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Dividendenrendite: Umstrittene Bewertungskennzahl bei der Aktienanalyse

Es ist umstritten, ob man die Dividendenrendite als Bewertungskennzahl bezeichnen kann. Unabhängig davon geschenkt man der Relation viel Beachtung. Man ermittelt sie, in dem man die erwartete Dividende durch den aktuellen Aktienkurs geteilt. Durch die Multiplikation mit 100 erhält man eine Prozentzahl.

Deutlicher als bei anderen Kennzahlen ist ersichtlich, warum man auf den erwarteten Wert zurückgreifen soll. Im Zweifel ist die Dividende des letzten Geschäftsjahres geflossen. Ein potenzieller Investor käme nicht mehr in den Genuss der Ausschüttung. Bei der Analyse der Historie greift man auf den jeweiligen Jahresschlusskurs zurück.

Eine Besonderheit besteht in der Dividende durch den Zeitversatz von einigen Monaten. Die Dividende des Jahres 0, der Anteil des Gewinns des Jahres 0, der ausgeschüttet wird, fließt erst einige Monate nach Ende des Geschäftsjahres. Wir befinden uns im Jahr 1. Die Jahresangaben zu den Dividenden beziehen sich auf das Geschäftsjahr, in dem der zur Ausschüttung vorgesehene Gewinn erwirtschaftet wurde. Nicht auf das Jahr, in dem die reale Ausschüttung erfolgt.

Dividendenrendite vom Unternehmen steuerbar

Die Interpretation der Kennzahl ist nicht leicht. Theoretisch ist eine höhere Dividendenrendite einer niedrigeren vorzuziehen. Problematisch ist an dieser Sichtweise, dass die Unternehmen über die Höhe der Dividende bestimmen und die Dividendenrendite beeinflussen können.

Stellen Sie sich zwei Unternehmen vor, deren Zahlen einschließlich Aktienkurs identisch sind. Einzig die Ausschüttungsquote differiert. Damit ist die Dividendenrendite des Unternehmens mit der größeren Ausschüttungsquote höher. Da die Unternehmen identisch sind, ist der Schluss, dass das Unternehmen mit der höheren Dividendenrendite besser sei, nicht zu halten.

Blicken wir auf die Ausführungen zum Dividendendiskontierungsmodell. Man erkennt, dass die höhere Dividendenrendite als nachteilig interpretiert werden kann, da der ausgeschüttete Gewinn nicht zur Renditeerzielung im operativen Geschäft eingesetzt werden kann.

Dividendenrendite als Bewertungskennzahl: große Branchenunterschiede

Dies hängt von der Rentabilität des Unternehmens ab. Aus diesem Grund erkennt man in der Praxis große Unterschiede bei der Dividendenrendite. Unternehmen mit geringeren Wachstumsraten verfügen über höhere Ausschüttungsquoten und tendenziell über höhere Dividendenrenditen. Das Wort „tendenziell“ muss man explizit betonen. Man beurteilt nicht anhand der Dividendenrendite die Wachstumsperspektiven eines Unternehmens, da das Management über die Höhe der Ausschüttung entscheidet.

Signalling Effekt – Dividenden als Ausdruck der Stärke

Befürworter der Kennzahl geben an, dass hohe und stetige Dividendenrenditen die Ertragskraft eines Unternehmens belegen. Dem halten Kritiker entgegen. Dies kommt erstens ausschließlich in der Dividende, ohne Relation zum Kurs, zum Ausdruck. Zweitens nur eingeschränkt, weil die Dividende von den Unternehmen festgelegt wird.

Eine steigende Dividende ist trotz rückläufiger Gewinne über eine Erhöhung der Ausschüttungsquote denkbar. Gleichwohl sind kontinuierliche Dividenden oder Dividendensteigerungen bei konstanter Ausschüttungsquote in beiden Lagern gern gesehen. Von Änderung der Dividendenpolitik gehen starke Wirkungen auf den Aktienkurs aus. Man spricht vom Signalling Effekt. Erhöht ein Unternehmen seine Dividende, wird dies als Zuversicht der Unternehmensleitung in Bezug auf die zukünftige Geschäftsentwicklung interpretiert. Firmenlenker sind sich dem Wunsch der Investoren nach Kontinuität bewusst. Eine Erhöhung werden sie veranlassen, wenn sie sich sicher sind, diese im nächsten Jahr nicht zurücknehmen zu müssen.

So erklärt sich der Signalling Effekt in die andere Richtung. Wenn ein Unternehmen zur Dividendenkürzung greift, sagt das viel über die derzeitige Unternehmensverfassung aus. Noch größer zeigen sich Signalling Effekte bei erstmaliger Aufnahme einer Dividendenzahlung bzw. bei vollständiger Streichung.

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