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Die Hoffnungen ruhen auf Mario Draghi

Die Aktien-Märkte loten im Vorfeld der EZB-Sitzung in der kommenden Woche ihr gesamtes technisches Erholungspotenzial aus.

Die Hoffnungen ruhen in erster Linie darauf, dass Mario Draghi neue milliardenschwere Maßnahmen ankündigt, mit welchen einerseits der europäischen Wirtschaft auf die Beine geholfen werden soll,  andererseits endlich die Inflation wieder anzieht.

Dabei versuchen die Notenbanken nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und den USA seit Jahren nichts anderes. Und sämtliche Bemühungen, deflationären Gefahren damit zu begegnen, in dem man die Märkte mit Liquidität regelrecht flutet, sind bislang gescheitert.

Doch wie „Drogensüchtige“ sehnen sich die Marktteilnehmer offensichtlich nach dem nächsten „Schuss“. Damit ist das Enttäuschungspotenzial durchaus groß. Sollte Draghi nicht wirklich liefern, dürften die Märkte rasch wieder in den Sturzflug übergehen. Diese Gefahr müssen wir weiter im Hinterkopf haben.

Das Extremrisiko ist keineswegs dramatisch

Dabei geht es aber natürlich nicht um eine vermeintliche „Crashgefahr“ an den Aktienmärkten, sondern lediglich darum, dass die Börsen-Baisse noch in eine finale Verkaufsphase einschwenken würde. Und hier bleibe ich dabei, dass das Extremrisiko gar nicht so dramatisch ist.

Schließlich stellt sich noch viele Jahre lang die Frage, wo Investoren denn überhaupt Renditen erzielen können. Die Zinsen bleiben im Keller – hier sind lediglich homöopathische Anpassungen nach oben denkbar.

Und das wird sich auch dann nicht ändern, wenn die Energie- und Rohstoffpreise wieder spürbar steigen werden. Die Schulden in den wichtigsten Industrienationen sind einfach viel zu hoch, als dass sie signifikant höhere Zinsen überhaupt vertragen würden.

Wir müssen uns auf mäßigeres Wachstum einstellen

Wir sind an einem Punkt angekommen, dass wir die wichtigsten Parameter für  die nächsten zehn Jahre einfach neu definieren müssen: Wir können uns von den hohen Wachstumsraten der Weltwirtschaft von 5% und mehr per anno erst einmal verabschieden.

Das liegt auch daran, dass beispielsweise die in den letzten Jahren boomende chinesische Wirtschaft einfach eine Größenordnung erreicht hat, in der weitere zweistellige Wachstumsraten unrealistisch sind.

Und in Europa und den USA sind wir schon seit vielen Jahren froh, wenn das BIP wenigstens um 1% per anno zulegt. In richtigen Boomphasen sind auch mal 3% drin. Mehr aber nicht.

Wir nähern uns der technischen Entscheidung

Doch Wachstum ist Wachstum – und die besten Unternehmen der Welt kommen in einem solchen Umfeld bestens zurecht. Die Weichen für diese „Schildkrötenphase“ des Wachstums werden gerade gelegt. Die derzeitige Abkühlung in China ist der eigentliche Auslöser dafür.

Sie sorgt derzeit für überfällige Bereinigungsprozesse, die noch nicht abgeschlossen sind. Ich rechne daher auch fest damit, dass uns das laufende und auch das nächste Quartal eher bescheidene Unternehmensergebnisse bescheren werden.

Natürlich müssen wir in diesem Zusammenhang auch immer wieder mit Enttäuschungen und Kurseinbrüchen rechnen – es sei denn, die Börsen nehmen dies in den kommenden Wochen schon vorweg.

Fazit: Wir nähern uns der technischen Entscheidung, ob die Korrektur an den Aktienmärkten eine Fortsetzung findet oder ihr Ende. Die wichtigsten Börsen-Indizes nähern sich aktuell ihren fallenden 200-Tage-Linien und weiteren technischen Hürden. Gelingt der signifikante Ausbruch nach oben, können wir das Gaspedal wieder durchtreten.

Geschieht das Gegenteil, können wir uns noch einmal auf die Lauer legen, um auf Schnäppchenjagd zu gehen. Dieses Szenario favorisiere ich weiterhin, weil es uns die solideste und beste Basis für einen neuen mehrjährigen Börsenaufschwung liefern würde.

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Über den Autor Cliff Michel

Cliff Michel, 44 Jahre alt, ist studierter Betriebswirt und seit Jahren an der Börse aktiv. Seit nunmehr 12 Jahren betreut und berät er renditeorientierte Anleger.

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