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So entstehen die Kurse an der Börse – und so nutzen Sie das Wissen!

Auch wenn es einem manchmal so vorkommen kann, ist die Preisbildung an der Börse weder Zauberei noch Teufelswerk. Ein Kurs wird einzig und allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dabei lautet der Auftrag der Börse, dass sie immer und zu jedem möglichen Zeitpunkt den Kurs ermittelt, bei dem Angebot und Nachfrage bestmöglich in Einklang gebracht werden. Es geht also darum, den Kurs zu finden, bei dem der höchste Umsatz erfolgen kann. Dann nämlich sind Nachfrage und Angebot bestmöglich abgeglichen.

Das Wissen über das vorliegende Angebot und die aktuelle Nachfrage kann eine Entscheidungshilfe für Ihre eigene Handelsstrategie sein. Im Internet können Sie die Orderbücher der deutschen Börsen einsehen und sich so ein Bild davon machen, wie sich Kurse kurzfristig entwickeln werden. Und das ganz ohne Hexerei.

 

Was ist ein Orderbuch?

Um den Kurs für einen höchst möglichen Umsatz herauszufinden, bedarf es des Orderbuches. Was früher tatsächlich noch von Hand gemacht wurde, wird inzwischen meistens von Computern übernommen. In einem Orderbuch werden alle eingehenden Kauf- und Verkaufsaufträge eingetragen, wobei ein Auftrag als Order bezeichnet wird. Dabei gibt es verschiedene Arten von Orders: die unlimitierte Kauforder und die unlimitierte Verkaufsorder, die limitierte Kauf- und Verkaufsorder, sowie die Stop-Loss-Order und die Stop-Buy-Order.

 

Das sind die möglichen Orders im Orderbuch

Wenn Sie als Anleger bereit sind, jeden Preis für den Kauf oder Verkauf beispielsweise einer Aktie zu akzeptieren, dann geben Sie eine unlimitierte Order auf. Eine unlimitierte Kauforder ist eine Billigst-Order, weil Sie die Aktie effektiv zum günstigsten gerade möglichen Preis erhalten. Eine unlimitierte Verkaufsorder ist eine Bestens-Order, weil Sie die Aktie effektiv zum höchsten Preis verkaufen, der gerade möglich ist.

„Günstigster gerade möglicher Preis“ und „höchster Preis, der gerade möglich ist“… interpretieren Sie das bitte nicht falsch! Der höchste gerade mögliche Kurs zum Verkauf kann durchaus auch 0,01 Dollar sein, obwohl die Aktie 10 Sekunden zuvor noch 39 Dollar wert war. Fragen Sie die unglücklichen Verkäufer, die am 6. Mai 2010 um 14:47 die Aktie von Accenture unlimitiert verkaufen wollten.

Umgekehrt kann der günstigste gerade mögliche Preis durchaus auch 1.000 Euro lauten, obwohl es die Aktie vor Minuten noch hunderte Euro günstiger gab. Fragen Sie einmal die Käufer, die am 20. Oktober 2008 unlimitiert VW-Aktien kaufen wollten.

Solche Negativ-Überraschungen können Sie mit einer limitierten Order verhindern. Bei einer limitierten Kauforder geben Sie den Preis vor, den Sie maximal bereit sind, für die Aktien zu bezahlen. Bei einer limitierten Verkaufsorder nennen Sie den Preis, den Sie mindestens für Ihre Aktien erzielen möchten. Mit einer Stop-Loss-Order legen Sie ein unteres Limit für Ihren Verkaufsauftrag fest. Erreicht oder unterschreitet der Kurs dieses Limit, wird Ihre Verkaufsorder zum nächsten Preis bestens ausgeführt. Bei einer Stop-Buy-Order ist es genau umgekehrt: Sie legen ein oberes Limit fest und sobald die Aktien genauso viel oder mehr kosten, wird Ihr Kaufauftrag zum nächsten Preis billigst ausgeführt.

 

So sieht ein Orderbuch an der Börse aus

Die eingegangenen Orders werden dann in das Orderbuch eingetragen und folgendermaßen dargestellt:

Kauf

 

Verkauf

Orderanzahl

Stückzahl

Gesamt

Preis

Gesamt

Stückzahl

Orderanzahl

1

10

10

Billigst

 

 

 

 

 

10

30

225

100

1

 

 

10

29,7

125

75

2

 

 

10

29,5

50

20

2

 

 

10

29

30

5

1

1

15

25

28,5

25

15

2

1

10

35

28

10

 

 

2

25

60

27,8

10

 

 

1

50

110

27,5

10

 

 

1

20

130

27

10

 

 

 

 

 

Bestens

10

10

1

 

