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US-Geldpolitik: Zinsanhebung schon im Juni?

Erneut haben gestern Zinsspekulationen in den USA die Märkte belastet. Kurz nach Veröffentlichung des jüngste Protokolls der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank rauschte praktisch alles in den Keller: Anleihen, Aktien, Rohstoffe (US-Dollar ausgenommen).

Ursache ist eine überraschende Verschärfung des geldpolitischen Kurses der Fed. Demnach wollen „die meisten“ Notenbank-Mitglieder Die nächste Zinsanhebung in den USA offenbar bereits im Juni durchführen – und damit deutlich früher als gedacht. Ob es sich hier wieder nur um ein verbales Manöver handelt, werden wir leider erst im Juni sehen.

Die Fed-Mitglieder betonten, dass ihre Entscheidung im Juni von Wirtschaftsdaten abhängt. Einige Mitglieder sahen auch Risiken wegen eines möglichen Austritts Großbritanniens aus der EU („Brexit“) oder wegen unerwarteter Währungsrisiken Chinas.

Viele Mitglieder sehen zudem anhaltende Abwärtsrisiken für den wirtschaftlichen Ausblick. Ob sich die Fraktion der Vorsichtigen durchsetzen kann, ist völlig offen. Zuletzt ging der Markt davon aus, dass die nächste Zinserhöhung frühestens im Herbst kommen wird, wenn überhaupt.

Ursache dafür waren vor allem die schwachen US-Arbeitsmarktdaten. Sollte sich hier eine Trendwende zum Schlechten ergeben, wäre die US-Notenbank gut beraten, die Finger von der Zinsschraube zu lassen, um die Konjunktur nicht wie zuletzt im Jahr 2007 mit zu hohen Zinsen endgültig abzuwürgen.

Von daher dürften gerade die wöchentlich veröffentlichten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe unter scharfer Beobachtung des Marktes stehen. Diese waren zuletzt ungewöhnlich stark angestiegen, was eine eindeutige Verschlechterung der Situation darstellt.

Ob es sich hier um einen saisonal bedingten Ausreißer oder den Vorboten einer Trendwende zeigt, werden die Daten der nächsten Wochen zeigen (unter anderem heute Nachmittag). Weiter schwache Daten dürften die Zinserhöhung im Juni wieder unwahrscheinlich machen. Starke Daten bewirken das Gegenteil.

Die US-Notenbank erwartet eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal. Dies ist die Grundlage ihrer Zinserhöhungspläne. Gerade die Arbeitsmarktdaten wiesen derzeit aber genau in die Gegenrichtung. Die Notenbank war in den letzten Jahren faktisch immer zu optimistisch, was den wirtschaftlichen Ausblick anging.

Interessanterweise stiegen gestern im ansonsten schwachen Marktumfeld US-Finanzwerte wie JP Morgan und Goldman Sachs. Und das obwohl sich die US-Zinsstrukturkurve in Erwartung steigender US-Zinsen weiter abflachte.

Die Aktienkurse der US-Banken hätten eigentlich fallen müssen, da es diese Entwicklung für sie schwerer macht, künftig Geld zu verdienen. Offenbar nehmen Teile des Marktes die Sache mit der Zinserhöhung im Juni doch nicht so ernst.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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