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Was ist eigentlich Arbitrage-Trading?

Der „treue Trader´s Daily-Leser“ (so soll es sein!) Stefan H. schrieb mir:

„Ich wende mich an Sie mit der Bitte, zu meinem Verständnis beizutragen, nachdem ich mich erst bei meiner Bank beschweren wollte, aber nun den Kurszettel gesehen habe. Konkret: Ich hatte für Bijou Brigitte einen Stop-Loss von 109,10 € gesetzt (in Frankfurt, da dort am liquidesten); Ausführung zum Tagestiefstkurs von 107 €. Laut Kurszettel (siehe Beilage) korrekt. Nun kommt mir der Sprung von 110 auf 107 Euro verdächtig vor; gleichzeitig wundere ich mich über die enorme Diskrepanz zu Stuttgart. Dort hätte ich 109 € erhalten.

Mit einem Stop bei 112,50 € dagegen wäre ich in Stuttgart auf die Nase gefallen (109 € dann), hätte in Frankfurt aber faire 112,10 € erhalten. Wie ist das alles zu erklären? Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.“

Meine Antwort:

Zunächst: Schade, dass der Leser verkauft hat. Inzwischen steht der Kurs rund 10% höher. Naja, hätte, wäre, bringt nichts. Zur Sache:

Ist meiner Einschätzung nach alles korrekt verlaufen!

Bei Stoppkursen und Aktien ist es eben so: Sobald ein Stoppkurs erreicht wird, wird zum NÄCHSTEN Kurs mit Umsätzen verkauft. Und der nächste Kurs kann eben auch noch mal niedriger liegen, oder auch wieder höher. Gewisse Glückssache.

Gerade bei Nebenwerten und ganz besonders bei kleinen Explorer-Aktien. Weniger natürlich bei Blue Chips wie Daimler oder Siemens, wo fortlaufend Kurse mit Abstand im geringen Centbereich zustande kommen.

Bijou Brigitte ist „irgendwo dazwischen“, auf gewisse moderate Überraschungen bei Stoppkursen müssen Sie sich also gefasst machen.

Und was die Diskrepanzen zwischen den Handelsplätzen betrifft: Die gibt es, und das ist auch eine Chance. Eine gewisse Gruppe von Tradern hat sich darauf spezialisiert, sich diese Unterschiede zunutze zu machen: Die Arbitrage-Trader.

Diese Trader vergleichen den Preis einer Aktie an mehreren unterschiedlichen Handelsplätzen, und wenn der Geldkurs (Kurs, zu dem man verkaufen kann) an einer Börse über dem Briefkurs (Kurs, zu dem man kaufen kann) an einer anderen Börse liegt – dann handeln sie blitzschnell.

Kaufen zum günstigeren Kurs, und wenige Sekunden später an der anderen Börse zum höheren Kurs verkaufen. Bringt in der Regel nur minimalen Gewinn, dafür in Sekundenschnelle. Und wenn man das einige Dutzend Male am Tag macht, kann man davon leben. Beziehungsweise könnte man.

Da inzwischen auch jeder Privatanleger diese „Spielchen“ betreiben kann, sorgt dies dafür, dass es kaum noch richtig lohnende Arbitrage-Geschäfte gibt. Zumindest dann nicht, wenn sie relativ kleine Beträge traden und die Gebühren prozentual hoch ins Gewicht fallen.

Übrigens: Arbitrage-Trader erfüllen gesamtwirtschaftlich durchaus eine sinnvolle Funktion. Sie sorgen für „effiziente Märkte“ – denn sie sorgen dafür, dass sich Preisunterschiede desselben Gutes an verschiedenen Börsen schnell angleichen.

Jetzt aber: Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!

Ihr

Michael Vaupel

 

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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