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Strategie: Auf Kapitalrückzahlungen setzen

Bei der Kapitalrückzahlung handelt es sich nicht um eine Gewinnbeteiligung. Vielmehr bekommen Anleger bei dieser Maßnahme einen Teil der Reserven des Unternehmens ausgezahlt.

Der Vorstand braucht das Geld nicht für das operative Geschäft

Dies geschieht, wenn das Management der Meinung ist, dass es das Geld nicht mehr für das operative Geschäft brauchen wird. Im Gegensatz zur Sonderdividende und normalen Ausschüttung macht die Kapitalrückzahlung meist einen großen Teil der Reserven des Unternehmens aus. Auch hier können Sie verdienen.

Kursanstieg durch Sonderzahlung

Beispiel SinnerSchrader: Obwohl der Internetdienstleister Verluste schrieb, gab es für 2003 eine hohe Sonderausschüttung von 1,90 € je Aktie. Das waren immerhin 90% des damaligen Börsenkurses je Aktie. Das Hamburger Technologieunternehmen saß auf hohen Kapitalrücklagen von 23,8 Millionen € – rund 2,18 € je Aktie.

Bei einem bescheidenen Geschäftsverlauf des Unternehmens waren Vorstand und Aufsichtsrat der Meinung, dass so hohe Rücklagen nicht notwendig sind. Kaum wurde die Meldung über die hohe Sonderausschüttung veröffentlicht, explodierte der Aktienkurs:

Er stieg von 2 € um 40% auf etwa 2,8 € – an einem einzigen Tag! In den nächsten sechs Wochen ging es weiter hoch. In der Spitze bis 3,65 € je Aktie – ein Kursanstieg von fast 100%.

Sie sehen: Auch an der Börse gilt der Spruch „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“. Denn den Anlegern ist eine hohe Sonderzahlung oft lieber als mögliche, aber unsichere und riskante Geschäfte.

Steigen Sie bei Sonderzahlungen oder Kapitalrückzahlungen ein, aber werden Sie nicht gierig

Achten Sie auf Ankündigungen von hohen Sonderzahlungen oder Kapitalrückzahlungen. Wenn Sie am Tag der Ankündigung einsteigen, ist zwar der Kurs meist schon deutlich geklettert, meist geht es aber in den Folgetagen weiter nach oben.

Aber Vorsicht: Nicht gierig werden. Kalkulieren Sie sicherheitshalber je nach Ausmaß der Zahlung nur mit einem weiteren Kursplus von 10 bis 15% und steigen Sie nach Erreichen dieser Marke lieber aus.

Ausschüttungen in mehrfacher Hinsicht gut für Anleger

Anlegern und Aktionären eines Unternehmens geht es bei den Dividendenzahlungen und sonstigen Ausschüttungen aber nicht nur um eine schöne, planbare Rendite. Die Zahlung hat weitere Vorteile.

Viel Geld auf dem Konto des Unternehmens bedeutet gleichzeitig eine niedrige Eigenkapitalrendite. Denn lassen Firmen viel Cash auf dem Konto liegen, bekommen sie bei den derzeitigen Zinsen am Kapitalmarkt 2 oder 3% Zinsen im Jahr. Das Management sollte das Geld aber gewinnbringender anlegen.

Es sollte im eigenen operativen Geschäft arbeiten, zum Beispiel über Expansion, neue Investitionen oder Entwicklung von Produkten. Dort werfen die Mittel bei profitablen Unternehmen oft 20, 30% und mehr im Jahr ab.

Bei Firmen mit zu viel Geld auf dem Konto neigt das Management oft zu Verschwendung. Ein klassisches Beispiel dafür ist der US-Mischkonzern Tyco International mit Sitz in Pembroke, Bermuda. Der ehemalige Firmenchef Dennis Kozlowski führte dort jahrelang ein Regiment wie ein absoluter Monarch.

Eine seiner Schwächen war die Verschwendungssucht für sich und seine Getreuen. Er ließ es sich gut gehen und plünderte immer wieder die prall gefüllte Kasse für seine Vorlieben. Beispielsweise kaufte er einen Duschvorhang für 6.000 $ und rechnete das gute Stück auf Firmenkosten ab. Auch für eine Geburtstagsparty seiner Frau auf Sardinien musste Tyco löhnen und 2 Millionen $ hinlegen.

Für die Aktionäre hatte Kozlowski dagegen nicht viel übrig: Trotz schöner Gewinne lag die Ausschüttungsquote meist nur im Bereich von 10%. Jahrelang gab es für die Aktie nur eine Dividende im Jahr von 5 US-Cent. Die Dividendenrendite lag damit bei Aktienkursen oft von 40 bis 60$ nicht einmal annähernd bei 1%.

DSW fordert Ausschüttungsquote von mindestens 50%

Gut, der Tyco-CEO (Chief Executive Officer) ist weg und muss sich für seine Habgier vor Gericht verantworten. Aber auch das Geld der Anleger ist weg. Kein Wunder also, dass die Börse hohe Ausschüttungen oder Kapitalrückzahlungen mit steigenden Kursen honoriert.

Kein Wunder, dass Aktionärsschützer, etwa die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW, generell eine hohe Ausschüttungsquote bei Aktiengesellschaften von mindestens 50% fordern.

Schauen Sie sich Aktionärsstruktur und Manager an

Sehen Sie sich einmal die Aktionärsstruktur der einzelnen Firmen an. Gibt es viele Kleinaktionäre, dann unterliegt das Management des Unternehmens meist einer weniger starken Kontrolle. Gibt es dagegen einen oder mehrere Großaktionäre, wird das Management stärker kontrolliert. Obendrein besitzt ein Großaktionär meist Zugang zu Informationen, die Kleinaktionäre nicht haben.

Wichtig sind auch die Verträge der Manager. Orientiert sich die Höhe der Vergütung an der Unternehmensgröße, dann hat der Vorstand unter Umständen Interesse an Investitionen und Übernahmen, die von vornherein ein Verlustgeschäft sind.

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Über den Autor Investor Verlag

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