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Wege beim Unternehmensverkauf: Share Deal oder Asset Deal?

Es hört sich einfacher an, als es ist: Ein Geschäftsmann möchte sich nach langen Jahren zurückziehen und findet recht schnell Interessenten für sein Unternehmen. Dieses muss jetzt nur noch verkauft werden. Doch dann kommen Fragen zu Details. Ist es ratsam, das ganze Geschäft zu verkaufen oder sollte man sich auf bestimmte Teile beschränken? Vieles hängt auch vom Interesse des Käufers ab.

Grundsätzlich kann man sich zwischen zwei Arten der Verkaufsgestaltung entscheiden: Share Deal vs. Asset Deal. Die englischen Begriffe, die sich eingebürgert haben, stehen für Geschäftsanteile (share) und Vermögenswerte (asset).

Share Deal vs. Asset Deal: Vor- und Nachteile

Beim Share Deal werden die Geschäftsanteile bzw. Aktien vollständig mit allen Vermögenswerten verkauft. Das ist wie eine Verpackung, in der sich die unterschiedlichsten Einzelteile befinden. Kaufen und gut ist. Den Inhalt muss man nicht erst einzeln prüfen und aussuchen. Ob was nicht passt, stellt sich allerdings erst im Nachhinein heraus – einfach zu handhaben, birgt aber Überraschungspotenzial.

Beim Asset Deal ist es genau anders. Der Käufer sucht sich gezielt nur die Vermögenswerte aus, die ihm passen. Dafür muss er die interessanten Objekte Stück für Stück prüfen. Die Verpackung, also die Firma selbst, interessiert ihn genauso wenig, wie die anderen Inhalte. Auf unliebsame Überraschungen lässt er sich nicht ein.

Interessensabwägung der Partner

Praktische Fertigpackung oder ausgewählte Filetstücke – die Entscheidung hat auch Folgen für den Verkäufer. Im ersten Fall kassiert er als Inhaber den Kaufpreis persönlich. Im zweiten Fall geht der an die ausgeräumte Firma, die als weitgehend lebloser Unternehmensmantel weiter besteht. Diesen Mantel allerdings könnte er dann separat verkaufen.

Dem Käufer wiederum kann das recht egal sein. Ihn interessiert die Abwägung zwischen Aufwand, Werthaltigkeit und Berechenbarkeit.

Einfach mit Überraschungspotenzial: Share Deal

Ein Share Deal ist einfacher und macht weniger Arbeit. Der Käufer übernimmt das Unternehmen mit samt Fuhrpark, Maschinen oder Gebäuden, aber auch allen Verträgen, Rechten, Pflichten, Forderungen und Schulden.

Vertragspartner wie Zulieferer, Banken oder Arbeitnehmer haben keinen Einfluss, denn ihre Zustimmung ist nicht erforderlich. Dieser All Inclusive-Übergang lässt sich in einem überschaubaren Vertrag regeln, wohl aber mit bestimmten Haftungsklauseln, die dafür sorgen, dass der Verkäufer für die zugesagte Beschaffenheit der Firma und ihres Inhalts gerade steht.

Aufwändig, aber sicher: Asset Deal

Der Asset Deal indes kommt nicht ohne eine genaue Einzelprüfung und Bewertung aus. Jede Betriebsstätte, jedes Gerät und jede Vertragsbindung werden unter die Lupe genommen und in jeweiligen Verträgen definiert.

Den Verkäufen müssen dann aber auch bestimmte Partner und Arbeitnehmer zustimmen. Der gesamte Vorgang und die Verträge sind erheblich aufwändiger und umfangreicher. Dafür ist das Risiko geringer, die „Katze im Sack“ zu kaufen. Und: Die meisten Ausgaben lassen sich steuerlich absetzen. Der Kauf von Firmenanteilen beim Share Deal hingegen nicht.

Gesundes oder angeschlagenes Unternehmen?

Eine pauschale Beurteilung, welche der beiden Formen besser ist, gibt es nicht. Obgleich der Share Deal die weitaus verbreitetere Variante ist, kommt es vor allem aus Sicht des Käufers ganz auf die spezifischen Interessen und Ziele an.

Ein Verkäufer, der sich zur Ruhe setzen will, mag den Komplettverkauf vorziehen, vermutlich auch die Belegschaft. Bei einem gesunden Unternehmen lässt sich ein Share Deal eher durchsetzen. Hat die Firma aber eine schwierige Vergangenheit, ist sie in der Krise oder gar vor der Insolvenz, will ein Käufer sich absichern und seine Chancen zu möglichst geringem Risiko wahrnehmen – er bevorzugt den Asset Deal. Auch wenn dieser dann mitunter einem Ausschlachten ähnlich ist.

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