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Die sanfte Zinswende ist da – Jubel dies und jenseits des Atlantiks

Das billige Geld der Notenbanken treibt seit Jahren die Aktienmärkte. Die US-Notenbank hat nun, wie von den Börsen mehrheitlich vermutet, die lang erwartete Zinswende eingeleitet. Die Fed erhöht erstmals seit der Finanzkrise wieder den Leitzins.

Notenbankpräsidentin Janet Yellen habe „die bestvorbereitete Zinserhöhung der Geschichte vollzogen“, schrieb Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. „Mit der Aussicht auf eine positive US-Wirtschaft und mögliche, aber längst nicht sichere Zinsschritte in 2016 können die Investoren gut leben.“

Der US-Aktienmarkt hat am Mittwoch mit deutlichen Kursgewinnen auf Leitzinswende reagiert. Der Dow Jones kletterte um 1,28% auf 17.749 Punkte und legte damit den dritten Tag in Folge zu.

Die amerikanische Notenbank hat die Fed-Funds-Rate um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne zwischen 0,25 und 0,50% angehoben. In ihrer Pressekonferenz im Anschluss an die Entscheidung sagte Yellen, dass die „Zinserhöhung das Ende einer außergewöhnlichen Ära markiert“.

Zugleich waren die Währungshüter bemüht, den geldpolitischen Schlag mit taubenhaften Äußerungen abzumildern. Yellen zeigte sich zuversichtlich, dass der geldpolitische Normalisierungsprozess „graduell“ erfolgen werde. Es sei wichtig, die Bedeutung der ersten Zinserhöhung nicht zu dramatisieren.

Auch nach dieser Zinsanhebung bleibe die Geldpolitik stimulierend für die US-Wirtschaft. Ein einfaches Kriterium, an dem weitere Schritte festgemacht werden könnten, gebe es aber nicht.

Weg für Weihnachtsrally ist nun frei

Mit der gestrigen Entscheidung können offenbar auch die Anleger diesseits des Atlantiks bestens leben. Das Ende der zermürbenden Spekulationen über den Zeitpunkt des ersten Zinsschrittes versetzt die Börsianer am deutschen Markt in eine regelrechte Kaufwut.

Der DAX machte bis Mittag einen großen Sprung auf 10.811 Punkte und knüpfte damit an seinen zu Wochenanfang begonnenen Erholungskurs an.

Bekanntlich hassen Anleger nichts mehr als Unsicherheit – und diese ist mit der Entscheidung gestern Abend endgültig vom Tisch. Damit erscheine der Weg für eine Weihnachtsrally am Aktienmarkt offen, kommentierte Analyst Craig Erlam vom Währungshändler Oanda das Marktgeschehen.

Vor allem Finanzaktien haben sich in der Vergangenheit stets sehr stark entwickelt, sobald Zentralbanken die Zinsen erhöht haben. Neben den Finanzwerten dürften wohl der Technologiesektor und zyklische Konsumgüter die Hauptprofiteure steigender Zinsen sein.

Voraussetzungen für Aktien könnten kaum besser sein

An den Börsen wird nun heftig darüber spekuliert, wie viel Zinsschritte im kommenden Jahr folgen werden. Die US-Notenbank hat für 2016 vier Erhöhungen in Aussicht gestellt. Das zukünftige Tempo wird dabei entscheidend für den Kapitalmarkt sein. „Die Zinserhöhung wird eine volatile Phase einleiten.

Der Markt wird von nun an vor jedem Treffen der Fed darüber spekulieren, ob die Notenbank eine Anhebung der Zinsen verkündet oder doch lieber abwartet“, sagt Christopher Probyn, Chef-Ökonom bei State Street Global Advisors.

Dass einige Analysten aus dem gestrigen Zinsschritt der Fed diverse Schreckensszenarien für die Aktienmärkte ableiten, ist unserer Ansicht nach schlicht und ergreifend Unsinn.

Für 2016 könnten die Voraussetzungen für die Aktienmärkte kaum besser sein. Die Notenbankpolitik ist wieder kalkulierbar, die Bewertungen sind noch moderat und die Konjunkturzuversicht legt allmählich wieder zu.

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Über den Autor Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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