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Der reichste Mann der Welt – Kein Haifisch sondern ein gutmütiger Opa

von Cindy Bach

Liebe Leserinnen, liebe Leser

stellen Sie sich vor: Sie investieren heute 10.000 Euro in Aktien eines Unternehmens und bekommen im Jahr 2049 dafür 65 Mio. Euro, also das 6.500-fache ihres eingesetzten Kapitals zurück. Das klingt wie ein Märchen, hätte aber schon jetzt für Sie Realität sein können, wenn Sie vor etwas mehr als 40 Jahren der Anlagestrategie eines gewissen Herrn namens Warren Buffett gefolgt wären.

Im Jahre 1965 übernahm der damals 26-jährige Familienvater die Textilfirma Berkshire Hathaway in New England. Damals lag der Berkshire-Aktienkurs weit unter 20 Dollar. Heute zahlt man dafür etwas mehr als 135.000 Dollar. Ein Blick auf den nachfolgenden Chart spiegelt den „unglaublichen“ Erfolg eines Unternehmens, seiner Aktie und seines Chairman wieder. Allein im schwierigen Börsenjahr 2007 schaffte die Aktie einen Anstieg um „läppische“ 30.000 Dollar. Der Berkshire Hathaway-Konzern ist aktuell allein an der Börse 147 Mrd. US-Dollar wert.

Chart

Und der „Erfolgsmacher“: Der wurde gestern mit einem privaten Vermögen von 62 Mrd. US-Dollar (rund 40 Mrd. Euro), laut der aktuellsten Studie des Magazins „Forbes“, zum reichsten Mann der Welt „gekührt“. Der legendäre Investor überholte damit erstmals den seit Jahren in der jährlichen „Reichenhitliste“ führenden Microsoft-Gründer Bill Gates. Der fiel mit 58 Mrd. Dollar sogar auf Platz drei zurück. Den zweiten Platz belegte der reichste Mann Lateinamerikas, der Mexikaner Carlos Slim Helu (60 Mrd. Dollar).

Buffett ist ein Milliardär mit Know-how. Denn er steckte sein Vermögen nicht wie viele andere „Super-Reiche“ in Sportflitzer oder klitzernde Klunker, sondern in die Aktien seiner eigenen Firma. Kein Wunder, denn in Herrn Buffetts Adern fließt echtes „Brokerblut“. Schon sein Vater war ein erfolgreicher US-Broker.

Die Strategie der Value-Investoren

Das Geschäftsprinzip dieses „Super-Investors“ ist ebenso einfach wie genial. Es beruht auf einer spezifischen Methode des Aufkaufs von Beteiligungen, die zwar vom Börsenwert (KGV) her nicht mehr so günstig erscheinen, aber bei denen der eigentliche Unternehmenswert (der so genannte innere Wert eines Unternehmens) stimmt. Diese Aktien werden so lange gehalten, bis sich dieser eigentliche „innerer Wert“ auch in Kurssteigerungen bemerkbar macht.

Dabei kommt es nicht darauf an, gleich das komplette Unternehmen aufzukaufen, sondern, wie Buffet es einmal so treffend formulierte, „nur eine Minderheitsbeteiligung zu kaufen, sich dann aber so zu verhalten, als hätte man den Laden übernommen“. Ein weiterer wichtiger Faktor beim „Value-Investment“ ist das Re-Investieren erzielter Gewinne ins Unternehmen.

Seinen Erfolg verdankt Warren Buffet also keinen hochspekulativen Trades, sondern einer Strategie, die seit Jahrzehnten kontinuierlich Renditen von im Schnitt 23 Prozent im Jahr abwirft. Hat der „Meister“ erst einmal eine Aktie ausgewählt, so hält er ihr Jahre, oft sogar Jahrzehnte die Treue. Und seine Geduld hat sich fast immer ausgezahlt. So auch bei Berkshire Hathaway.

Eine 50-jährige Erfolgsgeschichte…

Warren Buffett wurde schon kurze Zeit nach seinem Kauf von Berkshire Hathaway klar, dass das Textilgeschäft der Firma keine große Zukunft hat. Daher begann er damit, das noch vorhandene Kapital durch Investitionen in textilfremde Beteiligungen umzuleiten. So erwarb er 1967 eine Versicherung (National Indemnity – Buffett sollte diese Versicherung rückblickend 1983 als wichtigste Kraft beim Wachstum von Berkshire Hathaway bezeichnen) und 1969 die Bank Illinois National.

Nach und nach wurden die textilen Aktivitäten eingestellt, die letzte Fabrik 1985 geschlossen. 1982 wurde Berkshire Hathaway mit der Beteiligungs- und Rabattmarkenfirma Blue Chip Stamps fusioniert. Buffetts Freund und bisheriger Präsident von Blue Chip Stamps, Charles Munger, wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden ernannt.

Berkshire Hathaway erwarb in den vergangenen Jahrzehnten Unternehmen, entweder komplett (Nebraska Furniture Mart, Scott-Fetzer, Shaw Industries) oder bedeutende Beteiligungen (Coca-Cola, Gillette, The Washington Post). Heute ist Berkshire Hathaway eine der 25 größten Firmen der USA und einer der größten Steuerzahler.

Der „bewusste“ Weg an die Spitze

Warren Buffett weiß, dass er zeit seines Lebens etwas für diesen Reichtum tun musste. Nur zu verständlich, dass er es hasst, wenn jemand aus purem Glück reich und mächtig wird. Das jedenfalls erklärte Buffett laut eines „Spiegel“-Berichts kürzlich, als er sich im amerikanischen Kongress gegen die Abschaffung der Erbschaftsteuer aussprach. „Vermögensdynastien, die Feinde einer Meritokratie, sind im Kommen“, habe er hier gewarnt.

Und doch ist er auch jetzt, da er den „Gipfel“ erklommen hat, keiner, der sich nun mit seinen Milliarden ein „fettes Leben“ gönnt. Das hatte er auch nie vor. Schon vor Jahren hatte er sich gegenüber den Medien geäußert, sein Vermögen nach seinem Tod wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen zu wollen. Dann starb vor etwa vier Jahren seine Ex-Ehefrau. Das habe ihn schließlich dazu bewogen, einen Großteil seines Vermögens schon zu Lebzeiten der wohltätigen Stiftung von Bill und Melinda Gates zu schenken.

Und anstatt offiziell zu protzen, mahnt er seine Landsleute vor wachsender Ungleichheit in der US-Gesellschaft. Auch deshalb soll der Börsenstar darauf verzichtet haben, einen Kommentar dazu abzugeben, dass die Zeitschrift „Forbes“ ihn in ihrem alljährlichen Ranking nun an der Spitze sieht.

So gar nicht glamourös und Aufsehen erregend tun also die Nummer 1 und die Nummer 3 der reichsten Menschen der Welt etwas für den guten Zweck. Bill Gates und Warren Buffett vereint ihr Reichtum, eine Freundschaft und die Tatsache, dass sie ihr Leben lang für das gearbeitet haben, was sie nun zu 80 Prozent in die Wohltätigkeit stecken. Sicher: Wenn man 80 Prozent von 62 Mrd. US-Dollar abzieht, bleibt Buffett noch immer eine sehr „schmucke Rente“. Aber dennoch wirkt er mehr wie ein gutmütiger Opa als wie ein „Haifisch“ von der Wall Street. Er ist echt geblieben, auch mit echt viel Geld.

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Wochenende.

Ihre

Cindy Bach

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