MenüMenü

Drei einfache Schritte gegen einen „manipulierten“ Aktienmarkt

Der Bestseller-Autor Michael Lewis machte letztes Jahr einige Schlagzeilen, als er in seinem Buch Flash Boys die Ansicht vertrat, dass der Aktienmarkt „gezinkt“ sei.

Lewis wies darauf hin, dass High-Frequency Trader ausgereifte Algorithmen nutzen würden, um Orders im Bruchteil einer Sekunde absenden zu können und damit effektiv den Rest von uns per Frontrunning abzuzocken.

Oftmals stimmt das sogar.

In einem aktuellen Interview beschwerte er sich, dass a) nichts gegen das Problem getan wird und b) das Ausbleiben des Zornes der Privatanleger unerklärbar sei.

Allerdings gibt es einen guten Grund dafür, dass bisher nichts unternommen wurde und dass es keine Welle der Empörung gibt. Denn Lewis macht aus einem Maulwurfshügel einen riesigen Berg.

Ja, High-Frequency Trader haben einen Vorteil durch ihre Technologie. Und sie machen ein ganzes Bündel Geld damit. Aber der Effekt auf Sie und mich ist minimal.

High-Frequency Trader saugen bildlich gesehen jeden Tag Cents auf. Sie machen jeden Tag zehntausende Trades in Millionen von Aktien und gewinnen damit einen Cent hier oder dort. Sie würden sicherlich auch keinen gigantischen Wutanfall bekommen, wenn Sie eines Tages herausfinden würden, dass Ihnen jemand die Cents Wechselgeld aus dem Aschenbecher Ihres Autos genommen hat. Das ist in etwa der jährliche Effekt, den diese Leute auf Ihre Trade-Ausübungspreise haben.

Was dabei aber viel wichtiger ist, ist die Tatsache, dass das extrem hohe Volumen, dass diese Händler generieren, dafür sorgt, dass der Spread auf tausende von Aktien inzwischen so klein geworden ist, dass wir hier manchmal sogar nur über einen Penny pro Aktie sprechen. Damit könnten Sie fast schon sagen, dass der tatsächliche Nettoeffekt dieser Leute dazu führt, dass Sie Geld sparen.

Wenn Sie jedoch High-Frequency Trading alarmierend finden und sich daran stören, dann gibt es drei Schritte, die Sie durchführen können, um sich dieser Masche komplett zu entziehen.

Nr. 1: Verzichten Sie auf Daytrading

Ich würde Ihnen dies – wie damals vor 15 Jahren auch, als es erstmals beliebt wurde – genauso sagen, auch wenn keine High-Frequency Tradingtechnologie existieren würde.

Daytrading ist ein Glücksspiel, ganz einfach. Jeder Aktienpreis folgt auf eine gewisse Zeit betrachtet letztlich den Gewinnen eines Unternehmens. Aber in einer einzelnen Handelssession sind Aktienpreise ein völlig unberechenbares Phänomen, das auf allen möglichen Faktoren basiert, die mit den fundamentalen Unternehmensdaten nicht viel zu tun haben.

Jeder „Feierabend-Anleger“, der wiederholt innerhalb eines Tages in Aktien rein- und rausgeht, spielt ein dümmliches Ratespiel (und hat vielleicht sogar ein Glückspielproblem). Dabei sind die Händler, die pro Tag dutzende Trades machen, die, welche am meisten durch die kleinen Preismanipulationen betroffen werden.

Wenn also High-Frequency Trader dazu geführt haben, dass Sie mit dem Daytrading aufgehört haben, schicken Sie ihnen ein Dankesschreiben. Sie haben Ihnen einen großen Gefallen getan.

Nr. 2: Benutzen Sie stets eine Limitorder

Wenn die Aktie, die Sie kaufen möchten, bei $25.50 steht, schicken Sie keine Market-Order raus und seien Sie dann überrascht, wenn Sie einen Kaufpreis von $25.52 bekommen. Setzen Sie eine Limitorder für $25.50 an und warten Sie ein paar Minuten. Wenn Sie nicht sofort ausgeführt werden, bewegt sich die Aktie möglicherweise gerade nach oben. Holen Sie sich daher einen neuen Echtzeitpreis, nehmen Sie Ihre Order zurück und passen Sie Ihr Limit an. Sie werden Ihre Ausführung bekommen.

Wenn Sie keine Market Orders nutzen, können High-Frequency Trader Ihren Ausführungspreis nicht beeinflussen.

Nr. 3: Nutzen Sie für all Ihre Verkaufsentscheidungen Schlusspreise anstatt Intraday Kurse

Flash Crashes und hohe Level an Intradayvolatilität haben dazu geführt, dass wir hier beim amerikanischen Oxford Club unseren Lesern keine Intraday-Stops mehr empfehlen.

Es nervt einfach etwas, wenn Sie sehen, dass eine Aktie bei $20 eröffnet, dann nach unten gerissen wird auf $16.50, nur um dann bei $19.75 zu schließen.

Wenn Ihre Verkaufsentscheidung auf Schlusspreisen basiert, kann kein Market Maker oder High-Frequency Trader Sie beim Intraday-Tief abzocken. Es gibt natürlich die Möglichkeit, dass eine Aktie tatsächlich auch beim Tagestief schließt. Aber Sie haben damit Ihr Risiko ausgeschaltet, dass Sie in einer volatilen Handelssitzung aus dem Markt geschüttelt werden, bevor der Markt sich wieder erholt.

Kurz und Knapp: Lewis liegt falsch. Der Aktienmarkt ist nicht gezinkt oder manipuliert. Und das ist auch der Grund, warum es keine öffentliche Welle der Empörung gibt. Und darum ist bisher auch noch niemand verfolgt und eingebuchtet worden. Und darum gibt es auch keine Reformen im regulatorischen Bereich.

Selbst wenn Sie ein Skeptiker – oder ein Verschwörungstheoretiker – sind… Folgen Sie den drei Schritten, die ich hier genannt habe, und es gibt keinen Grund mehr für Sie, überhaupt darüber nachzudenken, ob man Ihnen Unrecht getan hat.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Investor Verlag

Das Team von Investor-Verlag.de informiert Sie fundiert über die aktuellen Entwicklungen auf den weltweiten Finanzmärkten - egal ob über Aktien, Devisen oder Rohstoffe.

Regelmäßig Analysen über Börse erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Investor Verlag. Über 344.000 Leser können nicht irren.