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Gewinn je Aktie: Das sollten Anleger bei der Kennzahl beachten

Welche Aktie soll ich kaufen? Fragen wie diese lassen sich natürlich nicht pauschal beantworten. Ein Ansatz wäre die Value-Strategie: schauen, wo es Kurspotenzial gibt, günstig einsteigen und vom Kurszuwachs profitieren.

Die Rechnung dürfte aufgehen, wenn ein solides, aussichtsreiches Unternehmen an der Börse eindeutig unterbewertet ist. Einen ersten Anhaltspunkt gibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – je niedriger, desto besser.

Gewinn je Aktie – Formel für Werthaltigkeit

Weil aber beim KGV der Kurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie gestellt wird, hängt die Kennzahl entscheidend von Letzterem ab. Somit ist der Gewinn je Aktie die Formel für den ersten Schritt zum Erfolg. Diese Kennzahl wird allgemein als EPS abgekürzt, was für „earnings per share“ steht, zu Deutsch: der Profit pro Aktie. Sie zeigt also an, wie hoch der Anteil ist, der vom Jahresgewinn eines Unternehmens auf die einzelne Aktie entfällt.

Es geht daher um die Ertragskraft in Relation zur Aktienanzahl des Unternehmens. Um beim Gewinn je Aktie die Formel inhaltlich nachzuvollziehen, kommt es zunächst darauf an, was eigentlich mit Gewinn gemeint ist. Immerhin wird die Ertragskraft in verschiedenen Bilanzkennzahlen ausgedrückt. So weisen das Ebit oder das Ebitda den operativen Gewinn aus. Doch der soll die geschäftliche Profitabilität darstellen und klammert etliches aus, was nicht zum unmittelbaren Geschäft gehört.

Folglich zählt für den EPS der Jahresüberschuss; hier sind alle Ausgaben vom Umsatz abgezogen. Bei einer doppelten Bilanzierung nach IFRS oder US-GAAP einerseits und dem HGB andererseits sollte man sich bei der deutschen Version am sog. DVFA/SG Ergebnis orientieren.

Grund: Es ist um Sondereinflüsse bereinigt, mit denen Gewinne gerne schöngerechnet werden. Zugleich soll es manipulationsanfällige Lücken zwischen den deutschen und internationalen Rechnungslegungen verkleinern und letztlich den „echten Gewinn“ darstellen.

Relevant ist der Durchschnitt mehrerer Jahre

Doch schon kommt die nächste Überlegung: Der ausgewiesene Gewinn spiegelt nur den Sachstand des jeweiligen Vorjahres. Bzgl. des weiteren Verlaufs kann man sich zwar an den letzten Quartalszahlen orientieren, alle früheren Werte sind aber notgedrungen Spekulation. Was bleibt, sind Rückschlüsse aus der Vergangenheit. Dafür aber gibt der Überschuss eines Jahres nicht genügend her.

Um „Eintagsfliegen“ zu vermeiden, empfiehlt sich ein Blick auf die Werte der letzten fünf bis zehn Jahre. Ideal ist, wenn die Gewinne nicht volatil, sondern kontinuierlich steigen. Hat man den Durchschnittswert errechnet, müssen davon dann noch eventuelle Dividenden abgezogen werden. Die Ausschüttungen gehen schließlich vom Gewinn ab.

Danach erst kann man den Gewinn je Aktie als Formel berechnen: Nettoertrag / Anzahl der Aktien

Aktienanzahl beim Verwässerungseffekt

Die Anzahl der Aktien muss natürlich ebenfalls ein Durchschnittswert aller ausgegebenen Papiere sein, und zwar über denselben Zeithorizont, der auch beim Gewinn angesetzt wurde. Aber auch bei der Aktienanzahl heißt es aufpassen – sie kann mitunter täuschen.

Gemeint ist damit der Verwässerungseffekt. Aktienoptionen, Kapitalerhöhungen oder Wandelanleihen, bei denen Anleihen in Aktien umgewandelt werden, können die Anzahl plötzlich erhöhen. Im Ergebnis zeigt sich dann über den EPS eine Bewertung, die nicht mehr stimmt. Das Papier erscheint höher bewertet.

Insgesamt erlaubt der EPS, der Gewinn je Aktie, zwar einen schnellen Vergleich was den Anlegerprofit angeht. Doch die Tücken stecken im Detail, weshalb die Kennzahl lediglich als Anhaltspunkt zu verstehen ist. Allein schon die Frage, inwieweit der Gewinn einen echten Wert darstellt, ist alles andere als trivial. Bekannte Value-Investoren wie Warren Buffet beschäftigen ganze Stäbe mit dem Thema.

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