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US-Notenbank verbreitet Zinsoptimismus

Die Aktienmärkte kamen gestern erneut ins Rutschen. Ursache: Zinserhöhungsfantasien in den USA. Wieder mal.

Eigentlich sollten diese nach den jüngsten unerwartet schwachen Daten von Empire State Index und US-Arbeitsmarkt eigentlich vom Tisch sein. Doch diese werden von US-Notenbankern ganz gezielt in Kommentaren und Interviews geschürt.

Eigentlich sollten die Märkte diese Spielchen von der Vorbereitung auf die US-Zinswende kennen. Diese wurde über ein Jahr groß angekündigt. Heraus kam schlussendlich ein mickriger Zinsschritt, der eigentlich auch schon wieder einer zu viel war.

Nun wird ein großes Tam-Tam um einen möglichen nächsten Zinsschritt veranstaltet, der -wenn überhaupt – dann nicht vor September kommen dürfte. Im Juni ist der Brexit zu nahe, im Juli sind die Umsätze an den Märkten wegen der Sommerpause sehr dünn. Vielleicht kommt er aber auch erst im Dezember.

Denn der September ist ein Crashmonat und kurz nach der Sitzung im November ist US-Präsidentenwahl. Wir reden also über einen einzigen möglichen Zinsschritt im Herbst – und das ist die ganze Dollar-Fantasie?!

Auf den ersten Blick schienen die US-Inflationsdaten gestern eine baldige Zinsanhebung zu rechtfertigen. Die Verbraucherpreise waren im April um 0,4 % gestiegen (Erwartung +0,3 Prozent nach +0,1 Prozent zuvor). Auf Jahressicht liegen wir jetzt bei 1,1 Prozent.

Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie, die für die US-Notenbank Fed die entscheidende Komponente zur Steuerung ihrer Geldpolitik ist, liegt bereits bei 2,1 Prozent und damit leicht über dem Inflationsziel der Fed von 2 Prozent.

Nun müssen Sie allerdings sehen, dass gut die Hälfte des Inflationsanstieges durch die Erholung des Ölpreises bedingt ist. Diese kann jederzeit enden. Die Notenbank war zuvor nicht tätig geworden, als eine deflationäre Entwicklung wegen des Ölpreisverfalles drohte, weil es sich hier um ein vorübergehendes Phänomen handelte.

Soll sie jetzt tätig werden, nur weil sich der Preis gerade erholt? Wohl kaum. Handeln müsste sie aber, wenn ein Zustand der Vollbeschäftigung (Arbeitslosenquote unter 4,5%) in Verbindung mit deutlich steigenden Löhnen und steigenden Konsumausgaben erreicht ist.

Davon sind wir noch ein ganzes Stück entfernt. Für die zuletzt verdächtig schwache US-Wirtschaft wäre jeder weitere Zinsschritt ein konjunktureller Sargnagel. Will die US-Notenbank wie zuletzt im Jahr 2007 wieder zum Totengräber der US-Konjunktur werden, weil sie die geldpolitischen Zügel zu sehr strafft?

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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