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ifo-Index legt zu, Wachstum bleibt schwach

Vorgestern wurde (wie jeden Monat) der ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht, ein viel beachtetes Konjunkturbarometer für die deutsche Wirtschaft. Der Index fiel auf den ersten Blick sehr erfreulich aus. Die Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft hat sich in allen vier Hauptsektoren (Verarbeitendes Gewerbe, Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel) verbessert.

Die Bauwirtschaft erreicht – wenig verwunderlich – sogar ein Rekordniveau. Der ifo Geschäftsklimaindex ist von 106,7 Punkten im April (durch Saisonbereinigung korrigiert) auf 107,7 Punkte im Mai gestiegen.

Die für die künftige Entwicklung besonders wichtigen ifo Geschäftserwartungen sind dabei mit einem Indexwert von 101,6 das dritte Mal in Folge gestiegen und haben somit einen positiven Trend ausgebildet. Damit stehen die Zeichen positiv für eine künftige Expansion. Doch kommen wir zu den Wermutstropfen.

Von früheren Hochständen sind die Geschäftserwartungen allerdings noch weit entfernt. Überhaupt dümpelt der gesamte ifo-Index nun schon seit über 5 Jahren(!!) lustlos seitwärts vor sich hin, wobei sich kurze Auf- und Abschwungphasen abwechseln.

Das ist umso kritischer, als die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (seit Jahren extrem niedrige Kreditzinsen, zuletzt massiv ausgeweitete Assetkäufe, die jetzt auch Unternehmensschulden umfassen) schon lange extrem locker ist.

Für die deutsche Wirtschaft rechnet man derzeit mit einem Wirtschaftswachstum von +0,7 Prozent zum Vorquartal, was einer Jahresrate von 1,6 Prozent entspricht. Das ist nicht unsolide und entlarvt die zuletzt zum Jahresbeginn am Markt verbreiteten Rezessionssorgen als weit übertrieben.

Dennoch: Angesichts der extrem positiven geldpolitischen Rahmenbedingungen hätte ein Wachstum deutlich über der 2 Prozent-Marke herausspringen müssen. Zwar profitieren vor allem Konsum und Bauwirtschaft von den ultralockeren Geldpolitik, die Verbraucher geradezu zu Ausgaben und in Kredite zwingt. Jedoch bleiben gleichzeitig die Unternehmensinvestitionen schwach und das Exportumfeld verhalten.

Den Schwellenländer machen nach wie vor starker Dollar und schwache Rohstoffpreise zu schaffen, weshalb diese uns weniger Exporte abnehmen. Und in den USA fehlt die dringend nötige geldpolitische Unterstützung. Kurzum: die Weltwirtschaft schwächelt. Da kann auch die EZB nichts dran ändern.

Hier muss die Politik lenkend eingreifen. Nein, nicht mit schwachsinnigen Vorhaben wie Bargeldabschaffung und einer Zentralisierung in Brüssel a là UdSSR, sondern mit Reformen zur Verbesserung der Infrastruktur und der deutschen Standortfaktoren insgesamt (hinsichtlich etwa Investitionsanreizen, Steuervereinfachung, Bildung etc.). Andernfalls wird der ifo-index „ewig“ bestenfalls in seiner Seitwärtsspanne verharren – und der DAX gleich mit.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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