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Keine Rückkehr zur Normalität

BALTIMORE –

Im Laufe unseres Lebens hatten drei Fed Chefs eine ähnliche Herausforderung.

Jeder der drei war zu einem Zeitpunkt an der Spitze der Fed, als eine „Normalisierung“ der Zinssätze angesagt war.

Gestern erinnerten wir uns an William McChesney Martin, den Chef der US-Fed während der Amtszeit der Präsidenten Truman, Eisenhower, Kennedy, Johnson und Nixon.

Heute vergleichen wir Martin speziell mit Frau Janet Yellen.

Sie können dann Ihre eigenen Schlußfolgerungen daraus ziehen.

Sich gegen den Wind lehnen

Im Jahr 1951 stritt die Fed und das Finanzministerium über die „Normalisierung“ der Zinspolitik nach fast 10 Jahren strenger Kontrolle.

Im Jahr 1942, nachdem die USA in den zweiten Weltkrieg eingetreten waren, setzte die Fed auf Antrag des Finanzministeriums die Zinsen auf einem niedrigen Niveau fest, um es für die Regierung einfacher zu machen, den Krieg zu finanzieren. Kommen wieder Friedenszeiten, so sollte dann wieder ein „normales“ Zinsniveau vorherrschen.

Nachdem die Soldaten wieder nach Hause kamen, entwickelte Martin zwei Metaphern, um seine Ansichten zum Zentralbanking auf den Punkt zu bringen.

Die erste war, dass die Zentralbank die Zinsen weder zu hoch noch zu niedrig ansetzen sollte, sondern sich gegen“den Wind lehnen sollte“. Die Idee dahinter, die Marktkräfte dadurch zu moderieren, indem ein wenig antizyklischer Druck ausgeübt würde.

Wenn die Wirtschaft heiß läuft, sollte die Zentralbank die Zinsen etwas höher als üblich festlegen. Wenn die Wirtschaft abkühlt, ist es geboten, einen noch etwas tieferen Zins anzustreben.

Schauen wir auf die zweite Metapher von Martin.

Die Aufgabe der Fed sei es, „die Bowle“ mitten in der Party wegzunehmen. Anders formuliert, die Zinsen sollten schon vor die Wirtschaft in einen nicht nachhaltigen Boom eintritt erhöht werden.

Zeiten ändern sich

Herr Martin war nicht unbedingt weniger intelligent als die, die ihm nachfolgten. Aber die Zeiten ändern sich. Moden ändern sich.

Heute erscheint Herr Martin genauso aus der Mode zu sein wie Gamaschen zu tragen.

Im Februar 1951 lief der Verbraucherpreisindex oder CPI auf fast 8% pro Jahr hoch. Präsident Truman bestellte den Offenmarktausschuss der Fed ins Weiße Haus ein – mit Martin als Hauptverhandler. Er wollte das Versprechen haben, dass die Zinsen auf dem tiefen Niveau belassen werden.

Aber die Fed weigerte sich, die bestehende Situation beizubehalten.

Martin kündigte dann an, dass er es erlauben würde, dass die Zinsen steigen. Und das taten sie dann auch. Von knapp 1% als Martin als Fed-Chef eingeführt wurde bis auf knapp vier Prozent Anfang der 1960er-Jahre.

Keine Rückkehr zu normalen Verhältnissen

Und jetzt haben wir Frau Janet Yellen an der Spitze der Fed.

Die Situation ist nicht mit der damaligen Lage bei Herrn Martin vergleichbar. Heute ist die Fed besorgt, dass die Verbraucherpreise nicht schnell genug steigen.

„Die Sorge um eine anhaltend niedrige Inflation“ ist es, was den Schlaf der Fed-Gouverneurin Lael Brainard stört.

Und jetzt liegen sieben Billionen Dollar an Staatsverschuldung der Industrieländer bei Renditen unter Null – Regierungen auf der ganzen Welt kommen an kostenloses Geld heran.

Wieder zu normalen Verhältnissen zu kommen ist nie einfach, vor allem, wenn Sie überhaupt nicht wieder dahin zurück wollen.

Am 27. März 2015 sprach Frau Yellen folgendes über ihre Herausforderung.

„Normalisierte Geldpolitik: Aussichten und Perspektiven“ war der Titel ihrer Rede. Aber sowohl der Inhalt als auch die Schlußflogerungen hatten kaum Gemeinsamkeiten mit denen von Mr. Martin.

Wo Herr Martin darauf bestanden hatte, dass diktierte Zinsen „unvereinbar seien mit freiem Unternehmertum“ sah Frau Yellen insofern keine Unstimmigkeit.

Und wo Herr Martin und auch Herr Volcker entschlossen zur Tat schritten, scheint Frau Yellen unsicher zu sein.

Vor einem Jahr sagte sie, dass sie die Zinsen „nur allmählich“ normalisieren würde … obwohl sie die „makroprudenzielle Regulierungs- und Aufsichtsinstrumente“ hat, die Arbeit zu tun, sollten Anleger keine Wunder erwarten.

Und es geschahen bisher auch keine Wunder. In den letzten 12 Monaten, die seit ihrer Rede vergangen sind, sind nur magere 25 Basispunkte das geizige Geschenk an die Sparer.

Eine Rückkehr zur Nomalität ist nirgends in Sicht…

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Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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