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Der kurzfristige Einfluss des Volumens auf den Kurs (Tape Reading)

Kennen Sie den Begriff „Tape Reading“? Dies ist ein Fachbegriff aus der „Börsen-Steinzeit“. Was für den Neandertaler der Faustkeil war, war für den Trader um 1900 das Kurstickerband („Tape“) gewesen.

Damals wurden die Kurse per Nachrichtenticker übermittelt. Das Tape enthielt das Aktienkürzel, den Kurs und das Handelsvolumen. Alle getroffenen Handelsentscheidungen basierten auf dem Ticker. Keine Charts oder sonstige technische Hilfsmittel standen in Echtzeit zur Verfügung. Natürlich gab es auch damals schon Charts. Doch sie wurden von Hand gezeichnet, und dienten meist zur Vorbereitung für den nächsten Handelstag.

Alles was zählt ist Angebot und Nachfrage

Tape Reader saßen stundenlang in voller Konzentration vor dem Ticker und versuchten, den zukünftigen Handelsverlauf zu prognostizieren. Ziel war es immer, das Volumen sowie den dahinter stehenden Geldfluss zu interpretieren – also nichts anderes als die Analyse von Angebot und Nachfrage.

Tape Reading erlaubte das Verstehen der Marktbewegungen. Ein Kurs springt ständig zwischen „Bid und Ask“ (Geld- und Briefkurs) hin und her. Es ist ein bisschen wie Tischtennis – die Art und Weise wie der Ball geschlagen wird, und die Kraft, welche durch das Volumen ausgedrückt wird, ergibt ein Gesamtbild. So ermöglicht das Gesamtbild eine Prognose, welcher der Tischtennisspieler der stärkere ist. Tape Reading ist demnach ein Versuch die Quantität von Angebot und Nachfrage zu verstehen.

Starke und schwache Kurswellen

Auch heute geht es in der modernen Technischen Analyse letztlich um Angebot und Nachfrage. Viele Technische Analysten vergessen das immer wieder. Deshalb wird es immer wieder Analysten geben, die besessen und verspielt mit Indikatoren arbeiten. Sie merken nicht mehr, dass die Grundlage nur Kurs und Volumen ist.

Das Wesen der Volumen-Analyse ist die Betonung des Volumens, um Kurswellen oder einen Trend als stark oder schwach einzustufen. Der Preis wird bekanntlich über Angebot und Nachfrage geregelt. Demnach ist die Volumen-Analyse ist nichts anderes, als der Versuch Angebot und Nachfrage zu prognostizieren. Nachfolgend sehen Sie die vier wichtigsten Kurs-Volumen-Situationen des Tape Readings

Grafik: Kurs-Fortsetzung im Tape Reading

Bild1: Ein großer Kursbalken unter hohem Volumen tendiert zur Fortsetzung der Kursrichtung. Kurzfristig wirkt das Muster allerdings kursstoppend.

Grafik: Kurs-Umkehr im Tape Reading

Bild2: Ein hohes Kursvolumen kombiniert mit einem kleinen Kursbalken erzeugt oft eine Kursumkehr

Bild3: Ein großer Kursbalken unter geringen Volumen ist tendenziell kurfortsetzend.

Bild4: Ein kleiner Kursbalken unter geringen Volumen neigt zur Zufälligkeit. Innerhalb einer Kurswelle kommt es oft zu Umkehr der Kursrichtung.

Ohne Fleiß kein Preis

Die hier vorgestellten Muster können niemals den Anspruch auf Vollständigkeit besitzen. Theoretisch gibt es unendlich viele Variationen. Und es soll auch nicht der Eindruck entstehen, dass das Tape-Reading die ultimative Technik ist, mit der jedermann erfolgreich sein kann.

Es erfordert jede Menge Training, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Vielleicht entsteht aber gerade aus dem großen Zeitaufwand ein Wettbewerbsvorteil. Denn die meisten Börsianer wollen schnellen Erfolg ohne viel Arbeit. So gesehen, verstehen die Tape Reader den Markt sehr viel besser als andere, denn sie scheuen keinen Arbeitsaufwand, um besser zu sein als die Masse.

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