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Fatale Schwachstelle

Aiken, South Carolina – Jüngst lautete eine Schlagzeile wie folgt:

„Wells Fargo: Es gibt mit einer Wahrscheinlichkeit von 23,5 Prozent eine Rezession in den nächsten sechs Monaten.“

Wir stimmen nicht zu! Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession liegt deutlich höher. Nämlich bei 23,6%, nicht bei 23,5 Prozent.

Wie hoch sind die Chancen, dass Donald Trump ins Weiße Haus einziehen wird?

33,8 Prozent!

Wie stehen die Chancen, dass die Aktienkurse im Jahr 2016 steigen?

72,3%!

Zu welchem Prozenstsatz ist das alles Unsinn?

90% !!!

Gefährliche Zahlen

Friseuren sollte es nicht erlaubt werden, mit Presslufthämmern auf den Köpfen ihrer Kunden zu hantieren. Bäcker sollten keine explosiven Stoffe in ihre Öfen legen. Und Ökonomen sollten nicht mit Zahlen hantieren.

Es ist einfach nicht sicher. Wenn sie etwas zu sagen haben, sollen sie es einfach in Worten ausdrücken. Die Leser können dann für sich selbst beurteilen, ob sie irgendeinen Wert haben.

Die Zahlen sind zu ca. 82,7% falsch. Und dann sind sie auch noch irreführend. Oder noch schlimmer: Sie suggerieren, ob Sie etwas nicht wissen. Oder etwas, das Sie nicht wissen wollen.

„Ihr Blutdruck ist zu hoch“, sagt Ihr Arzt.

„Du  trinkst zu viel“, sagt Ihre Frau.

„Sie verlieren Geld“, sagt Ihr Steuerberater.

Jeder sichert seinen Anspruch mit Zahlen ab.

Aber Zahlen können auch nützlich sein, wenn man sie nicht zu ernst nimmt.

Schamlose Präzision

Werfen wir einen Blick auf unsere eigene Agora Economics 10-Jahres-Marktprognose, zum Beispiel …

Erstellt hat diese unser Chef-Analyst, Stephen Jones. Das Prognosemodell basiert – mit einigen Abänderungen – auf Warren Buffet Lieblingsindikator: Marktkapitalisierung in Relation zum BIP.

Und es zeigt aktuell eine reale (inflationsbereinigten) Jahresgesamtrendite von negativen 7,9% für den S & P 500 in den nächsten 10 Jahren an.

Hey … das ist besser, als es vor ein paar Monaten war. Und zwar aus einem offensichtlichen Grund: Aktien haben bereits einen Teil der für das nächste Jahrzehnt prognostizierten Verluste erlitten.

Aber bedeutet dies, dass Sie, wenn Sie in Aktien investieren, 7,9% pro Jahr verlieren werden?

Nein natürlich nicht. Es zeigt nur – mit schamloser Präzision – das Ergebnis unserer quantitativen Analyse.

Wir könnten die Nachricht auch bescheidener, in englischer Sprache, mit einem Zitat eines ehemaligen US-Präsidenten versehen:

This sucker is going down.“

Technische Schwachstelle

Zahlen können auch für Vergleiche nützlich sein.

Vor langer Zeit arbeiteten wir mit Mark Hulbert zusammen. Unser Ziel war es, genau zu ermitteln, welche Performance die Depots diverser Börsenbriefe auswiesen. Wir wollten sehen, wer wirklich Geld für seine Abonnenten verdient… und wer nicht.

Mark hat sich seither nur damit beschäftigt. Aber jetzt, 36 Jahre später, geht der Performance-Cop in den Ruhestand:

Was hat er gelernt? In seiner Abschiedsausgabe sagt er es uns:

„Die erste und vielleicht wichtigste Lektion ist, dass es sehr schwierig ist, den Markt langfristig zu schlagen. Nicht nur sehr schwierig, sondern extremst.

Bestenfalls können Sie darauf hoffen, den Aktienmarkt im Jahresdurchschnitt mit nur ein paar Prozentpunkten zu schlagen. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da sie die Risiken und Chancen damit definieren, den Markt zu schlagen.“

Mark hat über mehr als drei Jahrzehnte die Performance hunderter Börsenbriefe ausgewertet. Während dieser Zeit schaffte es der beste Dienst nur, die simple „buy and hold“-Strategie mit einer Überrendite von 3,7 Prozent pro Jahr zu schlagen.

Eine Fußmatte hier in Aiken zeigt ein Bild von einer Pistole mit den Worten: „Hier ist nichts drin, wofür es sich zu sterben lohnt.“

Wir wollen auch nicht für eine magere Rendite von 3,7% in den Kapitalmärkten „getötet“ werden.

Ein anderer Freund, der ehemalige Budget-Direktor des Weißen Hauses (unter Präsident Reagan), David Stockman, glaubt, dass Investoren von einigen sehr speziellen Zahlen in der nächsten Ausverskaufswelle verprügelt werden.

Er bezeichnet es als „fatale, technische Schwachstelle“ im Markt…

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Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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