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Was macht eigentlich einen guten Investor aus?

Ein Investor ist umso besser, je besser er die Zukunft vorhersehen kann. Mit anderen Worten: Erfolgreich beim Investieren ist, wer erfolgreich zukünftige Entwicklungen prognostizieren kann. Auf höchster wirtschaftlicher Ebene beginnt dies etwa bei BIP-Prognosen.

Ein steigendes BIP führt an den Aktienmärkten zu steigenden Unternehmensgewinnen, was wiederum die Märkte steigen lässt. Fällt das BIP, bekommt dies den Aktienmärkten auch nicht. Am US-Aktienmarkt etwa gibt es eine enge Korrelation zwischen der Entwicklung des S&P 500 und Entwicklung des US-Bruttoinlandsproduktes, welche Profis regelmäßig für Trades nutzen.

Ein guter Investor beginnt somit nicht nur in meinen Augen damit, sich eine Meinung zur US-Wirtschaft zu bilden. Darüber hinaus weiß er, dass die Entwicklung der US-Wirtschaft die weltweiten Aktienmärkte treibt. Natürlich sind hier Europa als Block und China nicht zu vernachlässigen. Aber letztlich am wichtigsten sind nach wie vor die USA.

Sobald sich der Anleger ein Bild über die USA gemacht hat, wird er sich Europa und China ansehen (und hat somit einen Blick über rund 50% des weltweiten BIPs). Hat er sich hierzu Meinungen gebildet, ergibt sich zwangsläufig eine Ansicht auf das Anleihe-Universum, Währungen und auf Rohstoffe sowie auf die Weltwirtschaft.

Davon ausgehend arbeitet sich ein guter Anleger dann immer weiter nach unten, bis er bei Industrien, Aktien und Sektoren ankommt. Wenn Sie bei einem solchen Top-Down Ansatz in jeder Stufe Ihre Hausaufgaben machen, haben Sie eine sehr große Chance, ein gewinnbringendes Investment zu finden und die Zukunft richtig vorherzusagen.

Ein schlechter Investor hingegen zeichnet sich in meinen Augen besonders dadurch aus, dass er keinen vernünftigen Prozess hat, mit dem er vorgeht. „Investmentideen“ werden aus langfristigen Charts generiert statt aus fundamentalen Überlegungen. Oder es werden gute fundamentale Überlegungen über den Haufen geworfen, weil der Chart „anders aussieht“.

Die Charttechnik wird absurd glorifiziert und zum einzig wahren Mittel erklärt (womit der Anleger effektiv zu einem eindimensional denkenden, ständig getriebenen Lemming an den Märkten verkommt, egal wie viele (nutzlose) „Zauberindikatoren“ er letztlich verwendet).

Ein guter Investor hingegen weiß, dass in einem vernünftigen Auswahlprozess eines Investments jede Methode ihren Platz hat. Der Aktienchart wird dabei auch verwendet – doch eben nicht um Ideen zu erzeugen, sondern nur um zu überprüfen, ob der Markt die eigenen fundamentalen Ideen auch teilt und sich das ermittelte Szenario am Markt materialisiert.

Letztlich lässt sich ein guter Investor auch nicht von dem Gerede in den Finanzmedien beeindrucken. Idealerweise konsumiert er überhaupt nichts davon, sondern behält einen klaren Geist und sieht das, was heute in den Schlagzeilen steht, bereits Monate im Voraus.

Kommt dann die Schlagzeile, steigt er aus und bedankt sich bei den „Schafen“ für die Liquidität, die sie ihm zur Verfügung gestellt haben, weil sie sich von der Schlagzeile haben beeindrucken lassen und völlig verspätet unsinnig handeln.

Dinge wie diese sind auch der Grund, weshalb ich in den vergangenen Jahren hier bei Value Daily auch stets immer wieder Prognosen und Szenarien aufgestellt habe zu Entwicklungen – weil es eben darum geht vom Denken her stets der Masse voraus zu sein. Und das betrifft eben Wirtschaft und Politik.

Denn hiermit wird letztlich ein großer Teil des echten Geldes an den Märkten verdient. Und das ist leider auch echte Arbeit. Denn letztlich spielen Sie hier Schach gegen den Rest der Welt.

Das ist nicht „sexy“ und entspricht auch nicht dem Unsinn, dass man mit „zwei Klicks am Tag“ mal schnell reicht wird (wäre es so einfach, wären wir alle schon Millionäre). Aber genau darin liegt auch der Spaß, wenn eine Idee aufgeht. Die eigene Denkleistung wird zu harten Euros bzw. Dollars.

Chartmalerei mag zwar schön aussehen und sich nett lesen, aber letztlich folgen die Märkte den fundamentalen Daten. Linien mögen da Orientierung geben und auch mal einen schnellen Trade ermöglichen. Aber die Zukunft prognostizieren sie sicherlich nicht.

Ein guter Investor weiß dies und ist in seinem Ansatz mehrdimensional. Er nutzt die besten Methoden aus allen Disziplinen der Aktienanalyse an der richtigen Stelle und hat damit ein Investmentsystem, was garantiert, dass er langfristig gewinnt.

Der Amateur hat nichts davon und fliegt letztlich blind an den Märkten. Unbewusst weiß er dies auch und sucht sich daher jemanden, dem er „vertrauen“ kann. Und genau das ist der Grund, warum es gewisse Industriezweige in der Finanzbranche überhaupt gibt.

In meinen Augen ist daher das einzige Gegenmittel, was mein Kollege Everett gestern schon schrieb: Bilden Sie sich ständig weiter und nehmen Sie Ihre Finanzen eigenverantwortlich in die Hand, statt nur irgendeinem „Guru“ hinterher zu laufen – egal wie erfolgreich er auf den ersten Blick scheinen mag.

Das mag nicht populär sein als Ratschlag und nicht so schön „einfach“ klingen, wie manche Versprechen von schnellem Reichtum. Aber es ist ein ehrlicher Ratschlag – mit ehrlichem Potenzial wirklich langfristig Geld zu verdienen.

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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