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Basiswissen Charttechnik: Der Seitwärtstrend

In den letzten Ausgaben wurden die beiden Trendrichtungen Aufwärts  und Abwärts  dargestellt und deren Kennzeichnung erörtert. Sind wir damit schon fertig mit der Trendanalyse? Mitnichten!

Genauso bedeutend, wenn nicht sogar noch wichtiger ist das Erkennen von Seitwärtstrends.

Bullish, bearish und…?

Wenn es unter Börsianern um Trends oder eine Trend-Erwartung geht, dann gibt es zwei wichtige Fachausdrücke:

Bullish: steigende Kurse, bzw. die Erwartung steigender Kurse

Bearish: fallende Kurse, bzw. die Erwartung fallender Kurse

Bulle und Bär sind also Symbole für steigende oder fallende Kurse. Für Seitwärtstrends, oder die Erwartung seitwärts verlaufender Kurse, gibt es noch keine „tierische“ Bezeichnung. Ich selbst habe einmal den Vergleich mit einer „Viper“ angestellt.

Denn die Viper ist ein Tier, das sich seitwärts durch den Wüstensand schlängelt. Doch die Firleysche Börsenviper hat sich bislang in der Fachliteratur nicht durchgesetzt… Betrachten wir ein Beispiel für einen Seitwärtstrend am Beispiel des deutschen Leitbarometers.

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Sie sehen hier einen Chartausschnitt im Zeitraum Mai 2003 bis Ende 2005. Wie Sie erkennen, war die Phase von Ende Oktober 2003 bis Ende Mai 2005 geprägt von 2 Seitwärtsphasen (und einem Aufwärtstrend).

Konkret: In der ersten  Phase (schwarzes Rechteck) bewegte sich der Dax-Kurs von Oktober 2003 bis November 2004 zwischen 3.640 und 4.150 Punkten. Das ist eine Range von 510 Punkten. Besser ausgedrückt:

Vom Tief (3.640) aus gesehen konnte der Investor (in Dax-Zertifikaten) bis zur Spitze (4.150) höchstens 14 Prozent Gewinn realisieren. Vice versa:

Vom Hoch aus gesehen waren für den Dax-Bären höchstens 12,30 Prozent drin (prozentuale Veränderung von 4.150 auf 3.640 Punkte).

Bitte bedenken Sie: 14 Prozent Gewinn für die Bullen sowie 12,30 Prozent Gewinn für die Bären wären nur dann möglich gewesen, wenn die jeweiligen Tief- und Hochpunkte genau getroffen worden wären. Mittelfristige Anleger wären in dieser Phase also sicherlich nicht glücklich geworden.

In der zweiten Phase (rotes Rechteck) pendelte der Dax von Mitte November 2004 bis Ende November 2005 sogar nur zwischen 4.130 und 4.428 Punkten. Das ist eine Range von gerade einmal 298 Zählern. Der Dax stieg also in der Spitze 7,22 Prozent von der unteren zur oberen Begrenzung.

Des einen Leid, des anderen Freud

In der dargestellten Seitwärtsphase wird also weder der mittelfristige Bär, noch der Bulle glücklich. Kurzfristig eingestellte Trader dagegen können auch in Seitwärtsphasen Gewinne erzielen. Im folgenden Chart wurde das schwarze Rechteck aus dem oberen Chart „herangezoomt“.

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Sie sehen ganz links eine Rally (grüner Aufwärtstrend), die den Dax bis auf 4.150 Punkte brachte. An dieser Marke scheiterte der Dax dann gleich mehrere Male. Mit diesem klaren Widerstand und dem letzten Tief konnte das rot gestrichelte Viereck eingezeichnet werden.

Danach inszenierte der Dax eine Abwärtsbewegung. Spätestens beim folgenden Überschreiten der schwarz gestrichelten Mittelpunktslinie (schwarz eingekreist) bei 3.895 Zählern wurde es für den Trader interessant.

Je nach Risikoneigung konnten mit diesem Signal dann bis zu 140 Punkte „mitgenommen“ werden. Für einen CFD-Trader sind 140 Punkte Welten… und natürlich ein hübscher Gewinn.

Wie Sie im weiteren Kurs-Verlauf sehen, musste der kurzfristige Trader zwar auch kleinere Fehlsignale hinnehmen, wenn er das Durchbrechen der Mittelpunktslinie als Signalgeber nutzte. Unter dem Strich jedoch war diese Phase recht lukrativ für konsequente Trader.

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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