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Preisentstehung an der Börse (Fortsetzung)

 

letzten Freitag begann ich eine kleine Artikelserie zum Thema „Preisentstehung an der Börse„.

Diese möchte ich heute im ersten Teil von Investoren Wissen fortsetzen.

Greifen wir das Beispiel vom Freitag also wieder auf (hier zusammengefasst als Tabelle, die Zahlen in den Spalten zeigen die Reihenfolge an, wann welche Order einging):

Abb.: Zusammenfassung des Beispiels vom Freitag

Was geschieht nun also? Wie geht die Börse mit diesen Orders um?

 

Schritt #1: Betrachtung aller Kurse auf der Nachfrageseite

Ich möchte dies aus Gründen des Umfangs nicht in aller Ausführlichkeit hier darstellen, aber was die Börse nun tut ist, sich zunächst die Nachfrageseite zu betrachten.

Vom Prinzip her werden alle potentiellen Kurse durchgegangen um zu ermitteln, wie viele Aktien bei welchem fiktiven Kurs nachgefragt werden.

Ich zeige dies einmal anhand des Beispiels für einen fiktiven Kurs von 88 Euro (mehr Details gibt es in Voigts sehr gutem „großem Buch der Markttechnik“, aus dem ich dieses Beispiel ja genommen habe, wie ich bereits am Freitag schrieb):

Betrachten wir also Zeile für Zeile der obigen Tabelle (Auszug aus Voigts Buch):

  1. In Zeile 1 würden die 1.000 Stück der limitierten Order bei einem möglichen Kurs von 88 Euro zur Ausführung bereitstehen. Der Kurs würde dem vorgegebenen Limit entsprechen.
  2. In Zeile 2 steht keine Order und somit auch keine Nachfrage.
  3. In Zeile 3 befindet sich ein Kaufauftrag über 300 Stück zum Limit 90 Euro. Der Käufer ist nicht bereit, mehr als sein Limit für die Aktie zu bezahlen. Dies bedeutet aber im Umkehrschluss, dass der Käufer sich freuen würde, wenn er die Aktie sogar billiger bekäme. Das der fiktive Kurs bei 88 Euro unter seinem Limit steht, würden die 300 Stück ebenfalls auf ihre Ausführung warten.
  4. In Zeile 4 steht keinerlei Auftrag. Somit entfällt die Zeile.
  5. In Zeile 5 werden mit einem Limit von 95 Euro 1.000 Stück zum Kauf gesucht. Dieser Käufer wäre ebenfalls bereit, die Aktien billiger aufzukaufen, und somit werden auch diese 1.000 Stück bei einem fiktiven Kurs von 88 Euro nachgefragt.
  6. Dasselbe gilt für Zeile 6. Die dort enthaltene limitierte Kauforder müsste ebenfalls ausgeführt werden.
  7. Hinzugezählt werden müssen ebenfalls die beiden in Zeile 7 enthaltenen Market-Orders. Diese Käufer haben durch den Orderzusatz „Market“ signalisiert, dass ihnen der Kurs egal ist. Sie möchten ihre Order unbedingt bestens oder billigst ausgeführt haben. Somit stehen die dort enthaltenen 700 und 1.000 Stück immer und zu jedem Kurs als Nachfrage zur Verfügung. Also sind die Käufer mit den beiden Market-Orders auch mit dem fiktiven Kurs von 88 Euro einverstanden.
  8. Auch der Käufer mit dem höchsten Limit in Zeile 8 ist mit dem Kurs von 88 Euro einverstanden. Sein Kaufkurs läge damit rund zehn Prozent unter seinem Preis, den er bereit war zu zahlen.
  9. In Zeile 9 steht keine Order und somit auch keine Nachfrage.

Wenn man nun also diese Punkte aufsummiert ergibt sich, dass bei einem fiktiven Kurs von 88 Euro 4.220 Aktien nachgefragt würden.

Die weiteren Ergebnisse sind (nach der gleichen Logik bzw. dem gleichen Prinzip wie oben, jeweils fiktiver Preis):

  •   89 Euro: 3.220 Aktien nachgefragt
  •   90 Euro: 3.220 Aktien nachgefragt
  •   92 Euro: 2.920 Aktien nachgefragt
  •   95 Euro: 2.920 Aktien nachgefragt
  •   99 Euro: 1.920 Aktien nachgefragt
  • 100 Euro: 1.720 Aktien nachgefragt
  • 105 Euro: 1.720 Aktien nachgefragt
  • 125 Euro: 1.700 Aktien nachgefragt

 

Danach wird die Angebotsseite betrachtet. Diese sehen wir uns morgen hier bei Investoren Wissen einmal näher an.

 

Beste Grüße

 

 

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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