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Basiswissen Charttechnik: Trendbruch  

In meinen letzten Artikeln wurden die Trendrichtungen Aufwärts,  Abwärts  und Seitwärts  beschrieben.

Jetzt erhebt sich natürlich die Frage: Wann ist ein Trend gebrochen und wie ist dann weiter vorzugehen? Klare Antwort: Das kommt darauf an… Dazu ein Beispiel:

201608_trendbruch_dax1_Teil8a

Sie sehen den Dax-Verlauf von Mitte Juli bis Ende November 2006. Wie Sie im Chart erkennen, weist der Dax in diesem Zeitraum einen beachtlichen Aufwärtstrend (schwarze Linie) auf. Immerhin stieg der deutsche Leitindex in dieser Phase innerhalb von 5 Monaten von 5.450 auf 6.475 Punkte.

Das sind immerhin 18,8 Prozent. Und dies aufs Jahr gerechnet entspricht einer durchschnittlichen Rendite von über 50 (!) Prozent.

Im November wurde dieser Aufwärtstrend dann nach unten durchbrochen. Ich kann mich gut erinnern: Zu diesem Zeitpunkt kursierten tatsächlich in den verschiedensten Internet-Medien noch verschiedenere Meinungen über den weiteren Dax-Kursverlauf.

Starre  Chartanalysten sahen einen Trendbruch und berechneten mit Hilfe irreführender Parallelen und zahlreicher „Hilfslinien“ die wahrscheinliche Zielzone des Dax-Kurses. Weitere Börsianer betrachteten die Korrektur-Bewegung von gerade einmal 5% als Crash und prognostizierten einen Weltuntergang – zumindest für den Dax…

Die Charttechnik bewahrt sie vor Verlusten

Verfallen Sie also nicht in den Irrglauben, dass die Charttechnik tatsächlich eine exakte Technik mit starren Regeln ist. Die Chartanalyse ist ein äußerst  sinnvolles und wichtiges Werkzeug, das Ihnen Trends und mögliche Trendbrüche (nach oben wie nach unten) anzeigt. Mit dieser Analyse-Form werden Sie also nie zu Tiefstkursen einsteigen können und auch nie auf einem Hochpunkt verkaufen. Zumindest fast nie.

Andererseits werden Sie mit Hilfe der Charttechnik aber auch höchst selten gravierende Verluste hinnehmen müssen – ein weiterer und der für mich entscheidende Vorteil.

Zurück zum Dax-Beispiel: Das Unterbieten der Aufwärtstrendlinie im obigen Chart bot dem erfahrenen Charttechniker einzig und alleine ein Signal, das es zu beachten gilt:

Der Trend ist in Gefahr!  „In Gefahr“ bedeutet aber nicht, dass ein Trend damit zwingend zu Ende sei, wie der weitere Dax-Verlauf zeigt:

201608_trendbruchdax_Teil8b

Der vermeintliche „Crash“ im November hielt nur eine Woche (rote Ellipse), bevor der Dax seine kräft ige Aufwärtsbewegung wieder aufnahm. Seither bewegte sich der Dax in der Nähe der schwarzen Trendlinie, ohne sich beängstigend weit von ihr zu entfernen.

Dazu hat sich ab Dezember eine weitere Aufwärtstrendlinie etabliert. Und spätestens jetzt werden Sie erkennen, dass es bei der Anwendung der Charttechnik immer auf den Betrachter ankommt.

Drei Investoren – drei Standpunkte

Für den Investor, der bereits im Sommer 2006 eingestiegen ist, hat die schwarze Linie sicherlich eine wichtigere Bedeutung als die grüne. Derjenige, der erst Ende 2006 eingestiegen ist, wird der grünen Linie mehr Beachtung schenken.

Und der Börsianer, der damals noch gar nicht im Dax engagiert war, wird wiederum andere charttechnische Gegebenheiten ins Kalkül ziehen, zum Beispiel Unterstützungen und Widerstände (mehr hierzu in der nächsten Lektion).

Und noch ein vermeintlicher Trendbruch

Wie ging es damals weiter mit dem Dax? Betrachten Sie hierzu bitte folgenden Chart:

201608_trendbruchdax_Teil8c

Sie erkennen im Wesentlichen drei Besonderheiten:

  1. Der Dax startete eine weitere Korrektur (grün eingekreist)
  2. Kurz danach folgte ein weiterer (wenn auch nicht so klarer) Aufwärtstrend (lila Linie)
  3. Der deutsche Aktienindex konnte das einmal erreichte Hoch nicht wieder überbieten und inszenierte eine so genannte Top-Building-Phase (roter Bogen)

Diese Phase war schlussendlich ein Vorzeichen für die Immobilien-, Banken- und Finanzenkrisen-Bewegung. Kurze Zeit später versuchte der Dax erneut diese Hochpunkte zu erreichen, scheiterte aber jedes Mal und stürzte schlussendlich bis auf 3.666 Punkte ab. Hier sehen Sie das Bild des Grauens im rechten Chartteil:

201608_trendbruchDax_Teil8d

Mehr zu Trendbrüchen lesen Sie morgen, wenn es um Unterstützung und Widerstand gehen wird.

 

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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