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Konjunktur: US-Abschwung verstärkt sich weiter

Der konjunkturelle Abschwung in den USA hat sich zuletzt verstärkt, wie die am vergangenen Freitag veröffentlichten BIP-Daten für das vierte Quartal zeigen.

Im Vergleich zum Vorquartal wuchs die US-Wirtschaft nur noch um +0,7 % (auf das Gesamtjahr hochgerechnet), während die Konsensschätzungen bei +0,8 % lagen.

Im Vorquartal wurden immerhin noch +2,0 % erreicht, davor noch +3,9 %. Um das Wachstum einmal einzuordnen: Der Zehnjahresdurchschnitt liegt aktuell bei 1,4 Prozent, das arithmetische Mittel sogar bei 3,2 Prozent.

Die jüngsten Wachstumsdaten sind daher – obwohl immerhin  noch positiv – ziemlich unterirdisch. Überdies zeigt der Trend seit etlichen Quartalen klar abwärts.

Positiv ist der Umstand, dass das Wachstum nur leicht unter den Erwartungen lag. Immerhin ist das vierte Quartal das mit dem traditionell schwächsten Wachstum. Allerdings handelt es sich um eine Erstschätzung.

Die Zweitschätzung dürfte genauer ausfallen. Sie wird am 26. Februar veröffentlicht. Hier könnte es noch zu einer kräftigen Abwärtsrevision kommen, die der Markt dann womöglich nicht mehr so stark würdigen wird, weil die Daten ja schon „durchgekaut“ wurden.

Halten wir also schon mal fest: das Wachstum in den USA ist weiter rückläufig. Aber zuletzt gab es immerhin noch Wachstum.

Den größten (und einzigen nennenswerten positiven) Wachstumsbeitrag liefert traditionell der private Konsum, der um 1,46% zum Vorquartal zulegte. Dieser ist nach wie vor robust, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie in den Vorquartalen.

Doch angesichts der zuletzt stark gefallenen Öl- und Benzinpreise, die den Konsumenten ungeahnte finanzielle Spielräume ermöglichen, muss man sich die Frage stellen, warum der Konsum nicht noch stärker war.

Was wird wohl passieren, wenn die Öl- und Benzinpreise nicht mehr weiter fallen? Was passiert, wenn der Wind auf dem US-Arbeitsmarkt dreht?

Fragen nach der US-Datenqualität wirft der ebenfalls am vergangenen Freitag veröffentlichte Chicago Einkaufsmanagerindex auf. Dieser wurde für Januar bei 55,6 Punkten gemeldet. Im Vormonat wurden nur 42,9 Punkte gemeldet, erwartet wurden leidlich 45,4 Punkte.

Woher kommt dieser wahnwitzige Anstieg, der sich mit keinem der anderen US-Einkaufsmanagerindizes decken will? Plötzliche Autokäufe? Selbst wenn man eine korrekte Datenermittlung unterstellt:

Der Index hat damit lediglich den kräftigen Einbruch der beiden Vormonate wieder aufgeholt, eine Trendwende nach oben ist das noch nicht, die kommenden Daten werden höchstwahrscheinlich wieder einen Rückgang zeigen.

Zudem zeigt das Niveau des Vormonats eine Größenordnung na, die in der Vergangenheit fast sicher zu einer US-Rezession geführt  hat. Ich werde daher nicht viel auf diesen einsamen positiven Ausreißer geben, solange dieser nicht von anderen Daten bestätigt wird.

Die Märkte wurden am Freitag von den gar nicht so schlechten US-Wirtschaftsdaten kaum noch beflügelt. Was wohl daran liegen dürfte, dass das nahende Wochenende bevorstand, über das sich Anleger aus Respekt vor möglichen Überraschungen nicht so weit aus dem Fenster lehnen wollen.

Das einzige wirklich kurstreibende Ereignis zum Wochenausklang war die überraschende Lockerung der japanischen Geldpolitik am Freitagmorgen. Im Anschluss kam es zu einer nennenswerten Kurserholung rund um den Erdball.

Es bleibt abzuwarten, ob diese angesichts zu Wochenbeginn wieder schwächerer Chinabörsen von Bestand ist. China bleibt das Zünglein an der Waage. Hier halten sich positive Faktoren wie frische Liquidität und negative Faktoren wie ein hartnäckiger Abwärtstrend und weiter schwache Wirtschaftsdaten die Waage.

DAX Tageschart

DAX_Tageschart

Schaft der DAX endlich den Ausbruch über den kurzfristigen Widerstand bei 9900 Punkten, ist der Weg für eine weitere Kurserholung gegen den übergeordneten Abwärtstrend frei. Dann können wieder Kurse im mittleren 10.000er Bereich erhofft werden.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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