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Rätsel um “Flash-Crash“ gelöst

kennen Sie folgenden Chart noch?

(Quelle: CFX-Broker)

Es handelt sich um den DAX-Verlauf vom 06.05.2010. Einen Tag schrieb ich:

Eigentlich relativ ruhig – zumindest bis ca. 20.30 Uhr (hier im Chart sind die Zeitangaben leider nicht exakt). Da brach der DAX dann auf einmal um fast 300 Punkte ein, nur um sich sofort wieder fast auf das Ausgangsniveau zu erholen. Bisher habe ich keine Infos, was da genau passiert ist.

Und am 10. Mai:

… Während ich am Freitag morgen auf den Finanzportalen keine Erklärung für den Kursrutsch an den Börsen finden konnte, war zumindest web.de vermeintlich ein Schritt voraus. Hier wurde berichtet, dass ein bedeutender Händler eine fehlerhafte Transaktion in den Markt gegeben hatte. Innerhalb einer halben Stunde verlor der Dow Jones 800 Punkte. Anschließend benötigte der Index nur gut eine Viertelstunde, um wieder um 600 Punkte zuzulegen. …

“Flash-Crash“ vernichtete in 20 Minuten 900 Mrd. USD

Inzwischen sind wir deutlich schlauer. Der sogenannte „Flash-Crash“ vernichtete in 20 Minuten zumindest kurzzeitig 900 Mrd. USD. Die völlig absurden Transaktionen wurden zum Teil nachträglich storniert. Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Vorfall gründlich untersucht und inzwischen einen ausführlichen über 100 Seiten starken Bericht präsentiert.

Was war passiert?

Ein Broker hatte eine größere Derivate-Position zum Verkauf gestellt. Eigentlich ein Routinegeschäft eines Investmentfonds. Es handelte sich um eine sehr große Position, die normalerweise schrittweise über mehrere Stunden abgewickelt wird. In diesem Fall geschah dies jedoch aufgrund eines Versäumnisses des Händlers binnen weniger Minuten. Laut Handelsblatt seien damals 75.000 Futures-Verträge im Wert von über 4 Mrd. Dollar in Windeseile abgestoßen worden. Während die ersten Teilorder noch normal ausgeführt wurden, gab es für die weiteren irgendwann keine Käufer mehr. Dies löste einen Kurssturz bei den Derivaten aus, der dann auf den Aktien-Markt übersprang. Vollautomatische Computersysteme, besonders die Hochfrequenzprogramme, die innerhalb von Millisekunden Milliardendeals durchführen, lösten auch hier einen Kurssturz aus. Grundsolide Top-Aktien verloren zeitweise bis zu 99%.

Wie kann man eine Wiederholung vermeiden?

Spontan könnte man fordern, dass diese automatischen Computersysteme an der Börse verboten werden müssen, doch diese haben auch Vorteile, erhöhen sie doch deutlich die Liquidität an den Märkten, wodurch Anleger teils sicher bessere Kurse aufgrund von geringeren Spreads erhalten.

Ohne Computersysteme lassen sich zudem die heutigen Datenmengen nicht mehr verarbeiten. Drei Viertel der Umsätze werden heute bereits über solche Systeme abgewickelt.

Und so muss nun zumindest eine BESSERE automatische Absicherung eingeführt werden, die den Handel umgehend stoppt, sobald extreme Kursbewegungen auftreten. Denn die Lage normalisierte sich erst wieder, als die Tradingsysteme durch die bislang bestehende automatische Handelsunterbrechung abgeschaltet wurden.

Ausführliche Informationen können Sie einem Manager Magazin entnehmen. Demnach hat die Börsenaufsicht „als Reaktion auf den „Flash crash“ bereits ein neues Sicherungssystem eingeführt: Aktien aus dem wichtigen Index S&P 500 werden vom Handel ausgesetzt, wenn sich der Kurs binnen fünf Minuten um mehr als 10 Prozent verändert. Dies soll Menschen die Möglichkeit geben, mögliche Fehler elektronischer Handelssysteme auszubügeln.“

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Alte Kommentare
  • P Schueler schrieb am 01.11.2010, 21:26 Uhr

    dies kommt leider andauernd vor und ist besonders ärgerlich wenn man automatische - trailing stops setzt. Wie kann man sich schützen, bzw. wer ist jhier verantwortlich ?

    • Sven Weisenhaus antwortete am 02.11.2010, 11:40 Uhr

      Guten Tag - - - Also in kleinerem Umfang, sprich Kursstürze von etwa 100 Punkten im DAX, kommen solche Bewegungen sicherlich öfter vor. Ein 10%-Kursrutsch im Dow oder ein Kursverlust bei Einzelwerten von 99% wie im hier behandelten Fall sind sicherlich extrem selten. - - - Einen oder DEN Verantwortlichen gibt es dabei leider genauso wenig wie einen Schutz davor. Im vorliegenden Fall war es eine Verkettung verschiedener Umstände, die in Summe den aussergewöhnlichen Crash verursacht haben. - - - Inzwischen gibt es eine Reihe von Mechanismen, wie z.B. Handelsaussetzung, die einen Schutz bieten sollen. - - - Leider kann ich Ihnen hierzu keine positivere Antwort geben. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus

  • Rudolf Erlach schrieb am 02.11.2010, 12:39 Uhr

    So einfach dürfte das wohl nicht gewesen sein. im zweiten Betrag in Van Tharp's Newsletter vom 27.10.2010 "The Flash Crash Revisited Part 3" von D.R. BartonJr. ( wird über eine Firma Nanex berichtet, die die Trade-Daten von Waddell & Reed ausgewertet hat und dabei anscheinend feststellte, dass es erst durch sogenanntes "quote-stuffing" eines oder mehrerer HF-Trader zu erratischen Quotierungen und in weiterer Folge zu einem Austrocknen der Liquidität und rasch sinkenden Preisen kam.

    • Sven Weisenhaus antwortete am 05.11.2010, 09:19 Uhr

      Hallo Herr Erlach! Wer soll da noch durchblicken?! Bleibt zu hoffen, dass wirksame Maßnahmen umgesetzt werden (können). - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus