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Was macht die US-Notenbank heute Abend?

Im Vorfeld der heutigen Sitzung der US-Notenbank halten sich die Anleger offenbar stark zurück.

Am gestrigen Handelstag gab es kaum Bewegung, die Handelsumsätze waren extrem dünn (NSYE gestern 13 Prozent unter Durchschnitt). Das heutige Event will man offenbar erst aus dem Weg haben, bevor neue Wetten platziert werden.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Fed den Leitzins unverändert in der Spanne zwischen 0,25 und 0,50 Prozent halten wird. Wichtiger als der Leitzins sind aber noch die begleitenden Kommentare der Notenbank, etwa im Hinblick auf neue Inflationsprognosen.

Die gestern gemeldeten US-Erzeugerpreise etwa stagnierten im Jahresvergleich und zeigen damit keinen Inflationsdruck an, der eine Zinsanhebung notwendig machen würde. Allerdings lagen sie im Vormonat noch tiefer (-0,2%) und der in den letzten Monaten immer deflationär wirkende Ölpreis hatte sich zuletzt kräftig erholt.

Ebenso wie Edelmetalle und manche Rohstoffe. Die Notenbank wird ein Auge auf diese Entwicklung haben. Die Verbraucherpreise waren im Januar um mehr als 2 % gestiegen, was der Notenbank nicht gefallen dürfte.

Auch die US-Wirtschaft schwächelt nicht mehr ganz so stark. Der ebenfalls gestern gemeldete Empire-State-Index, der die Geschäftsaktivität in der Industrie des US-Bundesstaats New York abbildet, stieg im März deutlich stärker als erwartet von -16,6 auf +0,62 Punkte. Analysten hatten lediglich mit einer leichten Aufhellung auf -10,1 Punkte gerechnet.

Zudem ist die US-Notenbank alles andere als beunruhigt, das die Börsen zu Jahresbeginn so stark eingebrochen waren. Fed-Mitglied Stanley Fischer vergleich die derzeitige Situation zuletzt mit der zweiten Jahreshälfte 2011, als der Markt zwar auch deutlich einbrach, dies jedoch keine negativen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft hatte.

Übersetzt heißt das nichts anderes, dass die US-Notenbank bei der Festlegung ihrer Geldpolitik keine Rücksicht auf die Aktienkurse nehmen wird. Zuletzt deuteten deren Prognosen auf ein moderates Wachstum und eine Inflation in Richtung 2 Prozent hin.

Unter diesen Annahmen dürfte es weitere Zinsschritte in diesem Jahr geben. Die Federal Fund Futures zeigen jedoch an, dass der Markt in dieem Jahr keinen weiteren Zinsschritt eingepreist hat. Einer muss sich irren, die Fed oder der Markt. Sobald klar ist, wer, wird es heftige Marktbewegungen geben.

Noch im vergangenen Dezember deuteten Umfragen unter Fed-Mitgliedern auf vier Zinsschritte im Jahr 2016 hin. Den allerersten Zinsschritt seit fast einem Jahrzehnt gab es im Dezember 2015. Der US-Notenbank scheinen vor allem die zuletzt gestiegenen Löhne in den USA Sorgen zu bereiten, die -einmal ausgegeben –  zu Inflation führen könnten.

Ein US-Arbeitsmarkt, der sich langsam der Vollbeschäftigung nähert, lässt keine Entspannung in dieser Frage erwarten. Gleichzeitig drücken höhere Lohnkoste auf die Gewinne der US-Unternehmen, was deren im historischen Vergleich üppige Bewertung (S&P 500 KGV derzeit 24,19) weiter in die Höhe treibt und neue Aktienkäufer abschrecken dürfte. .

So gibt es durchaus auch Stimmen in der US-Notenbank, die auf eine weitere Zinsanhebung am Ende der heutigen Sitzung drängen. Esther George, Präsidentin der Kansas City Fed, zum Beispiel, die zum Lager der „Falken“ gehört, die weitere Zinsschritte befürworten.

George sieht im laufenden Jahr ein US-Wachstum um die 2 %, mit einem gesunden Konsum und Arbeitsmarkt und einer Inflation, die sich sehr bald wieder in Richtung 2 Prozent bewegt. Sie möchte die Zinsen unbedingt anheben, bevor sich die Inflation in diese Richtung bewegt, weil Zinsschritte erst mit einer Zeitverzögerung wirken.

Dafür sollen die Zinsschritte dann moderat ausfallen, damit die Wirtschaft ausreichend Zeit bekommt, sich an diese anzupassen. George möchte das ungesund niedrige Zinsniveau auch deshalb beenden, weil sie Risiken für die Märkte darin sieht. Zum Beispiel bei der Fähigkeit, Risiken angemessen einzupreisen.

Als Beispiel dient ihr der völlig überspekulierte Ölsektor, der jetzt eine Pleitewelle verdauen muss, die womöglich auch das US-Bankensystem über Kreditausfälle in Mitleidenschaft zieht. Eine weitere Absenkung des Zinsniveaus in Richtung negativer Leitzinsen schließt sie für die US-Notenbank kategorisch aus.

Sie sehen: Es gibt durchaus sehr unterschiedliche Meinungen in der US-Notenbank, die eine Zinsprognose nicht einfach machen. Die zuletzt erholten Ölpreise und US-Wirtschaftsdaten machen es der Fed zusammen mit den weiterhin robuste US-Arbeitsmarktdaten nebst anziehender Konsumentenpreisinflation jedoch schwer, auf absehbare Zeit auf weitere Zinsschritte zu verzichten.

Es sei denn, die US-Wirtschaft bräche weiter ein. Für den Markt wäre eine weitere Zinsanhebung unter Verweis auf eine wieder robustere Wirtschaft sicherlich das geringere Übel. Jedoch dürfte kurzfristig nach der heutigen US-Notenbanksitzung die Luft erst einmal rausgelassen werden, nachdem die Kurse sich in den vergangenen Wochen deutlich erholt hatten. Wobei zu beachten ist, dass speziell der DAX immer zu spät zur Party erscheint, diese aber häufig auch als letzter verlässt.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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