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Charttechnik: Der Seitwärtstrend

Neben den beiden Trendrichtungen Aufwärts und Abwärts existiert der Seitwärtstrend. Der Seitwärtstrend ist eine spezielle Form von Trend. Er ist besonders auf kurzfristigen Zeitebenen oft anzutreffen. In einem Seitwärtstrend – auch Schiebezone oder Trading-Range genannt – fluktuieren die Kurse stetig zwischen zwei konstanten Kursniveaus.

Unter den Börsianern gibt es zwei wichtige Fachausdrücke um Trends oder Trend-Erwartungen zu beschreiben:

  • Bullish: steigende Kurse bzw. die Erwartung steigender Kurse
  • Bearish: fallende Kurse bzw. die Erwartung fallender Kurse

Bullish, bearish und?

Bulle und Bär sind Symbole für steigende oder fallende Kurse. Für Seitwärtstrends oder die Erwartung seitwärts verlaufender Kurse, gibt es keine tierische Bezeichnung. Ich selbst habe den Vergleich mit einer Viper angestellt. Die Viper ist ein Tier, das sich seitwärts durch den Wüstensand schlängelt. Die Firleysche Börsenviper setzte sich in der Fachliteratur nicht durch.

Seitwärtstrend: ein Beispiel

Die Xetra-DAX-Entwicklung im Jahr 2004

Seitwärtstrend im Chart des Xetra-DAX vom Jahre 2004

Der Chart zeigt das Beispiel einer Trading-Range. Die Kurse pendelten innerhalb einem unteren und einem oberen Begrenzungsbereich. In diesem Fall lagen diese beide Marken bei etwa 3.700 bzw. und 4.150 Indexpunkten. Angebot und Nachfrage gleichen sich in dieser Situation aus, und es kommt zu einer Patt-Stellung.

Der Seitwärtstrend ist eine Schiebezone

Die Schiebezone ist so lange gültig, bis die Kurse sie längerfristig verlassen konnten. Wird der Seitwärtstrend überschritten, ist das als charttechnisches Kaufsignal zu werten; wird der Seitwärtstrend unterschritten, handelt es sich um ein Verkaufsignal.

In einem Seitwärtstrend hat sich der Händler anders als in einem normalen Trend zu verhalten. In einem Auf- bzw. Abwärtstrend sollte der gewiefte Trader nur Positionen in die Trendrichtung handeln. Innerhalb einer Trading-Range sind jedoch antizyklische Positionierungen im Markt zu bevorzugen. Nur so können Sie vom Auf und Ab der Märkte profitieren.

Tages-Chart DAX

Seitwärtstrends im Chart des DAX vom Mai 2003 bis Dezember 2005

Betrachten wir ein weiteres Beispiel für einen Seitwärtstrend am Beispiel des deutschen Leitbarometers. Sie sehen einen Chartausschnitt im Zeitraum Mai 2003 bis Ende 2005. Die Phase von Ende Oktober 2003 bis Ende Mai 2005 war geprägt von zwei Seitwärtsphasen und einem Aufwärtstrend.

In der ersten Phase (schwarzes Rechteck) bewegte sich der Dax-Kurs von Oktober 2003 bis November bis 2004 zwischen 3.640 und 4.150 Punkten. Das ist eine Range von 510 Punkten. Vom Tief (3.640) aus gesehen konnte der Investor bis zur Spitze (4.150) 14 Prozent Gewinn realisieren. Vice versa: Vom Hoch aus gesehen waren für den Dax-Bären 12,30 Prozent drin (prozentuale Veränderung von 4.150 auf 3.640 Punkte).

14 Prozent für die Bullen und 12,30 Prozent Gewinn für die Bären wären möglich gewesen, wenn die jeweiligen Tief- und Hochpunkte genau getroffen worden wären. Mittelfristige Anleger wären in dieser Phase nicht glücklich geworden.

In der zweiten Phase (rotes Rechteck) pendelte der Dax von Mitte November 2004 bis Ende November 2005 zwischen 4.130 und 4.428 Punkten. Das ist eine Range von 298 Zählern. Der Dax stieg in der Spitze um 7,22 Prozent von der unteren zur oberen Begrenzung

Des einen Leid, des anderen Freud

In der dargestellten Seitwärtsphase wird weder der mittelfristige Bär, noch der Bulle glücklich. Kurzfristig eingestellte Trader können in Seitwärtsphasen Gewinne erzielen. Im folgenden Chart wurde das schwarze Rechteck aus dem oberen Chart „herangezoomt“.

Chart Dax – Gewinn im Seitwärtstrend

Genauere Analyse des Seitwärtstrends im Chart des DAX vom Mai 2003 bis Dezember 2005

Sie sehen links eine Rally (grüner Aufwärtstrend), die den Dax bis auf 4.150 Punkte brachte. An dieser Marke scheiterte der Dax mehrere Male. Mit diesem klaren Widerstand und dem letzten Tief konnte das rot gestrichelte Viereck eingezeichnet werden.

Danach inszenierte der Dax eine Abwärtsbewegung. Spätestens beim folgenden Überschreiten der schwarz gestrichelten Mittelpunktslinie (schwarz eingekreist) bei 3.895 Zählern wurde es für den Trader interessant.

Seitwärtstrend ist für konsequente Aktionäre ertragsreich

Je nach Risikoneigung konnten mit diesem Signal bis zu 140 Punkte „mitgenommen“ werden. Für einen CFD-Trader sind 140 Punkte Welten und ein hübscher Gewinn. Wie Sie im weiteren Kurs-Verlauf sehen, musste der kurzfristige Trader kleinere Fehlsignale hinnehmen, wenn er das Durchbrechen der Mittelpunktslinie als Signalgeber nutzte. Unterm Strich war diese Phase lukrativ für konsequente Trader.

Auflösung zur Aufgabe „Zeichnen Sie einen Abwärtstrend“ aus der Lektion Abwärtstrends.

Im folgenden Chart sehen Sie den Abwärtstrend der Nokia-Aktie, der sich in der Endphase beschleunigt hat.

Lösung zur Übungsaufgabe: Abwärtstrend einzeichnen!

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Über den Autor
Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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