, sondern auch Auswirkungen auf den normalen Privatanleger haben. Seine Freiheit wird beschnitten. Sollte die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA zu dem Entschluss kommen, dass ein Finanzprodukt für Privatanleger zu riskant ist, kann es einfach vom Markt genommen werden. Die ohnehin schon überbordenden Dokumentationspflichten der Bankberater werden weiter verschärft.

Schon heute wendet ein Berater rund ein Drittel seiner Zeit für Bürokratie auf. Vor allem kleinere Anleger sind daher mittlerweile von der Finanzberatung abgeschnitten. Es lohnt sich schlicht nicht mehr, Beratung anzubieten. Der Verwaltungsaufwand frisst selbst üppige Provisionen auf. Künftig wird es wohl auch größere Vermögen treffen, wenn der Verwaltungsaufwand weiter wächst.

Außerbörsliche Transaktionen sollen an die Börse gezwungen werden

Den sogenannten OTC-Handel, also den außerbörslichen Handel, will die EU an neu geschaffene Handelsplätze zwingen. Das betrifft vor allem komplexe strukturierte Produkte oder auch Devisengeschäfte. Der Börsenhandel hat für Trader und Anleger Vor- und Nachteile. Einerseits ist der OTC-Handel günstiger, andererseits kann (!) er weniger sicher sein.

Viele Trader suchen sich ganz bewusst den OTC-Handel aus, um Kostenvorteile zu realisieren. Die EU zwingt künftig jeden zu seinem Glück – dem regulierten, teureren Börsenhandel.

Die EU errichtet eine Diktatur der Sicherheit

Unter dem Deckmantel des Anlegerschutzes ist die EU dabei, eine Diktatur der Sicherheit aufzubauen. Statt Wahlfreiheit bekommen Anleger in Zukunft Produkte vorgesetzt, die aus Sicht der Regulierungsbehörde sicher sein sollen. Verkannt wird dabei, dass viele Anleger ganz bewusst Unsicherheit suchen. Denn es ist Unsicherheit, die hohe Renditen ermöglicht.

Hoch riskante Projekte wie Amazon, Tesla Motors oder die Eisenbahn waren in ihren Anfangstagen auf private Investoren angewiesen, die enorme Risiken zu tragen bereit waren. Viele dieser hoch riskanten Investitionen endeten in einer Pleite. Einige dieser Hochrisiko-Investments führten aber zu einer Revolution des Reisens, des Einkaufens, der Medizin, Raumfahrt oder der Art, wie Computer bedient werden. Und sie machten das Risiko suchende Anleger reich. Wären alle innovativen Ideen wegen zu viel Risikos verboten worden, sähe die Welt heute weniger fortschrittlich aus.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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