MenüMenü

Die Sucht nach Geld

Herr Markt ist ein Junkie, Miss Börse auch. Gierig saugen sie das Billiggeld der Notenbanken auf, als wäre es die Luft die sie zum Atmen brauchen.

Und jetzt wo die US-Notenbank FED erst kürzlich ihren Leitzins angehoben hat, folgen Absturz und Entzug. Aber vielleicht rudert die FED ja auch zurück.

Platzt jetzt schon die Blase?

Am 01. Oktober 2014 stellte ich in meinem Beitrag hier im Rohstoff Daily die Frage: Wie lange hält die Blase an den Aktienmärkten noch? Die Antwort darauf gab ich auch: Sobald die Zinsen steigen wird es Probleme geben.

Denn die hohe Kreditvergabe der Banken und vor allem auch der Schattenbanken (ja, die gibt es auch und zwar zuhauf in Form von Fonds und Investmentgesellschaften in den USA und Europa) war schon damals ein besorgniserregendes Szenario, weil hier das Billiggeld für hohe Risiken und eine generelle Kasino-Mentalität verliehen wurde.

Das weltweite Problem der anämischen Konjunkturentwicklung lag dabei also nicht nur bei den Banken (wie es damals überall geschrieben wurde), sondern auch bei den Unternehmen selbst. Diese aber können immer nur so handeln, wie es ihnen die ökonomische Realität vorgibt.

Das tatsächliche Problem also war und ist die Politik, die es nicht vermag in ihren Staaten ein Umfeld zu schaffen, in dem wahrhaftig neue Werte geschaffen werden können. Und weil die Politik versagt, mussten und müssen die Notenbanken an vorderster Front fortwährend gegen die eigenen Windmühlen ankämpfen.

Das sieht dann so aus:

Ausweitung der FED-Bilanz um 350% seit der letzten Finanzkrise 2008

Fed_2008

Quelle: FED

DAS ist die Antwort der Notenbanken auf Probleme aller Art. Ob Finanzkrisen, schwache Konjunkturentwicklung oder Aktienmarktturbulenzen, die Notenbanken „lindern“ die Not von Herrn Markt und Miss Börse immer mit dem einen Medikament Billiggeld.

Sie wissen ja, dass die FED-Bilanz hier nur ein Beispiel unter vielen ist. Denn neben der US-Notenbank fahren auch die EZB, die Bank of England, die Bank of Japan oder Peoples Bank of China einen extrem expansiven Kurs.

Doch Billiggeld und Nullzinsen gehen nicht spurlos an Herrn Markt und Miss Börse vorbei. Das sind die Auswirkungen:

Euphorie und High-Sein an den Aktienmärkten

Aktienmärkte

Quelle: stockcharts.com

Hier betrachten Sie die Entwicklung des S&P 500 Aktienindex. Außerdem habe ich die 4 QE-Programme zum Aufkauf von Anleihen und der Distribution von Billiggeld der US-Notenbank FED eingezeichnet.

Wie Sie unschwer erkennen können, haben die QE-Programme dem Aktienmarkt massiven Auftrieb verliehen. Herr Markt und Miss Börse schwangen sich sozusagen von High zu High. Doch seit QE4 gestoppt wurde bewegt sich der Aktienmarkt nur noch seitwärts.

Rudert die FED wieder zurück?

„Seitwärts“ war für die FED offenbar Anzeichen genug, dass es OK sei die Zinsen anzuheben. Und so hob die FED im Dezember ihren Leitzins von Absolut Null auf Pipifax (0,25-0,5%) an. Würde ja schon nichts passieren, so die Annahme. Doch passiert ist das:

Um 7% hat der S&P abgegeben seit der FED-Zinsanhebung vom 16.12.16

S&P_Dezember

Quelle: stockcharts.com

Dax, Nikkei und Shanghai Composite Index haben sogar noch mehr verloren. Da gesellen sich zum Ende der QE-Programme der FED (also dem Abzug von US-Kapital aus Deutschland, Japan und China) nämlich noch eigene Probleme.

Doch das kann der FED nicht egal sein – ob Europa, Japan oder China, auch die USA brauchen gesunde Handelspartner. Denn wenn Europa, Japan oder China in der Rezession versinken, dann kaufen Europäer, Japaner oder Chinesen weniger iPhones, John Deere-Traktoren, Coca-Cola oder McDonalds-Burger. Und passiert ist dann auch das noch:

Um krasse 34% ist der Baltic Dry Index eingebrochen seit der FED-Zinsanhebung

BalticDry

Quelle: stockcharts.com

Der Baltic Dry Index ist ein Signal für die Gesundheit der Weltwirtschaft. Er ist der wichtigste Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern und ein Frühindikator für den Welthandel. Denn über 90% des weltweiten Handels laufen über den Seeweg und werden dementsprechend vom Baltic Dry Index erfasst.

Es ist eigentlich ganz einfach: ist die Nachfrage hoch, also geht es der Wirtschaft gut, dann werden dementsprechend auch mehr Hauptfrachtgüter verschifft. Umgekehrt sinkend die Frachtraten, wenn die Nachfrage gering ist, weil es der Wirtschaft schlecht geht.

Der Baltic Dry Index zeigt sich seit seiner erstmaligen Berechnung im Jahre 1985 überaus zuverlässig dabei konjunkturelle Hoch- und Schwächephasen im Vorfeld abzubilden. Sinkt der Index steuert die Weltwirtschaft auf Probleme zu und umgekehrt.

Der Baltic Dry Index sinkt eigentlich schon seit 2014, seit abzusehen war, dass die FED mit dem Ende ihrer QE-Programme ernst machen würde. Doch der extreme Einbruch seit der Markt antizipiert hatte, dass es eine Zinsanhebung geben würde, ist in seiner Dynamik dramatisch.

Natürlich kommen hier auch noch die konjunkturellen Probleme in China hinzu, doch die FED-Zinsanhebung hätte zu keinem schlimmeren Zeitpunkt kommen können.

Die FED nimmt den Fuß wieder vom Eis

Ich habe es letztes Jahr schon mehrmals geschrieben und ich stehe weiterhin dazu: die FED-Zinsanhebung im letzten Dezember war eine dumme Idee. Aber man wollte es offenbar mal wissen. Wissen, ob das Eis hält, wenn man mal einen Fuß draufstellt, oder ob es bricht.

Nun hat das Eis geknackt und deutliche Risse bekommen. Es ist also an der Zeit, den Fuß wieder vom Eis zu nehmen. Scheinbar sind sich FED-Chefin Janet Yellen und ihre Notenbanker dessen zumindest bewusst.

Darauf deuten wenigstens die letzten Äußerungen der FEDianer, zu lesen in den aktuellen Sitzungsprotokollen. Zudem haben sich diverse Notenbanker entsprechend öffentlich geäußert.

William Dudley, Führungsmitglied der FED hatte jüngst gesagt, dass sich seit der Zinswende die Finanzierungskonditionen in den USA verschärft hätten. Das bedeutet nichts Gutes. Und James Bullard, Chef der Notenbank von St.Louis, warnte bereits öffentlich vor weiteren Zinsschritten.

Auch wenn die FED sich keine Blöße geben will (wer würde schon nach 2 Monaten den Zins wieder absenken, ohne sich lächerlich zu machen?!), einen zweiten Fuß wird sie garantiert nicht so schnell aufs Eis stellen.

Und das ist schon Zurückrudern allererster Güte. Denn damit ist die große Zinsanhebungsserie, die noch vor 1 Monat allerorten prognostiziert worden war, bereits wieder Makulatur.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Börse erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.