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So lesen Sie Ertragskennzahlen von Unternehmen richtig

Wenn es um den Erfolg von Aktienunternehmen geht, sind viele Anleger mitunter verwirrt. Anlass sind oft unterschiedliche Angaben in den diversen Veröffentlichungen der Bilanzzahlen. Denn Gewinn ist nicht gleich Gewinn.

Ebit und Ebitda: Per Definition Rohertragsstufen zum Überschuss

Zunächst ist zwischen Jahresüberschuss und operativem Ergebnis zu unterscheiden, bei dem etliches ausgeklammert wird, was nicht zum unmittelbaren Geschäft gehört. Doch auch beim aussagekräftigeren operativen Geschäftsergebnis muss man genau hinschauen. Mal ist vom Ebit, mal vom Ebitda die Rede – die Zahlen stammen aus der Bilanz, passen aber nicht zueinander. Woran soll man sich nun orientieren?

Ebit und Ebitda sind per Definition Ertragskennzahlen. Dabei weist das Ebit niedrigere Werte aus. Grundsätzlich ergibt sich die Kennzahl, wenn vom Umsatz die Ausgaben abgezogen werden. Beim Jahresüberschuss sind es alle Ausgaben, bei den beiden operativen Kennzahlen werden sie in unterschiedlichen Ausprägungen berücksichtigt. Im Prinzip zeigt bei Ebit und Ebitda die Definition des Wortlauts, worum es geht.

Mal Zinsen und Steuern, mal Abschreibungen inklusive

Das erste Kürzel Ebit steht für „earnings before interest and taxes“ und zeigt den „Gewinn vor Zinsen und Ertragssteuern“. Hier werden beim Abzug der Kosten vom Umsatz Kreditzinsen, Steuerbelastungen und außerordentliche Zu- bzw. Abflüsse herausgerechnet. Sie bleiben also enthalten.

Ebitda steht für „earnings before interests, taxes, depreciation and amortisation”. Hier sind nicht nur, wie beim Ebit, die Zinsen und Steuern enthalten. Hinzu kommen Abschreibungen auf Unternehmenswerte. Die umfassen sowohl greifbare, materielle als auch immaterielle Wirtschaftsgüter.

Materielle Vermögenswerte reichen vom Bürostuhl über Maschinen bis zu Gebäuden. Typische immaterielle Werte sind Lizenzen, Marken- oder Patentrechte. Sie beziehen sich auf den Punkt der Amortisation, die Ausgaben müssen wieder eingespielt werden.

Bedeutender aber sind materielle Anschaffungen. Sie werden abgeschrieben, weil sie sich abnutzen. Aufgrund des fortlaufenden Wertverlusts müssen sie irgendwann wieder ersetzt werden. Deshalb lassen sich die Ausgaben für sie, meist über Jahre verteilt, abziehen, was die Steuerbelastung reduziert.

Profitabilität vergleichen

Was aber sagen uns bei Ebit und Ebitda die Definitionen und Beschreibungen über die Profitabilität eines Unternehmens? Zunächst zeigt sich, dass beim Ebitda mehr und beim Ebit weniger Ausgabeposten vom Umsatz abgehen. Das Ergebnis verringert sich entsprechend. Das Ebitda ist also die erste Rohgröße, das Ebit die zweite, und zieht man alle Ausgaben ab, landet man am Ende beim Jahresüberschuss.

Der allerdings gibt wenig Rückschluss auf die Qualität des Ergebnisses. Die Rohgrößen indes verdeutlichen, wie profitabel es zustande kommt und erlauben einen Vergleich mit anderen Unternehmen. Die enthaltenen Abschreibungen beim Ebitda sind aber innerhalb der jeweiligen Branche zu bewerten. Pharmaunternehmen, Autohersteller oder Handelsunternehmen haben völlig unterschiedliche Ausgaben- und Investitionsprofile.

Das Ebit wiederum ermöglicht es, die Ertragskraft zu vergleichen, wenn Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalstruktur abweichenden Steuersystemen unterliegen. Die Firmen betonen in ihren Pressemeldungen meist das Ebit, entsprechend häufiger wird es in den Medien genannt.

Begriffskreationen verwässern Aussagekraft

Doch gleich ob Ebit oder Ebitda, man muss als Leser schon genauer hinsehen. Zunehmend tauchen Begriffsabwandlungen auf, die eine Aussagekraft und Vergleichbarkeit erheblich verwässern. Was soll etwa ein „normalisiertes Ergebnis“, von dem die Lufthansa spricht? Im Jahresbericht erscheint es unter „adjusted Ebit“. Andere Unternehmen weisen ein „bereinigtes Ebit“ aus oder sprechen von einem „nachhaltigen Ergebnis“.

Bei diesen Kreationen geht es den Unternehmen darum, irgendwelche Sondereffekte herauszunehmen, die das Ergebnis optisch stören. Doch Ausnahmesituationen gibt es immer und überall. Dennoch ist es zulässig, sich auf diese Art operativ besser zu präsentieren als die Konkurrenz. Denn es gibt keine Regeln, die solch eigenwillige Detaildefinitionen verbieten.

Als Anleger sollte man deshalb immer zugleich auf den Cash Flow achten. Er ist die einzige Kennzahl, die gnadenlos zeigt, was beim Rein und Raus der Zahlungsströme unterm Strich übrig bleibt.

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