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Konjunktur: Schwache Daten liefern EZB neue Munition

Investoren und Analysten bewerten die Konjunktur im Euro-Raum so ungünstig wie seit Anfang 2015 nicht mehr.

Das sagt zumindest der Sentix Konjunkturindex, der gestern gemeldet wurde und im März überraschend um 0,5 auf 5,5 Punkte gefallen ist.

Während die von  Reuters befragten Ökonomen noch auf einen leichten Anstieg auf 8,0 Zähler gerechnet hatten. Es handelt sich um den dritten Rückgang in Folge. Für gewöhnlich bedeutet das den Beginn einer größeren Abwärtsstrecke.

Doch auch hier gibt es Licht: Die Börsenexperten schätzten zwar die Lage schlechter, dafür die Aussichten für die kommenden Monate etwas besser ein. Mit einem Indikator auf Basis der Befragung von Finanzmarktexperten gilt es allerdings auch, vorsichtig umzugehen.

In der Regel hängt dessen Entwicklung an der momentanen Kursentwicklung. Der DAX hatte sich zuletzt erholt und befindet sich in einer technischen Erholung. Offenbar hoffen die Anleger (nicht ganz zu Unrecht), dass sich diese noch ein wenig fortsetzt. Also ist man für die kommenden Wochen optimistisch. Mit der Konjunktur hat das aber wenig zu tun.

Zumindest liefern niedrige Aktienkurse und skeptische Umfragewerte der Europäischen Zentralbank schon am kommenden Donnerstag neue Munition, um ihre (bisher nutzlosen) Wertpapierkäufe weiter auszudehnen.

Das könnte in der Tat die Kurse nochmals beflügeln. Die gewünschte Inflation ist bisher nicht eingetreten. Sie wird es auch nicht, solange man nur Wertpapiere aufkauft und Zinsen senkt (weiter in den negativen Bereich). Das eine „Problem“ sind fallende Rohstoffpreise, auf die die EZB keinen Einfluss hat.

Das andere Problem ist der mangelnde Konsum in der Eurozone, den man nur durch sichere Arbeitsplätze, Rechtssicherheit und mehr verfügbares Einkommen der Konsumenten ankurbeln kann. Das kann jedoch keine Zentralbank leisten. Hier wäre die Politik gefordert.

Doch wie soll jemand das Problem des lahmenden Konsums und drückender Unsicherheit erkennen, der ein festes Parlamentsmandat hat und  jedes Jahr ganz leistungsunabhängig automatisch erhöhte Diäten sowie steuerfreie Spesenpauschalen in fünf- bis sechsstelliger Höhe bekommt und dabei schwerpunktmäßig damit beschäftigt ist, die eigene Unfähigkeit mehr oder weniger geschickt vor der Öffentlichkeit zu verbergen?

Ich würde Politikerbezüge künftig zumindest teilweise an die Entwicklung langfristiger Wirtschafts- und Demoskopiedaten knüpfen und die Prämien bei niedrigem Grundeinkommen durchaus üppig ausfallen lassen. Damit statt Pappnasen dereinst fähige Experten die Ruder übernehmen können.

Unterdessen bekommt die deutsche Industrie im Januar den zweiten Monat in Folge weniger Aufträge. Mit -0,1 Prozent fiel der Rückgang jedoch erfreulich minimal aus. Die starke Nachfrage aus der Euro-Zone glich die Flaute im Inland und im Rest der Welt nahezu aus.

Dazu lässt sich allerdings sagen, dass die Flaute der Weltkonjunktur erst begonnen hat, Europa zu erfassen. Sofern der Kontinent keine Insel der Glückseligen ist – ich gehe nicht davon aus – werden die künftige Wirtschaftsdaten erheblich schwächer ausfallen.

So, wie es der mehr in die Zukunft gerichtete ifo-Geschäftsklimaindex mit seinem zuletzt steilen Einbruch befürchten lässt. Der DAX mag mit einem KGV von derzeit 13 im internationalen Vergleich billig erscheinen. Doch er hatte die gleiche Bewertung auch zum Start der Finanzkrise im Jahr 2007.

Ein reichliches Jahr später hatte sich der Index mehr als halbiert und ein KGV von 7. Da half auch die angebliche „Alternativlosigkeit“ von Aktien, die bereits damals angesichts rasant fallender Zinsen galt, nicht. Wenn erst einmal die Zwangsverkäufe von Fonds laufen, weil Anleger ihre Fondsanteile ausgezahlt haben wollen, sielen fundamentale Betrachtungen keine Rolle.

Dann freuen sich höchstens hartgesottene Langfristanleger, die nach vielen Jahren endlich einmal wieder echte Schnäppchenkäufe tätigen können. Ein KGV von 7 beim DAX wäre in der Tat ein verlockendes Angebot, wo ich bei einem DAX-Kauf nicht lange überlegen würde. Doch dazu müsste sich der Index halbieren – bei unveränderten Gewinnaussichten der Unternehmen. Schauen wir mal, was die nächste Finanzkrise so bringt.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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