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Börse: Sind Fundamentaldaten zum Traden wirklich nötig?

Es gibt wohl in jedem Job eine gewisse Art von Grabenkämpfen, die sich nie ganz aus der Welt schaffen lassen.

Im Bereich Börse ist einer davon die alte Diskussion darüber, ob man als Investor in den heutigen stark durch Liquidität getriebenen Märkten auch Charttechnik nutzen sollte bzw. ob Trader Fundamentaldaten von Unternehmen berücksichtigen sollten.

Und genau das ist auch eine der Leserfragen, die ich in regelmäßigen Abständen immer mal wieder in meiner Post finde.

Wenn Sie meinen Handelsstil bzw. meine Kolumnen schon etwas länger kennen, dann wissen Sie, dass ich nichts von derart extremen Positionen halte.

Für mich gehen fundamentale und technische Analyse Hand in Hand und bieten jeweils ganz eigene Vorteile. Warum daher auf eines der beiden (aus ideologischen) Gründen verzichten?

Ich halte die Aussage, dass „im Kurs immer alles eingepreist“ ist, für genauso vermessen wie Behauptungen, dass „technische Analyse nur Kaffeesatzlesen“ ist. Auch wenn beide Behauptungen einen guten Kern Wahrheit enthalten, sind sie in meinen Augen in ihrer Absolutheit falsch.

Viel mehr verrät Ihnen die technische Analyse, wann Sie etwas kaufen sollten, und die fundamentale Analyse sagt Ihnen, was Sie kaufen müssen.

Ich möchte Ihnen ein kleines Beispiel geben, was wir diese Woche in meinem Börsendienst SYSTEM4PORTFOLIO hatten. Es passt zu dieser Diskussion einfach sehr gut.

Am 30.10.2015 stiegen wir nach einem Rücksetzer bis zum exponentiellen 20-Tage-Gleitschnitt in die Aktie von MaxLinear (US-Ticker: MXL), einem Unternehmen aus der Halbleiterbranche ein.

Der Chart sah damals so aus:

Abbildung: Tageschart der MaxLinear-Aktie per 30.10.2015

Tageschart der MaxLinear-Aktie per 30.10.2015 (Quelle: Stockcharts)

(Quelle: Stockcharts)

Rein aus Sicht der Charttechnik hätte es sicher attraktivere Aktien gegeben. Auch gab es einige kritische Fragen, wie etwa, was geschehen wäre, wenn der EMA(20) nicht gehalten hätte? Die Aktie war schließlich unter ihrem Ausbruchslevel.

Doch hier zeigt sich der Vorteil des Ideologie freien Tradings. Denn wer die Fundamentalanalyse ergänzend zur Charttechnik bei MaxLinear nutzte, der ahnte schon, dass hier weit mehr geschehen wird. Denn der Wert zeigte sich fundamental gesehen äußerst interessant.

Am Mittwoch lieferte MaxLinear dann Ergebnisse und schlug die Erwartungen der Wall Street sehr deutlich. Und genau da hilft Ihnen keine Charttechnik:

Abbildung:Aktueller Tageschart der MaxLinear Aktie

Aktueller Tageschart der MaxLinear Aktie (Quelle: Stockcharts)

(Quelle: Stockcharts)

Die Aktie zog am Tag der Ergebnisverkündung knapp 30% nach oben. Zugegeben, wir haben bei SYSTEM4PORTFOLIO nicht den ganzen Ritt nach oben mitgemacht (den perfekten Ausstieg auf den letzten Cent gibt es so gut wie nie beim Trading). Aber es blieb ein schneller Gewinn von mehreren hundert Dollar für die Leser.

Rein aus dem Chart hätten Sie zwar auf eine Trendfortsetzung spekulieren können. Aber letztlich wären Sie auf einem sprichwörtlichen Auge weiter blind geblieben.

Ich kann daher nur jedem „Hardliner“ empfehlen, egal ob Investor oder Trader, sich nicht per se den Ansätzen des „Gegners“ zu verschließen. Vieles passt nicht immer zusammen, das stimmt. Aber die Ansätze ergänzen sich öfter gut, als so mancher Kritiker denkt.

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Über den Autor
Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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Herausgeber: Investor Verlag | VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG
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