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Entwicklungen in der Türkei sind Gift für den Handel

Die Bilder, die wir augenblicklich aus der Türkei sehen, wirken nicht nur bedrohlich, sie sind es auch und bedürfen zum Abschluss der Börsenwoche daher unserer Aufmerksamkeit – schon allein aus wirtschaftlicher Sicht.

Denn die harte Linie des türkischen Präsidenten Erdogan droht das Land wirtschaftlich zurückzuwerfen. Bei den ausländischen Investoren wächst die Skepsis. Gerade deutsche Firmen spielen hier eine Schlüsselrolle.

Wirtschaftliche Lage in der Türkei unter Beschuss

Unter dem Eindruck der täglichen Hiobsbotschaften, willkürlichen Festnahmen, Entlassungen von Staatsbediensteten sowie „Säuberungen“ im Militärapparat zeigt sich die türkische Wirtschaft – und nicht nur diese – alarmiert. Man rechnet mit erheblichen Kollateralschäden.

So äußerte sich BDI-Präsident Ulrich Grillo zu der Entwicklung in der Türkei gegenüber dem Handelsblatt: „Wir betrachten die Entwicklung in der Türkei mit Sorge. Der Putschversuch und viele Terrorakte maximieren die politische Instabilität.“

Seiner Einschätzung nach ist davon auszugehen, dass deutsche Unternehmen ihr Engagement in der Türkei deutlich zurückfahren, zumal es außerdem protektionistische Maßnahmen der Regierung gebe.

Vertrauen ist die Grundlage für Sicherheit und Stabilität

Klar ist: Die Suche der Regierung Erdogan nach hundertprozentiger Sicherheit vor dem vermeintlichen Feind richtet jetzt schon Verwerfungen an, die zum massiven Verlust von jeglicher Sicherheit führen – und zwar für die Gesellschaft, für den Staat und für das ganze Land, inklusive der Wirtschaft.

Denn es ist eine Binsenweisheit, dass in Zeiten, in denen Unsicherheit und Angst herrschen (schließlich weiß keiner, was als Nächstes an „Maßnahmen“ kommt…) die Konjunktur lahmgelegt wird.

Instabilität und Umwälzungen sind keine guten Voraussetzungen für florierende Geschäfte. Ganz zu schweigen von den Handelsbeziehungen zu den Nachbarn. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Recep Erdogans „großes Saubermachen“ mit jeder Maßnahme neue unsichtbare Gegner, neue Ausgegrenzte, neue Parallelstrukturen im eigenen Land schafft.

Die Logik des Ausnahmezustands ist, dass auch Erdogan und seine AKP sich nicht mehr sicher fühlen können. Denn sicher wähnt sich nur derjenige, der vertraut. Und Vertrauen ist das, was in der Türkei gerade nachhaltig zerstört wird.

Die Börsen zeigen sich unbeeindruckt – Wie lange noch?

Auch wenn sich die internationalen Börsen bislang noch relativ unbeeindruckt von den Geschehnissen am Bosporus zeigen, ja sogar teilweise auf Rekordjagd sind (ich berichtete gestern an dieser Stelle), so muss zumindest das Land selbst und damit auch etliche ausländische Investoren mit Einbußen rechnen. Oder wollen Sie etwa dieses Jahr Urlaub in der Türkei machen?

Fakt ist, dass in der Türkei und damit auch in Deutschland, wo viele türkische Mitbürger bislang friedlich nebeneinander gelebt und mit viel Fleiß auch zu unserem Wirtschaftswachstum beigetragen haben, durch die Spaltung der Bevölkerung eine vergiftete Atmosphäre in der Luft liegt.

Ich möchte mir nicht ausmalen, dass die Unstimmigkeiten zwischen Erdogan-Anhängern und jenen Landsleuten, die seine Praktiken nicht befürworten, weiter eskalieren…

Schlimm genug, dass Gülen-Anhänger hierzulande per Schild darauf hingewiesen werden, in bestimmten türkischen Läden nicht mehr einkaufen zu dürfen, wie man aus einigen deutschen Städten hört… Die Gedanken, die mir dabei durch den Kopf gehen, haben sicher einige von Ihnen.

Angst ist ein schlechter Ratgeber – Auch für Ihr Depot

Aber da Angst immer ein schlechter Ratgeber ist, gilt es jetzt mehr denn je, die Lage auf dem internationalen Börsenparkett genauestens zu beobachten und einen kühlen Kopf zu bewahren. Das gilt auch für Ihre Finanzen.

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