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Mit High-Frequenz-Trading (HFT) zig Millionen verbrannt

Am 1. August hatte ich im Rahmen der an diesem Tag eingeführten französischen Transaktionssteuer einen Bereich angeführt, bei dem ich mich freue, dass er besteuert wird:

Das sogenannte „high frequency trading“ = HFT.

  • Beim HFT handeln Computer gesteuerte Programme im Bruchteil einer Sekunde (!) Aktien und Futures. Da geht es wirklich um Bruchteile von Sekunden, weswegen z.B. Server möglichst nah an der Börse aufgestellt werden, um einen Zeitvorteil zu haben.
  • Beim HFT kommt es verstärkt zu sogenannten „Flash Orders“. Und das hat nichts mehr mit positiven Dingen wie „Spenden von Liquidität“, „Arbitragegeschäften“ etc. zu tun.
  • Bei den Flash Orders geht es darum: Via HFT werden Hunderttausende Kauf- oder Verkaufsorders platziert. Aber nur für den Bruchteil einer Sekunde! So kurz, dass sie gar nicht ausgeführt werden (das sollen sie nämlich auch gar nicht). Aber das reicht, um den Markt zu beeinflussen.

Doch was für ein Markt ist das denn dann? Was hat das noch mit ehrlichem Traden zu tun? Wo ist da noch der Bezug zur Realwirtschaft? Was ist das für ein Mensch, der beim HFT Programme für „Flash Orders“ entwickelt? Bringt so jemand unsere Gesellschaft vorwärts?

Ich finde: Ganz bestimmt nicht. Diese Flash Orders nerven, das hat keine positiven Nebeneffekte wie Spenden von Liquidität, es ist meiner Ansicht nach völliger Mumpitz. Und gefährlicher Mumpitz! Denn letztlich ist es eine Art Betrug: Es werden Hunderttausende Orders vorgetäuscht, die gar nicht da sind. Die nur so kurz eingestellt werden, dass sie gar nicht ausgeführt werden können.

Teurer Systemfehler

Zunächst geht mein Dank an Trader´s Daily-Leser Martin C. für einen entsprechenden Hinweis. Und zwar den Hinweis auf den US-Finanzdienstleister „Knight Capital“. Der betreibt nämlich „high frequency trading“ = HFT.

Doch ein HFT-Algorithmus benahm sich nicht wie geplant. Ganz im Gegenteil. Anstatt Hunderttausende Kauf- oder Verkaufsorder zu platzieren, ohne sie auszuführen, geschah dies:

  • Der HFT-Algorithmus von Knight Capital kaufte in einem Vierzigstel einer Sekunde eine Position und verkaufte sie direkt wieder.
  • Dabei musste natürlich ein negativer Spread hingenommen werden, denn der Briefkurs, zu dem gekauft wird, ist eben höher als der Geldkurs, den man bei einem Verkauf bekommt.
  • Das unternahm die Software bei einer ganzen Reihe von Aktien. Und bei einer größeren US-Aktie kann der Spread = Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs zwischen 10 und 20 Cent betragen.

Halten wir fest: Im Vierzigstel einer Sekunde führte Knight Capital Trades aus, und verlor dabei um die 10 bis 20 Cents je Aktie.

Wenn man das mit zig Aktien macht und 40 Mal in der Sekunde (!), kommen da schon ordentliche Summen zusammen. Ordentliche Verlustsummen.

Sarkastisch kommentierte es die Stelle, welche die Trades untersuchte: Dies sei ein System, welches sehr effizient sei im Geld verbrennen („very efficient at burning money“).

Und so kam es, dass eine Dreiviertelstunde mit diesem „Systemfehler“ ausreichte, Knight Capital einen Verlust im Bereich mehrerer Hundert Millionen Dollar zu „bescheren“. Möglich, dass diese Firma nun untergeht. (Und in der Haut des entsprechenden Programmierers möchte ich auch nicht stecken.)

Fehler im System? Sind meiner Ansicht nach genau solche Firmen, die HFT durchführen. Insofern kein Mitleid von meiner Seite für Knight Capital. Was bringen die unsere Gesellschaft bzw. Volkswirtschaft schon vorwärts?

Doch Schadenfreude, darf man die haben?

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Fabian schrieb am 06.08.2012, 12:46 Uhr

    Hallo Herr Vaupel, Sie schreiben, dass sie sich darüber freuen, das HFT etc besteuert wird. Meiner Meinung nach ist die leider nicht der Fall, da die Steuer der Franzosen erst greift, wenn zwischen Kauf und Verkauf ein Tag liegt. Diese Steuer trifft mal wieder die falschen Leute. Aber das ist man ja von der Politik gewohnt, dass sie es schaffen gut gemeinte Sachen falsch umzusetzen. MfG Fabian Tietz

  • kampmannpeine schrieb am 06.08.2012, 13:42 Uhr

    Auf jeden Fall verbieten, oder so hoch besteuern, dass es uninteressant wird. Ein guter Freund von mir arbeitet in Chicago für die Bank of America, und zwar al Informatiker speziell an diesem Projekt der Millisekunden-Transktionen Er fühlt sich nicht unbedingt wohl dabei ... aber: technisch ist das sehr interessant ... sagt er, daher bleibt er dort!

    • riko antwortete am 07.08.2012, 08:05 Uhr

      Ein GUTER Freund !