 

 

So bildet die Börse mit jeder Transaktion einen neuen Preis

Links sind Anzahl, Stückzahl und die sich daraus ergebende Gesamtzahl der Kauforders gelistet, im rechte Teil der Tabelle die Verkaufsorders. Die mittlere Spalte gibt den Preis an, zu dem die Orders jeweils eingegangen sind, von Bestens im Preis absteigend zu Billigst. Die Spalte „Gesamt“ enthält die Summe der Aktien, die zum angegebenen Kurs ge- oder verkauft werden sollen. Es liegt auf der hand, dass ein Käufer, der bereit ist, 30 Euro für eine Aktie auszugeben, gern auch für 27 Euro kauft. Und ein Verkäufer nimmt auch gern 30 Euro mit, wenn er bereit ist, ab 29 Euro zu verkaufen.

Nun geht es darum, den Kurs festzustellen, zu dem die meisten Aktien den Besitzer wechseln können, um die meisten Kauf- und Verkaufsorders zu erfüllen. Im vorliegenden Beispiel ist das bei einem Preis von 28,50 Euro der Fall.

Es liegen zwar bei 30 Euro die meisten Aktien zum Verkauf bereit, aber zu diesem Preis könnten nur 10 Aktien verkauft werden. Andersherum würden bei einem Preis von 27 Euro die meisten Kauforders erfüllt (weil zu diesem günstigste Preis selbstverständlich alle Anleger, die kaufen möchten, auch kaufen würden), aber es stehen lediglich 10 Aktien zum Verkauf bereit. Bei 28,50 Euro können hingegen 25 Aktien ge- und verkauft werden, und somit werden die anliegenden Kauf- und Verkaufsorders zu diesem Preis ausgeführt. Damit steht fest, dass eine Aktie in diesem Moment 28,50 Euro kostet. Oder anders gesagt: Der Kurs der Aktie steht im Moment der Orderausführung bei 28,50 Euro, weil dann die größtmögliche Menge an Aktien gehandelt werden kann. Die Börse hat ihren Auftrag also erfüllt.

 

Ohne neue Orders gibt es keinen neuen Preis

Sofern keine neuen Orders eingehen, die Handel zulassen, findet trotz vorliegender Orders kein weiterer Handel statt. Die von den Händlern vorgegebenen Limitkurse verhindern weiteren Handel. Käme nun zum Beispiel eine neue unlimitierte Verkaufsorder für 50 Aktien herein, würde der Computer folgende Transaktionen ausführen: 10 Aktien zu 28 Euro – neuer Kurs 28 Euro; 25 Aktien zu 27,80 Euro – neuer Kurs 27,80 Euro; 15 Aktien zu 27,50 Euro – neuer Kurs 27,50 Euro.

Eine nun eingehende Order zum unlimitierten Kauf von 100 Aktien würde den Kurs augenblicklich in die Höhe springen lassen. Denn es gibt nur noch Verkäufer, die zu deutlich höheren Kursen verkaufen wollen.

Erste ausgeführte Order wären 5 Aktien zu 29 Euro – neuer Kurs 29 Euro. Weiter geht es mit 20 Aktien zu 29,50 Euro – neuer Kurs 29,50 Euro und 75 Aktien zu 29,70 Euro – neuer Kurs 29,70 Euro! Binnen weniger Minuten verursachten also zwei Orders einen volatilen Kursverlauf, der zwischen 27,50 und 29,70 Euro pendelte.

Sobald neue Orders dazu kommen und es wieder Überschneidungen der Kauf- und Verkaufsorders gibt, wird auf die gleiche Weise ein neuer Preis ermittelt. So entstehen dann Kursverläufe, gesteuert einzig und allein von Angebot und Nachfrage.

 

Wie Sie das Orderbuch für Ihre Handelsstrategie nutzen

Sie können das Orderbuch übrigens auch für Ihre Handelsstrategie nutzen. Einblicke in eingegangene Orders geben Aufschluss darüber, wie sich der Kurs einer Aktie in nächster Zukunft (je nach Orderfrequenz) entwickeln kann. Besonders wichtig sind große Stückzahlen, die zu bestimmten Kursen angeboten oder nachgefragt werden. Hier dürften sich mit großer Wahrscheinlichkeit Unterstützungen bzw. Widerstände ausbilden.

Orderbücher der großen deutschen Börsen finden Sie online. Dabei sind die Basisinformationen kostenlos, zusätzliche Einblicke in die Orderbücher sind kostenpflichtig, beispielsweise das Xetra-Orderbuch mit aktuellen Einblicken in die Kauf- und Verkaufsaufträge aller DAX-notierten Aktien.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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